Norbert Hofer | Bildquelle: dpa

Porträt Hofer Der stramm Nationale

Stand: 04.12.2016 01:41 Uhr

Er trägt mal Janker, mal feinen Zwirn und gerne auch eine Glock-Pistole: FPÖ-Kandidat Norbert Hofer. Rhetorisch gut geschult beherrscht er den Rollenwechsel zwischen sanft und hart. Und doch ist er vor allem eines: ein stramm Deutsch-Nationaler.

Von Stephan Ozsvath, ARD-Studio Wien

Er trägt die dunkelblonden Haare sorgsam gescheitelt. Blitzblaue Augen. Ein Dauerlächeln auf den Lippen, die Stimme leicht angehoben, so klingt sie auch nach "Lächeln". Der 46-jährige Steirer Norbert Hofer, mit Wohnsitz im Burgenland, ist der Hoffnungsträger der rechtspopulistischen FPÖ. Der Präsidentenkandidat gibt sich volksnah.

Glock-Pistole und lindgrüne Wohnungseinrichtung

Der gelernte Flugzeugtechniker und Vater von vier Kindern stammt aus einem "blauen" Haushalt, schon der Vater war FPÖ-Politiker. Hofer gehört - entgegen der zur Schau gestellten Volksnähe - dem elitären St. Georgs-Orden an. Im Wirtshaus trägt Hofer Trachtenjanker, sonst feinen Zwirn. Auch eine Glock-Pistole hat er gelegentlich dabei. Er mag Schießen.

Seit einem Paragleiterunfall muss Hofer einen Gehstock benutzen. Im Parlament befasst er sich mit Sozialfragen, insbesondere Behindertenbelangen. Im Wahlkampf posierte er mit Hauskater Karlo, bekannte, dass er ab und zu bügelt. Hofers zweite Frau - eine Altenpflegerin - enthüllte in einer Homestory seine Schwäche für lindgrüne Wohnungseinrichtungen.

Mitglied der Burschenschaft "Marko Germania"

Doch so sanft sich Hofer gibt: Er ist ein stramm Deutsch-Nationaler. Er gehört in Pinkafeld der Burschenschaft "Marko Germania" an, die das Nachkriegs-Österreich für eine "geschichtswidrige Fiktion" hält. Hofer trug die blaue Kornblume am Revers - sie war das Erkennungszeichen der Nazis in Österreich, als sie in den dreißiger Jahren verboten waren. Hofer verteidigte seine Burschenschaftler: "Es gibt sehr nette und es gibt weniger nette, wie in allen anderen Bevölkerungsgruppen auch."

Ein Wolf im Schafspelz?

Politisch tritt Hofer für Volksabstimmungen nach Schweizer Modell ein. Er ist gegen die Homo-Ehe. Er hat das Parteiprogramm der FPÖ mit geschrieben. Im Wahlkampf drohte Hofer mit den Befugnissen des Bundespräsidenten: Er kann Regierungen ein- oder absetzen. Man werde sich noch wundern. Ein Wolf im Schafspelz also? Norbert Hofer selbst drückt es so aus: "Ein Wolf im Schafspelz bin ich nicht - ich habe überhaupt keinen Pelz."

Rhetorisch ist Hofer gut geschult. Jahrelang hat er selbst für seine Partei Trainings geleitet. Er beherrscht die Rollenwechsel zwischen sanft und hart, Angriff und Verteidigung. Er ist gleichsam die weiche Variante von FPÖ-Parteichef Strache, meint Kommunikationsexperte Walter Ötsch. "Er hat eigentlich das Image eines Durchschnittsösterreichers", so Ötsch.

Die FPÖ will auch das Kanzleramt

Doch das Null-Acht-Fünfzehn-Image übertüncht lediglich die politischen Ziele der Rechtspopulisten. Das ist vor allem: Ausländerfeindlichkeit. Und der vermeintliche Kampf gegen das Establishment. In der Flüchtlingsfrage treibt die FPÖ die anderen Parteien vor sich her, Konservative und Sozialdemokraten buhlen bereits um die FPÖ - denn die will nicht nur mit Norbert Hofer die die Hofburg erobern, sondern auch mit Strache das Kanzleramt.

Der Rechtspopulist: Porträt Norbert Hofer, FPÖ
S. Ozsváth, ARD Wien
04.12.2016 01:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das Europamagazin am 20. Nobember 2016 um 12:45 Uhr.

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