Rückschlag für die Aids-Forschung Von HIV "geheiltes" Kind wieder infiziert

Stand: 11.07.2014 15:08 Uhr

Dr. Anthony S. Fauci | Bildquelle: dpa
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Einer der führenden AIDS-Experten in den USA: Dr. Anthony Fauci

Herber Rückschlag für die Aids-Forschung: Bei einem geheilt geglaubten vierjährigen Kind in den USA ist das HI-Virus wieder aufgetaucht. Nach zwei Jahren ohne Medikamente, in denen keine Viren im Körper des Mädchens nachweisbar waren, sei der Aids-Erreger nun wieder präsent, teilten die Ärzte des Kindes an der Universität von Mississippi am Donnerstag (Ortszeit) mit.

"Dies ist natürlich eine enttäuschende Wende für das junge Kind, für seine Ärzte und für die gesamte Aids-Forschung", sagte der Direktor des US-Aidsforschungsinstitutes NIAID, Anthony Fauci. "Wissenschaftlich erinnert uns das daran, dass wir immer noch viel zu lernen haben über die Feinheiten von HIV und wo der Virus sich im Körper versteckt."

Ärzte sprachen von "funktioneller Heilung"

Das als "Mississippi-Baby" bekannt gewordene Kind war 2010 in einer ländlichen Gegend dieses US-Bundesstaats zur Welt gekommen. Die Mutter war HIV-positiv, wusste davon aber nichts. Nachdem Tests die Infektion nachgewiesen hatten, begannen die Ärzte rund 30 Stunden nach der Geburt damit, das Baby mit einer Kombination aus drei Medikamenten zu behandeln. Das ist viel früher als sonst üblich. Bereits nach einem Monat waren die Viren nach Angaben der Ärzte kaum noch im Körper des Mädchens nachweisbar. Das Mädchen bekam die Medikamente, bis es 18 Monate alt war. Dann verloren die Ärzte zehn Monate lang seine Spur.

Als sie das Kind schließlich wieder zu sehen bekamen, konnten sie keine Spuren des HI-Virus entdecken - und das, obwohl das Mädchen keine Medikamente mehr genommen hatte. Die Therapie wurde nicht wieder aufgenommen, das Virus blieb dennoch zunächst verschwunden. Als der Fall im Oktober 2013 in der Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurde, sprachen die Ärzte von einer "funktionellen Heilung". Die "sehr frühzeitige aggressive antivirale Therapie" habe das HI-Virus daran gehindert, "sich in den Abwehrzellen des Kindes einzunisten".

Routinetest zeigt neue HI-Viren

Aids-Forschungslabor | Bildquelle: picture alliance / landov
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Bei einem Kleinkind in den USA ist in neuen Bluttests das HI-Virus wieder nachgewiesen worden.

Nun aber wurde das HI-Virus bei der inzwischen Vierjährigen bei einem zu Monatsanfang vorgenommenen Routinetest wieder nachgewiesen. Zudem war die Zahl ihrer für das Immunsystem wichtigen T-Zellen reduziert, und es gab HIV-Antikörper, was auf eine Verbreitung des Virus im Körper des Mädchens hinweist. Die Behandlung habe offenbar nicht alle "HIV-infizierten Zellen" ausgelöscht, sagte Institutsleiter Fauci. Warum genau, soll jetzt untersucht werden. Das Mädchen bekommt inzwischen wieder antiretrovirale Medikamente, nach Faucis Angaben geht es ihm gut.

Experten hatten zunächst aufgrund der frühen Behandlungserfolge des "Mississippi-Babys" den Schluss gezogen: Bei Neugeborenen müsse von vornherein verhindert werden, dass sich bestimmte Reservoire im Körper mit Viren füllen. Als solche Speicher, in denen die Erreger Jahre oder auch Jahrzehnte ruhen können, gelten unter anderem Lymphgewebe, Gedächtnis-Helferzellen, Knochenmark und Gehirn. Die Aids-Forscher wollen nun klären, warum das Kind so lange HIV-frei blieb. Denn normalerweise seien die Erreger bei Abbruch einer Therapie schon nach wenigen Wochen nachweisbar, nicht nach Jahren.

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