Deutsche Verbrechen im 2. Weltkrieg Experten fordern Gedenkstätte für italienische NS-Opfer

Stand: 29.06.2014 05:06 Uhr

In Rom ist heute an die 600.000 italienischen Soldaten erinnert worden, die zwischen 1943 und 1945 nach Deutschland verschleppt wurden. Anlass war die Übergabe eines Berichts, in dem die letzten Kriegsjahre untersucht wurden. Eine Kommission empfahl, eine Gedenkstätte für die Verschleppten einzurichten.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Das Wort "Entschädigung" taucht in dem Bericht der Kommission nicht auf. Das zu fordern oder gar festzulegen, sei nicht Aufgabe der Historiker, heißt es, sondern der Juristen - und die haben bereits entschieden. Im Februar hatte der Internationale Gerichtshof in Den Haag geurteilt: Die Bundesrepublik Deutschland darf für Kriegsverbrechen in Italien und für die Leiden italienischer Zwangsarbeiter nicht haftbar gemacht werden.

Dennoch erwarten die deutschen und italienischen Historiker eine "großzügige Geste" der Bundesrepublik. Dabei geht es vor allem darum, die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten und die Erforschung der deutsch-italienischen Kriegsgeschichte weiter zu finanzieren.

Gruppe deutscher Soldaten in einer Verteidigungsstellung bei Cassino (1944) | Bildquelle: picture alliance / akg-images
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Gruppe deutscher Soldaten in einer Verteidigungsstellung bei Cassino im Jahr 1944

Bis zu 15.000 Zivilisten getötet

In den letzten Kriegsjahren hatten deutsche Truppen in Italien besonders grausam und willkürlich gehandelt. Ganze Dörfer wurden ausgelöscht, 10.000 bis 15.000 Zivilisten dabei getötet, heißt in dem Bericht.

Ein besonderes Augenmerk legten die Historiker auf das Schicksal der italienischen Militärinternierten. Etwa 600.000 italienische Soldaten wurden in den letzten beiden Kriegsjahren inhaftiert und als Zwangsarbeiter eingesetzt. Ihr Leiden wurde weder in Italien noch in Deutschland anerkannt - geschweige denn angemessen entschädigt.

Die Kommission fordert daher die Einrichtung einer Gedenkstätte im ehemaligen Zwangsarbeiterlager Berlin-Niederschöneweide. Bundesaußenminister Guido Westerwelle unterstützt diesen Vorschlag. Die Bundesregierung bedauere zutiefst das Unrecht, das die italienischen Militärinternierten erlitten haben. "Wir wollen", sagte Westerwelle, "dass ihr Schicksal eine angemessene Würdigung erfährt".  

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