Tod Samir Kuntars bestätigt Extremist in Damaskus getötet - war es Israel?

Stand: 20.12.2015 20:49 Uhr

Der Extremist Samir Kuntar ist bei einer Explosion in Damaskus getötet worden. Er soll zuletzt für die Hisbollah aktiv gewesen sein, die Israel für den Tod Kuntars verantwortlich machte. Dort saß der Libanese fast 30 Jahre im Gefängnis.

Der libanesische Extremist Samir Kuntar ist bei einer Bomben- oder Raketenexplosion in der syrischen Hauptstadt Damaskus getötet worden. Dies teilten die schiitische Hisbollah-Miliz sowie syrische Staatsmedien mit. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP starben acht weitere Menschen.

Die Hisbollah machte Israel für den Anschlag verantwortlich. Zwei israelische Kampfjets seien in den syrischen Luftraum eingedrungen und hätten vier Raketen auf das Wohngebäude abgefeuert, in dem sich Kuntar aufgehalten habe.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA veröffentlichte dieses Foto, das das Haus zeigen soll, in dem Kuntar sich aufhielt. | Bildquelle: AFP
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Die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA veröffentlichte dieses Foto, das das Haus zeigen soll, in dem Kuntar sich aufhielt.

Keine Bestätigung, kein Dementi

Der israelische Bauminister Yoav Gallant begrüßte den Tod von Kuntar, vermied aber genaue Aussagen zur Rolle der Armee. "Weder bestätige noch dementiere ich, dass wir etwas damit zu tun haben."

Nicht nur die Regierung in Damaskus macht Israel für eine Reihe von Luftangriffen in Syrien verantwortlich. Weder von der israelischen Armee noch von der Regierung werden diese je bestätigt.

Kuntar war fast 30 Jahre inhaftiert

Nach seiner Freilassung aus einem israelischen Gefängnis 2008 wurde Samir Kuntar vom syrischen Präsidenten Bashar al-Assad empfangen. (Archiv) | Bildquelle: REUTERS
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Nach seiner Freilassung 2008 wurde Kuntar vom syrischen Präsidenten Assad empfangen.

Der 1962 geborene Kuntar war 1979 nach einem Terroranschlag festgenommen und zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Bei dem Anschlag waren zwei israelische Polizisten, ein Zivilist und dessen zwei Kinder getötet worden. In Israel war mit besonderer Abscheu aufgenommen worden, dass Kuntar ein vierjähriges Mädchen mit seinem Gewehrkolben erschlagen haben soll.

Kuntar war der am längsten festgehaltene libanesische Gefangene in Israel. Er und vier Hisbollah-Kämpfer kamen erst 2008 im Austausch für die sterblichen Überreste zweier israelischer Soldaten frei. Seine Freilassung löste in Israel Proteste aus. Der damalige israelische Präsident Schimon Peres sagte, er fühle "bitteren und unerträglichen Schmerz" bei seiner Entscheidung, Kuntar zu begnadigen.

Nach seiner Freilassung soll sich Kuntar der Hisbollah angeschlossen haben. Es ist aber unklar, ob er sich direkt am syrischen Bürgerkrieg beteiligte. Im September setzten die USA Kantar auf ihre Terrorliste. US-Regierungsangaben zufolge hatte er in den vergangenen Jahren beim Aufbau einer "terroristischen Infrastruktur" für die Hisbollah auf den Golanhöhen eine Rolle gespielt.

Raketen schlagen in Israel ein

Nach der Aktion schlugen in Nordisrael drei Raketen ein. Laut israelischen Regierungskreisen waren sie im benachbarten Südlibanon abgefeuert worden. Berichte über Zerstörungen gab es nicht. Israel reagierte nach eigener Darstellung mit Artilleriebeschuss. Das Militär erklärte, es mache die libanesische Armee für die Angriffe verantwortlich, die von deren Gebiet aus gestartet worden seien. Libanesische Sicherheitsbeamte berichteten, die Raketen seien südlich der Stadt Tyrus abgefeuert worden.

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