Hintergrund

Wissenschaftler warnen vor H1N1-Variante Was macht die Schweinegrippe so gefährlich?

Stand: 24.04.2009 21:01 Uhr

Wissenschaftler warnen schon länger davor, dass ein neues Grippevirus eine Epidemie auslösen könnte. Bei der Spanischen Grippe, 1918/19, mit etwa 40 Millionen Toten war der Erreger ein Vogelvirus. Nun wird offenbar das Schwein den Menschen zum Problem.

Von Werner Eckert, SWR

Auch Schweine können die Grippe kriegen - die echte, Influenza. Und die Art von Erregern, die sie befällt, die kann sehr leicht auf den Menschen übergehen. Anders als bei der Vogelgrippe.

Normalerweise ist das nichts Besonderes und Schlimmes. Fast jedes zweite Schwein in bestimmten Gegenden Amerikas - wo die Krankheit wohl herkommt - hat Antikörper, und auch in Europa dürfte sie mittlerweile verbreitet sein. Die Krankheit ist allerdings hier nicht meldepflichtig.

In Schweinen entsteht das gefährliche Virus

Schweine | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
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Das Schwein gilt als Überträger, in dem sich Grippenviren vermehren und mischen können.

Aber es gibt zwei Dinge, die Mediziner unruhig werden lassen: Zum einen ging mit der großen Grippe-Pandemie von 1918 auch ein Seuchenzug der Schweinegrippe einher. Und zum anderen gilt das Schwein als "mixing vessel" - als Überträger, in dem sich Grippeviren, die auf verschiedene Wirte spezialisiert sind, gleich gut vermehren und auch mischen können.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass das eben 1918, dann auch 1957 bei der asiatischen Grippe und 1968 bei der Hongkong-Grippe so passiert ist. Dass damals Vogelgrippeerreger und an für sich harmlose Menschengrippeviren in Schweinen zusammen kamen und dort der jeweils gefährliche neue Typ entstand.

Neuer Typ H1N1

Der aktuelle Erreger in Mexiko ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation eine neu entstandene Variante des Typs H1N1, der sowohl bei Menschen als auch bei Schweinen und Vögeln vorkommen kann. 

Die Beobachtung, dass wohl auch stark Menschen zwischen 20 und 40 Jahren betroffen sind, erinnert ebenfalls an die Grippepandemie von 1918. Denn normalerweise sind Kleinkinder und ältere Menschen die Haupt-Leidtragenden der Grippe. In diesem Fall aber provozierte der Erreger eine starke Überreaktion der Körperabwehr. Und die war gerade bei den fitten jüngeren Menschen besonders stark.

Epidemie und Pandemie

Epidemie ist ein medizinischer Fachbegriff für eine zeitlich und örtlich begrenzte besonders stark auftretende Infektionskrankheit. Eine Pandemie ist eine sich weit verbreitende, ganze Länder oder Landstriche erfassende Seuche.

Seuchen verlaufen immer glimpflicher

Experten rechnen seit längerem mit einer Pandemie - einer weltumfassenden Grippewelle. Sie rechnen aber nicht mit den horrenden Todeszahlen früherer Zeiten. Mindestens 20 Millionen Tote hatte die spanische Grippe zur Folge. Damals allerdings waren die Menschen durch Krieg und Hunger geschwächt. Seitdem scheinen alle weiteren Seuchenzüge immer glimpflicher zu verlaufen. Dank schnellerer Gegenmaßnahmen und besser Medikamente.

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