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Dreimal musste sich der verurteilte Mörder Troy Davis von seiner Familie verabschieden. Und auch vergangene Nacht wurde seine Hinrichtung in letzter Minute um mehrere Stunden aufgeschoben. US-Psychiater und Amnesty International kritisieren die 'Todesstrafe auf Raten' als Folter.
Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkstudio Washington
Von Folter sprechen amerikanische Experten der Gefangenenorganisation Amnesty International. Und von Folter sprechen auch führende US-Psychiater wie der Harvard-Dozent Stuart Grassian. 'Todesstrafe auf Raten' nennen es einige der Betroffenen. Denn nicht selten erreicht die Nachricht, dass ein US-Berufungsgericht die Hinrichtung auf unbestimmte Zeit aussetzt, die Verurteilten erst in der vermeintlich letzten Minute.
[Bildunterschrift: Hinrichtungsbank im US-Gefängnis ]
Wenn die Todeskandidaten bereits auf dem elektrischen Stuhl festgeschnallt sind. Oder auf der Pritsche, auf der sie mit einem sogenannten Giftcocktail hingerichtet werden sollen. Troy Davis hatte diese Form der Folter zwischen 2007 und 2008 gleich drei Mal erlebt.
"Als sie mich zum ersten Mal 24 Stunden vor der Exekution in die Todeszelle brachten, da hörte man erwachsene Männer weinen."
In einem seiner letzten Telefonate mit Amnesty International sagte Troy Davis, bereits vor vier Jahren sei seinen Mitgefangenen klar geworden: "Wenn ich keine Gerechtigkeit bekommen kann, dann erfährt sie niemand".
Dreimal bereitete sich Troy Davis zwischen Juli 2007 und September 2008 auf die scheinbar in wenigen Stunden bevorstehende Exekution vor. Dreimal hatte er sich in diesen beiden Jahren von seiner Familie und seinen Freunden verabschiedet. Zwar haben solche abgebrochenen Hinrichtungsvorbereitungen in den Todesstrakten der US-Gefängnisse nichts mit einer sogenannten Scheinexekution tun, wie sie Amerikas Auslandsgeheimdienst CIA unter George W. Bush im "Krieg gegen den Terror" inszenierte. Aber der traumatische Effekt für die Betroffenen sei durchaus vergleichbar, sagt Darby Tellis, der selber 18 Jahre lang unschuldig im Todestrakt eines Gefängnisses von Chicago saß:
"Der Todestrakt und auch die Todeszelle verfolgen mich lebenslänglich. Auch nach meiner Freilassung. Und deshalb kämpfe ich für die Abschaffung der Todesstrafe."
Es ist nicht immer die Botschaft eines Berufungsgerichts, welche zum Abbruch einer Hinrichtung führt. Im Bundesstaat Ohio stoppte der Gouverneur vor zwei Jahren eine Exekution, nachdem Gefängnismitarbeiter über 60 Minuten lang vergeblich versucht hatten, die tödliche Giftdosis zu spritzen. Eine Stunde lang hätten die Hinrichtungsexperten erfolglos nach einer geeigneten Vene gesucht, berichtet Michael Stark von der Initiative "Beendet die Todesstrafe" im Nationalen US-Radiosender NPR.
"Sie schnallten den Verurteilten auf einer Pritsche fest, prockelten über eine Stunde an seinen Venen und fanden keinen Weg, ihn zu töten."
Schreiend wurde der Todeskandidat Romell Broom schließlich in seine Zelle zurückgebracht. Dort wartet er weiterhin auf den nächsten Hinrichtungsversuch.
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