Unglück im Fußball-Stadion-Sheffield 1989 | Bildquelle: picture-alliance / dpa

25 Jahre nach der Hillsborough-Katastrophe Tödliche Falle für 96 Fußball-Fans

Stand: 15.04.2014 05:28 Uhr

15. April 1989: Fans des FC Liverpool drängen ins Hillsborough-Stadion in Sheffield. Die Polizei öffnet den Zugang zu einer überfüllten Tribüne. Im Gedränge sterben 96 Menschen. Eine Untersuchung soll jetzt klären, wer schuld war.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Hörfunkstudio London

Es war der 15. April 1989. Die Halbfinals im englischen Pokal wurden damals auf neutralem Boden ausgetragen. Der FC Liverpool und Nottingham Forest mussten deshalb an diesem Nachmittag in Sheffield antreten. Für die Fans aus Liverpool waren im Hillsborough-Stadion die Stehplätze zur Leppings Lane reserviert.

Vor dem Eingangstor zur Tribüne drängelten sich noch kurz vor Spielbeginn so viele Fans, dass die Polizei ein zweites Tor öffnete - ein fataler Fehler. Denn die Tribüne war zu diesem Zeitpunkt schon längst überfüllt, und immer noch drängten hunderte Fans durch den Eingangstunnel.

"Wir haben das hautnah miterlebt"

Auf der Tribüne versuchten sich die Eingeschlossenen über das Absperrgitter aufs Spielfeld zu retten. Kenny Dalglish, damals Trainer des FC Liverpool, erinnert sich: "Wir und unsere Spieler, wir haben das hautnah miterlebt. Aber vor allem für die Familien, die Mütter und Väter, die das zu Hause am Fernseher mitansehen mussten, war das eine schreckliche Erfahrung."

Rettungsversuche nach dem Gedränge
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Wer sich nicht retten konnte, erstickte oder wurde erdrückt.

Nach sechs Minuten brach der Schiedsrichter das Spiel ab. Doch da war es schon zu spät. 96 Liverpool-Fans starben, erstickten oder wurden niedergetrampelt. 766 Menschen wurden verletzt. Hillsborough wurde zur größten Katastrophe im britischen Sport. Fans und Clubs in aller Welt waren geschockt von dem Ausmaß des Unglücks.

Vier Tage später unterbrach der Schiedsrichter das Europa-Cup-Halbfinale zwischen dem AC Mailand und Real Madrid für eine Schweigeminute. Am Ende der Schweigeminute sangen die Mailänder Fans die Hymne des FC Liverpool: "You'll never walk alone."

Die Sheffield-Tragödie: Ein schwarzer Tag für den Fußball
tagesschau 20:00 Uhr, 15.04.1989, Peter Jensen, ARD

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Zu Hause in Großbritannien waren die Reaktionen weniger mitfühlend. Die Boulevard-Zeitung "The Sun" machte in fetten Schlagzeilen Liverpooler Hooligans für das Desaster verantwortlich: Sie hätten den Opfern das Geld aus den Taschen geklaut und auf Polizisten uriniert.

Es waren nicht die Fans

Erst Jahre später, in mehreren Untersuchungen, kam heraus: Es waren nicht die Fans, es waren auch keine Hooligans, die die Katastrophe verursacht hatten - es waren die Ordnungs- und Rettungskräfte, die an diesem Nachmittag in Hillsborough total versagt hatten. Um das zu verschleiern, wurden Polizeiakten gefälscht und Vernehmungsprotokolle nachträglich geändert. Dennoch ist bis heute keiner der damals Verantwortlichen verurteilt worden. Zwei Polizeiführer wurden zwar angeklagt, aber freigesprochen.

Unglück von Sheffield: Konsequenzen für Sicherheitsmaßnahmen
tagesschau 20:00 Uhr, 15.04.1989, Peter Merseburger, ARD

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Neue Untersuchung soll Licht ins Dunkel bringen

Die Hinterbliebenen ließen jedoch nicht locker. Für sie ist es noch immer unerträglich, dass ihre ums Leben gekommenen Väter, Töchter oder Söhne so lange mit dem Vorwurf leben mussten, Hooligans gewesen zu sein. Eine neue Untersuchung soll jetzt endlich die Wahrheit ans Licht bringen. Bei den ersten Befragungen brachen viele Angehörigen in Tränen aus.

Mit Kerzen und Bildern erinnern Hinterbliebene an das Unglück vor einem Vierteljahrhundert. | Bildquelle: AFP
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Mit Kerzen und Bildern erinnern Hinterbliebene an das Unglück.

"Die Familien werden jetzt schrecklich viele neue Dinge erfahren, die sie bisher nicht kannten. Das wird für uns hart werden. Ich werde aber danach vielleicht endlich wissen,  warum James gestorben ist", sagt Margaret Aspinall, deren damals 18 Jahre alter Sohn in Hillsborough ums Leben kam. Louise Brookes erzählte dem Untersuchungsrichter, sie habe am 15. April 1989 ihren Bruder und ihre Eltern verloren. Die ganze Brookes-Familie sei damals auf der Tribüne des Hillsborough-Stadions gestorben.

"Eine riesige Menge von Beweismaterial"

Die neue Untersuchung wird wohl mehr als ein Jahr dauern. "Es gibt Tausende von Papieren und Dokumenten. Hunderte von Zeugen werden befragt werden. Wir werden viele Stunden neue Aufnahmen sehen, die nie zuvor gezeigt wurden. Eine riesige Menge von Beweismaterial", sagt Lord Falconer, der die Hinterbliebenen unterstützt.

Die einzige Konsequenz bisher aus der Katastrophe: Es gibt keine Stehplätze mehr in den britischen Stadien.  

Die Katastrophe von Sheffield
tagesschau 20:00 Uhr, 16.04.1989, Marie-Elisabeth Simmat, ARD

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