Verletzte nach dem Unglück von Hillsborough

Fußballspiel in Sheffield Anklage wegen Todes von 96 Fans

Stand: 28.06.2017 17:08 Uhr

Zu Tode getrampelt und an Zäunen zerquetscht: Beim Fußballspiel in Sheffield kamen vor 28 Jahren knapp 100 Menschen ums Leben. Lange Zeit wurde den Fans die Schuld an der Tragödie gegeben. Doch nun erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen sechs Verantwortliche.

Mehr als 28 Jahre nach der Katastrophe im Hillsborough-Fußballstadion in Sheffield mit fast 100 Toten hat die britische Staatsanwaltschaft Anklage gegen sechs Personen erhoben. Bei ihnen handelt es sich um vier Polizisten, einen Juristen und den Ex-Geschäftsführer des Fußballvereins Sheffield Wednesday. Das teilte die Staatsanwaltschaft in der englischen Stadt Warrington mit.

Am 15. April 1989 war beim Pokalspiel zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forrest in dem Stadion eine Massenpanik ausgebrochen. 96 Menschen starben, weitere 766 Menschen erlitten Verletzungen. Ursprünglich wurden die Todesfälle als Unfall eingestuft. Die Polizei erklärte damals, die Fußballfans hätten mit ihrem Verhalten das Unglück herbeigeführt.

Rettungsversuche nach dem Gedränge
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April 1989: Im Hillsborough-Stadion bricht eine Massenpanik aus.

Fehlverhalten und Manipulationen

Daran zweifelten die Angehörigen der Toten, die schließlich eine neue Untersuchung durchsetzten. Eine unabhängige Kommission kam dann 2012 zu dem Schluss, dass die Sicherheitskräfte Fehler gemacht hätten. Eine neue Untersuchungskommission nahm 2014 die Arbeit auf und erklärte, die 96 Menschen seien ohne eigenes Verschulden ums Leben gekommen.  Die Akten wurden der Staatsanwaltschaft übergeben, die nun ihre Entscheidung mitteilte.

Demnach wird der damalige Einsatzleiter der Polizei wegen "Totschlags durch grobe Fahrlässigkeit" angeklagt. Das Fehlverhalten des Beamten habe "entscheidend zum Tod jedes einzelnen der 96 Menschen beigetragen, die so tragisch und unnötig ihr Leben verloren", hieß es von der Staatsanwaltschaft. Die anderen damaligen Beamten wurden unter anderem wegen Verletzung der Dienstpflichten und Behinderung der Justiz in der Folge des Unglücks angeklagt. Gegen den Ex-Geschäftsführer des Fußballclubs Sheffield Wednesday wurde Anklage wegen Sicherheitsmängeln im Stadion erhoben.

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96 Fußballfans starben am 15. April 1989 im Hillsborough-Stadium von Sheffield

Unglück im Fußball-Stadion-Sheffield 1989

Das Stadion im Sheffielder Stadtteil Hillsborough sollte am 15. April 1989 der neutrale Ort für das Halbfinale um den FA-Cup zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest sein. Statt eines Fußballfestes gab es dann eines der schwersten Unglücke in der Geschichte des Fußballs, bei dem 96 Liverpooler Fans ums Leben kamen.

Tod im Stehblock

Am Tag der Katastrophe warteten kurz vor dem Anpfiff vor dem Stadion noch Tausende Liverpool-Fans auf Einlass, der Druck an den Eingangstoren stieg. Schließlich traf der Einsatzleiter der Polizei die verhängnisvolle Entscheidung, das Eingangstor zum Westblock zu öffnen. Innerhalb von Minuten strömten rund 2000 weitere Fans auf die bereits überfüllten Ränge.

Hunderte Liverpool-Fans wurden in ihrem Block durch die von außen nachdrängenden Massen gegen die Zäune am Spielfeldrand gedrückt oder niedergetrampelt. Das Spiel wurde trotz des Gedränges angepfiffen und erst nach sechs Minuten gestoppt. Nur ein einziger Krankenwagen wurde dann aufs Spielfeld gelassen - Symbol für die vielen Fehlentscheidungen der Polizei an diesem Tag.

Premierministerin Theresa May begrüßte die Anklageerhebungen, sagte aber im Parlament, es sei "ein Tag mit gemischten Gefühlen" für die Opferfamilien. Dennoch handele es sich um "einen wichtigen Schritt nach vorn".

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Juni 2017 um 17:00 Uhr.

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