Hillary Clinton | Bildquelle: AP

Ex-Außenministerin äußert sich zu E-Mail-Affäre Clinton wollte es bequem

Stand: 11.03.2015 05:00 Uhr

Die E-Mail-Affäre beherrscht seit Tagen die US-Presse: Ex-Außenministerin Clinton soll dienstliche Mails ausschließlich über ihren privaten Server verschickt haben. Jetzt äußerte sie sich erstmals dazu - und räumte Fehler ein.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Hörfunkstudio Washington

Einen solchen Medienandrang hatte das Hauptquartier der Vereinten Nationen lange nicht mehr erlebt. Das Interesse der mehr als 100 Journalisten galt jedoch nicht Hillary Clintons Vortrag über Frauenrechte in aller Welt, sondern ihrem privaten E-Mail-Server. Nachdem auch Clintons demokratische Parteifreunde klare Antworten von ihr gefordert hatten, trat sie die Flucht nach vorne an und räumte Fehler ein: Als Außenministerin hätte sie besser ein E-Mail-Konto der Regierung nutzen sollen. "Im Rückblick wäre es besser gewesen, zwei separate Handys zu nutzen und zwei E-Mail-Adressen. Ich dachte, ein Gerät wäre einfacher. Aber offensichtlich war das nicht der Fall."

Allerdings sei ihr Motiv "Bequemlichkeit" gewesen, betonte Clinton und nicht - wie ihre Gegner vermuten - selbstherrliche Kontrolle über ihren dienstlichen Schriftverkehr. Sie habe sich vollständig an alle Gesetze und Vorschriften gehalten und keine geheimen Informationen gemailt.

Hochzeit, Yoga, Familienurlaub

Etwa die Hälfte der rund 60.000 Mails, die sie als Außenministerin von ihrem privaten Konto verschickte, sei dienstlich gewesen. Diese habe sie vor einigen Monaten dem Außenministerium übermittelt. Die anderen 30.000 Mails habe sie gelöscht, weil sie persönlicher Natur waren: "Die Hochzeit von Chelsea, die Beerdigung meiner Mutter, Yoga-Übungen, Familienurlaube - alles, was man sonst so in seinem Postfach findet."

Clinton nahm auch Stellung dazu, warum sie einen privaten Mailserver im eigenen Haus nutzte und nicht den des Außenministeriums. Der private Mailserver sei für ihren Mann, Ex-Präsident Bill Clinton, eingerichtet worden. Die Sicherheit sei jederzeit gewährleistet gewesen. Es habe keine Hackerangriffe gegeben. Auf die Frage, ob es nicht transparenter wäre, den Server einer unabhängigen Instanz zu übergeben, sagte Clinton: "Ich bin all meinen Verpflichtungen nachgekommen. Der Server bleibt privat."

Presseandrang wegen Hillary Clintons Stellungnahme | Bildquelle: dpa
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Im Fokus der Medien - wenn auch so nicht gewollt: Hillary Clinton bei ihrer Pressekonferenz in New York.

Außenministerium will dienstliche Mails veröffentlichen

Im Klartext: Einer nachträglichen Überprüfung der von ihr gelöschten Mails will Clinton nicht zustimmen. Daran entzündete sich sofort nach ihrer Pressekonferenz heftige Kritik. "Wenn sie die Vorwürfe ausräumen will, muss sie den Server bereitstellen", forderte der Republikaner Mike Rogers im Sender CNN: "Ich bin nicht sicher, ob sie überhaupt eine Wahl hat. Der Server wird wahrscheinlich schon bald Gegenstand einer Zwangsvorladung sein." Der Vorsitzende des Bengasi-Untersuchungsausschusses, der Republikaner Trey Gowdy, kündigte an, Hillary Clinton werde mindestens zweimal im Untersuchungsausschuss antreten müssen. Das Außenministerium versprach, sämtliche dienstliche Mails von Clinton zu prüfen und anschließend im Internet zu veröffentlichen.

Der Wahlkampf hat begonnen

In den US-Medien wurde Clintons Auftritt als klares Indiz für ihre Präsidentschaftskandidatur gesehen: "Sie will Präsidentin werden, sonst hätte sie diese Pressekonferenz nicht gegeben", so der Politische Direktor von NBC, Chuck Todd. Eigentlich wollte Clinton ihre Kandidatur erst im April offiziell bekanntgeben. Diese Wunsch-Dramaturgie ist nun durchkreuzt. Und weil ihr Krisenmanagement in der E-Mail-Affäre nach Meinung vieler Kommentatoren erschreckend schwach war, stürzen sich die Republikaner auf neue Angriffsflächen. Ob sie es will oder nicht: Für Hillary Clinton hat der Wahlkampf ab sofort begonnen.

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