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27.05.2012

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Ausland
Gaza-Hilfsflotte: Türkei weist Israels Botschafter aus
Streit um Gaza-Hilfsflotte

Türkei weist israelischen Botschafter aus

Ein UN-Bericht zur Bewertung des israelischen Militäreinsatzes gegen die Gaza-Hilfsflotte sorgt erneut für diplomatische Verstimmungen zwischen der Türkei und Israel. Bei dem gewaltsamen Stopp der Flotte durch Israel waren neun türkische Aktivisten getötet worden.

Ahmet Davutoglu (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der türkische Außenminister Davutoglu gab die Entscheidung seiner Regierung bekannt. ]
Die Türkei wies nun den israelischen Botschafter aus, weil sich das Land nicht für den tödlichen Militäreinsatz im Mai 2010 entschuldigt hat. Die Militärzusammenarbeit mit Israel wurde ausgesetzt. Außenminister Ahmet Davutoglu erklärte, die diplomatischen Beziehungen zu Israel würden künftig auf die Ebene der Staatssekretäre beschränkt. Der israelische Botschafter werde die Türkei bis Mittwoch verlassen. "Es ist Zeit, dass Israel einen Preis zahlt", sagte Davutoglu.

Noch keine offizielle Reaktion aus Israel

Der UN-Bericht war bereits am Donnerstag von der "New York Times" ins Internet gestellt worden. Israel selbst reagierte zurückhaltend auf das Gutachten. Es "bestätigt die Rechtmäßigkeit" der Seeblockade vor dem Gazastreifen, sagte ein ranghoher Mitarbeiter der israelischen Regierung, der namentlich nicht genannt werden wollte. Eine offizielle Reaktion Israels wird erst erwartet, wenn UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den Bericht veröffentlicht. Laut "New York Times" soll dies noch im Tagesverlauf geschehen, doch ein Sprecher Bans gab dafür keine Bestätigung.

UN-Bericht: Israels Stopp "legal, aber inakzeptabel"

Das 105 starke Papier erhebt dem Zeitungsbericht zufolge Vorwürfe gegen beide Seiten. Demnach werde die israelische Seeblockade des Gazastreifens zwar als "rechtmäßig" bezeichnet. Der Militäreinsatz gegen die Hilfsflotte, die die Blockade durchbrechen wollte, sei aber als "maßlos und unangebracht" eingestuft worden - auch wenn die Israelis an Bord des türkischen Schiffes auf "organisierten und gewalttätigen Widerstand gestoßen" seien, heißt es in dem UN-Bericht. Der Verlust an Menschenleben sei inakzeptabel.

Mavi-Marmara (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die "Mavi-Marmara" beim Verlassen des Hafens von Haifa. Neun Aktivisten wurden bei deren Erstürmung getötet. ]

Die Militäraktion hatte international für Entsetzen und Kritik an Israel gesorgt. Israel begründet die Blockade des Gazastreifens damit, den Waffenschmuggel in das Palästinensergebiet verhindern zu wollen. Die Palästinenser halten die Abriegelung für rechtswidrig und kritisieren sie als kollektive Bestrafung der 1,5 Millionen Einwohner des Gebiets. Die Schiffe der Flotte hatten Hilfsgüter und Spielsachen für die Palästinenser im besetzten Gazastreifen an Bord.

Die Hilfsorganisation "Free Gaza":

Die internationale Organisation "Free Gaza" will mit Hilfsgütern die palästinensische Bevölkerung des Gazastreifens unterstützen. Solidaritätsfahrten von Schiffen sollen auch öffentlichkeitswirksam auf die Blockade des Gebiets durch Israel hinweisen.

Mehrfach wurden Fahrten von "Solidaritätskonvois" mit Dutzenden bis Hunderten Aktivisten an Bord und prominenten Unterstützern organisiert. Im August 2008 erreichten laut "Free Gaza" zwei Schiffe mit Hilfsgütern im Wert von 200.000 Euro von Griechenland über Zypern Gaza. Im Oktober 2008 brachten 26 Aktivisten auf einem weiteren Schiff medizinische Hilfsgüter nach Gaza. Während des Gaza-Krieges endete eine Solidaritätsfahrt Ende Dezember 2008 kurz vor der Küste. Nach Angaben der Aktivisten wurde ihr Boot nach Schüssen vor den Bug von einem israelischen Kriegsschiff gerammt und zum Abdrehen gezwungen. Bei einem weiteren Versuch im Juni 2009 wurde ein Hilfsschiff vor Gaza abgefangen und in den israelischen Hafen Aschdod gezwungen. Zum tragischsten Ereignis kam es im Mai 2010, als israelische Soldaten die "Mavi Marmara" stürmten und neun türkische Bürger töteten.
 

Türkisch-israelisches Verhältnis stark belastet

Der Vorfall vom Mai 2010 belastet die einst guten Beziehungen zwischen Israel und der Türkei bis heute schwer. Der UN-Bericht, der unter Vorsitz des neuseeländischen Ex-Ministerpräsidenten Geoffrey Palmer verfasst wurde, sei seit Monaten fertig, berichtete die "New York Times" weiter. Er sei aber immer wieder zurückgestellt worden, um beiden Ländern Gelegenheit zu geben, ihre Beziehungen wieder zu verbessern.

Doch die Mitglieder aus Israel und der Türkei distanzierten sich von den wichtigsten Erkenntnissen des Berichts. Laut "New York Times" ist die Türkei besonders unzufrieden mit der Schlussfolgerung des UN-Ausschusses, dass Israel nach internationalem Recht berechtigt war, die Flotille mit Kurs auf den Gazastreifen in internationalem Gewässer zu blockieren.

Stand: 02.09.2011 12:24 Uhr
 

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