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Schweden führt geschlechtsneutrales Fürwort ein "Er", "sie" und ...?

Stand: 15.04.2015 15:56 Uhr

Was sagt man zu einem Menschen, der sich weder als Mann noch als Frau versteht? "Er" und "sie" stimmen nicht, "es" aber auch nicht. Die Schweden haben eine Lösung gefunden. Dort gibt es jetzt ein geschlechtsneutrales Fürwort. Wäre das im Deutschen auch denkbar?

In der schwedischen Sprache gibt es jetzt neben den Wörtern für "er" und "sie" offiziell ein geschlechtsneutrales persönliches Fürwort. Schwedens Sprachhüter nahmen das Wörtchen "hen" in ihre Wortliste "Svenska Akademiens ordlista" auf - neben "han" für "er" und "hon" für "sie".

Das neue Pronomen beschreibt eine intersexuelle, transsexuelle oder transgender Person - also einen Menschen, der genetisch und/oder anatomisch keinem Geschlecht zugeordnet werden kann oder aber sich nicht zuordnen lassen möchte.

"Hen" im Schwedischen bereits weit verbreitet

"Hen" kann aber auch verwendet werden, wenn das Geschlecht egal oder unbekannt ist. Gerade hierfür wird es im allgemeinen Sprachgebrauch schon länger benutzt. Für die Schwedische Akademie ein Grund, das Wort trotz Protesten in die Liste aufzunehmen. "Manche Menschen sind das nicht gewohnt, aber sie müssen es ja nicht benutzen", so der Chefredakteur der "Svenska Akademiens ordlista", Sven-Göran Malmgren.

Im Deutschen gibt es zwar das grammatisch neutrale Personalpronomen "es". Das unterscheidet sich aber vom schwedischen "hen". Denn sowohl Sprachforscher als auch Transsexuelle sehen das "es" nicht als geschlechtsneutral, sondern als sächlich an - also als etwas, das den Menschen zum Objekt machen würde.

Nicht-Zweigeschlechtlichkeit als Herausforderung

Wird es im Deutschen in absehbarer Zeit ein Pendant zum schwedischen "hen" geben? Experten sind da eher skeptisch. "Es ist eine neue Herausforderung für die Gesellschaft, nicht nur von Zweigeschlechtlichkeit auszugehen", sagt Lann Hornscheidt vom Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Berliner Humboldt-Uni. Hornscheidt selbst möchte keinem Geschlecht zugeordnet werden - und schlägt ein "x" als zusätzliches Pronomen vor.

"Da scheinen die Schweden weiter zu sein"

Rudolf Hoberg, Chef der Gesellschaft für deutsche Sprache, sagt, ein geschlechtsneutrales Pronomen wäre eine vernünftige Lösung, wenn es von einem großen Teil der Menschen akzeptiert werde. Führe man aber aus dem Nichts ein solches Fürwort ein, könne es sich im Sprachgebrauch schwer durchsetzen. Hierzulande drehe sich die Diskussion immer noch eher darum, ob man alles in männlicher und weiblicher Form nennen muss - etwa Lehrer/in. "Da scheinen die Schweden weiter zu sein."

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