Hekmatjar | Bildquelle: dpa

Afghanistan Der "Schlächter von Kabul" ist wieder da

Stand: 04.05.2017 13:46 Uhr

Mit einem schwerbewaffneten Konvoi ist einer der berüchtigsten Kriegsherren Afghanistans in die Hauptstadt Kabul zurückgekehrt - nach gut 20 Jahren im Exil. Hekmatjar hatte Kabul im Bürgerkrieg wochenlang beschießen lassen. Tausende starben.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Südasien

Eine Gruppe von jungen Männern steht am Straßenrand. Unter ihren Armen klemmen zahllose Poster, die sie an Strommasten befestigen. Jetzt säumen unzählige Fotos die staubige Straße in Kabul mit dem Konterfei von Gulbuddin Hekmatjar. Hadschi Nazir ist mit dem Werk sichtlich zufrieden: "Die Rückkehr von Hekmatjar nach Afghanistan ist eine Ehre für unser Land. Wir hoffen, dass nun endlich Frieden einkehrt."

Das ist ein frommer Wunsch. Denn der Name Gulbuddin Hekmatjar ist erst im Februar dieses Jahres von der UN-Terrorliste gestrichen worden. Er ist ein Kriegsfürst mit einer langen Vergangenheit: Erst kämpfte er gegen die Sowjets im Land. Ausgestattet mit viel Geld aus den USA und Saudi-Arabien war er der bestfinanzierte Anführer der Mudschaheddin.

Hauptstadt wochenlang beschossen

Als dann der Bürgerkrieg in Afghanistan ausbrach, ließ Hekmatjar die Hauptstadt wochenlang mit Raketen beschießen. Die Kabuler Familien hätten ihre geliebten Angehörigen, die dabei gestorben sind, nicht vergessen, sagt Sediq Zaliq, er ist Dozent an der afghanischen Universität:

"Die Menschen in Kabul können sich noch gut an die dunklen Zeiten des Bürgerkrieges erinnern, an dem Hekmatjar und andere Parteien beteiligt waren. Sie erinnern sich auch noch daran, dass damals 70.000 Einwohner Kabuls getötet wurden. Wenn Hekmatjar immer noch an die Macht der Gewalt glaubt und den Menschen die gleiche Katastrophe aufdrängt wie damals, wäre das fatal."

Anführer einer der brutalsten Widerstandsgruppen

Hekmatjars Männer hatten in der Stadt geplündert, vergewaltigt, gemordet. Daher stammt sein Beiname "Der Schlächter von Kabul". Nach dem Sturz der Taliban war er Anführer einer der brutalsten Widerstandsgruppen gegen die neue afghanische Regierung und die internationalen Truppen im Land.

Gut 20 Jahre war er im Exil, letzten Herbst hat er einen Friedensvertrag mit der afghanischen Regierung unterschrieben. Darauf könne man auch vertrauen, sagt Abdul Hafiz, er ist Abgeordneter im afghanischen Parlament: "So wie ich Herrn Hekmatjar kenne, sieht es so aus: Wenn er mit Krieg Erfolg hätte und so seine persönlichen Ziele erreichen könnte, würde er jetzt nicht herkommen, um Frieden zu schließen."

Islamistischer Hardliner

Hekmatjar ist ein islamistischer Hardliner. Er lehnt es entschieden ab, sich für die Kriegsverbrechen, die ihm zur Last gelegt werden, zu entschuldigen. Die Hoffnung der afghanischen Regierung ist, dass ein Zusammenschluss mit Hekmatjar auch den radikalislamischen Taliban zeigt, dass Frieden möglich ist. Dass ausgerechnet dieser Kriegsfürst, der auch mit den Taliban uneins war, dafür der richtige sei, bezweifelt Abdul Ghafoor, der in Kabul lebt:

"Dass Hekmatjar jetzt wieder hier ist, ist eine weitere Sorge und ein weiterer Schmerz für uns. Von dieser Regierung können wir eh nichts erwarten. Wenn die wirklich Frieden nach Afghanistan bringen will, muss sie Frieden schließen mit den Taliban und mit dem 'Islamischen Staat'. Hekmatjar hat nicht mehr genügend Anhänger und er hat hier einen schlechten Ruf."

Am Samstag sprach Hekmatjar das erste Mal nach seinem Exil in der afghanischen Öffentlichkeit. Er nannte den Kampf gegen die Taliban sinnlos und unrechtmäßig. Kritisch sieht der ehemalige Kriegsfürst den Einsatz der ausländischen Truppen im Land. Die USA habe selbst mit 150.000 Soldaten nichts in Afghanistan erreicht. Sie sollten wissen, dass diser blutige Krieg keinerlei Erfolge für das Land gebracht habe.

Hekmatyar - Der Schlächter von Kabul ist zurück
S. Diettrich, ARD Neu-Delhi
04.05.2017 13:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. Mai 2017 um 15:50 Uhr.

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