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27.05.2012

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Ausland
Malmö: Polizei fasst mutmaßlichen Heckenschützen
Nach Anschlagsserie im schwedischen Malmö

Polizei fasst mutmaßlichen Heckenschützen

Ein Jahr lang machte ein Mann mit seinem Gewehr Jagd auf dunkelhäutige Menschen in Malmö. Vermutlich tötete er eine Frau und verletzte mehrere seiner Opfer. Nun hat die schwedische Polizei einen möglichen Täter gefasst: Ein 38-Jähriger wurde verhaftet.

Von Alexander Budde, ARD-Hörfunkstudio Stockholm

Solveig Wollstad (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Staatsanwältin Solveig Wollstad gab die Festnahme des Verdächtigen bekannt. ]
Seit mehr als einem Jahr nimmt ein Heckenschütze in Malmö scheinbar willkürlich Menschen mit dunkler Hautfarbe ins Visier. Jetzt melden die Ermittler einen ersten Fahndungserfolg. Am Samstagabend wurde ein dringend Tatverdächtiger gefasst, bestätigte Staatsanwältin Solveig Wollstad auf einer Pressekonferenz. "Gestern habe ich Haftbefehl gegen einen 38-jährigen Schweden ausgestellt", sagte sie. "Nach einem ersten Verhör steht er weiterhin unter dem dringenden Tatverdacht des Mordes und des siebenfachen versuchten Mordes. Wir haben Funde gemacht, die den Verdacht erhärten und wir haben weitere Verhöre angesetzt."

Eine Spezialeinheit der Polizei habe den Mann ohne Gegenwehr in einer Wohnung im zentralen Malmö gefasst, so zitieren schwedische Medien einen Augenzeugen des abendlichen Zugriffs. Anschließend hätten die Ermittler in Kartons Material aus der Wohnung getragen.

15 unaufgeklärte Anschläge

Die Festnahme könnte Licht in eine Serie von bislang 15 unaufgeklärten Anschlägen in Schwedens drittgrößter Stadt bringen. Immer wieder schlug der Täter im Schutz der Dunkelheit zu. Er schoss auf offener Straße, an Bushaltestellen und durch die Fenster von Wohnungen und einer Moschee. Im Oktober vorigen Jahres starb eine 20-jährige Schwedin, als sie zusammen mit ihrem Begleiter im Auto beschossen wurde. Seither wurden sieben weitere Menschen zum Teil schwer verletzt. Einige der Schüsse wurden nach Erkenntnissen von Kriminaltechnikern von derselben großkalibrigen Waffe abgegeben.

Polizei in Malmö (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Polizei untersucht nach dem jüngsten Anschlag den Tatort in Malmö. ]

Die Ermittler gingen daher schon früh von einem Zusammenhang der scheinbar wahllosen Anschläge aus. Die Frage nach möglichen weiteren Tätern lässt Ermittlungsleiter Börje Sjöholm offen. Man sei trotz vieler Indizien gegen den Tatverdächtigen weiterhin auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. "Dieser Mann hat eine Lizenz für zwei Waffen", so Sjöholm. "Und die haben wir bei der Haussuchung auch sicher gestellt. Wir sind durch Hinweise aus der Bevölkerung auf diesen Mann aufmerksam geworden." Gleichzeitig betonte er, dass solche Hinweise auch weiterhin von größter Bedeutung seien. "Dieser Fall ist noch lange nicht gelöst. Die Ermittlungen haben gerade erst begonnen."

Kritik am Vorgehen der Behörden

In Malmö ist fast jeder dritte Bürger aus dem Ausland zugewandert. Die Stadt leidet unter organisierter Kriminalität und regelrechten Bandenkriegen. Allein in diesem Jahr hat es nach Schätzungen der Polizei mehr als 50 Schusswechsel gegeben. Viel zu spät, sagen gleichwohl Kritiker, hätten die Behörden vor dem Serientäter gewarnt und die Fahndung ausgeweitet. Aus Stockholm wurde schließlich eine Gruppe von psychologisch geschulten  Ermittlern eingeflogen, die ein Täterprofil erstellen sollte.

Viele Bewohner Malmös hatten sich wegen der immer neuen Anschläge nach Einbruch der Dunkelheit kaum noch vor die Tür gewagt. Noch ist unklar, ob sie aufatmen können. Am Dienstag will man den mutmaßlichen Heckenschützen dem Haftrichter zuführen.

Stand: 07.11.2010 16:54 Uhr
 

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