Tubang Nusa | Bildquelle: AFP

Waldbrände außer Kontrolle Tödlicher Rauch über Indonesien

Stand: 26.10.2015 11:34 Uhr

In jedem Jahr verdunkelt Feinstaub den Himmel über Südostasien. Der Grund: illegale Brandrodungen. In diesem Jahr aber bleibt der Regen aus, deshalb ist es so schlimm wie seit zehn Jahren nicht mehr. Und die indonesische Regierung agiert hilflos.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Singapur

Es brennt und brennt, weiterhin werden mehr als 2000 Feuer aufn Sumatra und Borneo gemeldet, trotzdem scheint das Leben in Orten wie Palangkaraya auf Borneo wie normal weiterzugehen. Erwachsene gehen joggen, Kinder spielen Fußball am Strand - aber was heißt hier schon normal. 

Frau in Kalimantan mit Mundschutz | Bildquelle: dpa
galerie

Was heißt hier schon normal: Eine Frau in Kalimantan auf Borneo fährt mit Mundschutz durch den Feinstaub.

Der PSI-Wert, mit dem die Feinstaubbelastung der Luft gemessen wird, lag gestern bei 1700, ein Wert über 100 gilt bereits als gesundheitsgefährdend. Samstag wurden katastrophale 2400 erreicht - atmen ist dann kaum noch möglich. Die Rauchschwaden, die durch die massenhafte und illegale Brandrodung entstehen, fordern erste Opfer.

Auf Borneo starb eine 48-jährige asthmakranke Frau. "Sie hatte bereits lange Asthma, aber jetzt, mit dieser Situation, wurden die Anfälle immer häufiger ausgelöst", sagt ihre Schwester Evilita. "Bis sie schließlich gestorben ist."

Sauerstoffbehandlung im Krankenhaus | Bildquelle: AFP
galerie

In der besonders betroffenen Provinz Kalimantan gehen Menschen ins Krankenhaus, um sich mit frischem Sauerstoff behandeln zu lassen.

Die Regierung des indonesischen Präsidenten Joko Widodo agiert weiterhin rat- und hilflos. Kein Palmöl-Unternehmen solle neue Genehmigungen für Brandrodungen erhalten, lässt der Präsident in der Hauptstadt Jakarta mitteilen. Das hilft wenig, finden die meisten Brandrodungen doch auch jetzt schon ohne Genehmigung, also illegal statt. Kriegsschiffe liegen bereit, um die Kinder etwa aus Palangkaraya zu evakuieren, hieß es am Freitag. Aber bis heute ist nichts passiert. Ist die Luftverschmutzung noch nicht gesundheitsgefährdend genug?

Mehr als 20.000 Soldaten und Feuerwehrleute kämpfen inzwischen mit internationaler Hilfe einen nahezu aussichtslosen Kampf gegen die Brände, die schwer zu löschen sind, weil der Torfboden weiträumig und metertief glüht. Bei PSI Werten um die 2000 liegt die Sicht bei unter einhundert Metern. Die Hilfskräfte arbeiten unter Lebensgefahr.

Freiwillige Helfer | Bildquelle: AFP
galerie

Freiwillige versuchen, die Brände zu löschen. Immerhin: Diese Helfer haben einen Feuerwehrschlauch. Andere versuchen, die Brände mit Ästen zu ersticken.

"Wir machen das unter großem Risiko, Autos können uns hier jederzeit anfahren, man kann ja kaum etwas sehen", sagt Ahmad Yuspianto. Er versucht, die Brände mit einer Feuerpatsche sowie mit Ästen zu ersticken: "Es gibt kein Wasser im Umkreis, wir können das Feuer also nur mit unseren einfachen Mitteln bekämpfen."

Inzwischen haben die Rauchschwaden auch die indonesische Hauptstadt Jakarta erreicht, die Nachbarstaaten Singapur, Malaysia und Thailand sind ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. In Singapur ist bei PSI Werten um 200 die Sonne nur noch schemenhaft zu erkennen, die Hochhäuser des Finanzdistrikts und das markante Marina Bay Sands Hotel verschwinden bereits seit Wochen im Dunst.

Brandrodung auf Borneo | Bildquelle: AFP
galerie

Die Regierung will nun keine Genehmigungen für Brandrodungen mehr erteilen. Dabei finden die meisten schon jetzt illegal statt.

"Ich denke, es muss jetzt weitere internationale Anstrengungen geben, um diese Umweltkatastrophe zu stoppen", sagt Anne Arrowsmith. Sie lebt seit zwölf Jahren in Singapur. "Dafür kann jetzt nicht nur ein Land verantwortlich sein. Es muss den politischen und ökonomischen Willen geben, auch die Kosten für die erforderlichen Maßnahmen zu tragen. Indonesien braucht Unterstützung."

Seit Ende vergangener Woche verschwindet auch der Süden Thailands mit den Urlauberinseln Phuket und Ko Samui unter der Dunstglocke, Touristen spazieren mit Atemmasken am Strand, die sie von der thailändischen Regierung bekommen haben.

Schwere Waldbrände in Indonesien
U. Schmidt, ARD Singapur
26.10.2015 17:02 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: