Seven Forty Park Keine gewöhnliche Adresse

Stand: 30.08.2013 09:56 Uhr

Schade, dass es hier keine Namensschilder an den Briefkästen gibt: Sie würden sich lesen wie das Who is Who des New Yorker Geldadels: Rockefeller, Kennedy, Chrysler, Lauder. Doch auch nicht jeder Milliardär darf in der Park Avenue 740 wohnen.

Von Thomas Schmidt, ARD-Hörfunkstudio New York

Von außen wirkt der Block an der Park Avenue Ecke 71. Straße eher unscheinbar: Eine hellgraue Kalkstein-Fassade, verhaltene Art-Deco-Verzierungen, für Manhattan nur bescheidene 19 Stockwerke hoch. Und doch: "Seven Forty Park" - wie die New Yorker sagen - ist keine gewöhnliche Adresse.

Michael Gross, der ein Buch über die Nobel-Adresse geschrieben hat, spricht vom heiligen Gral eines bestimmten Kreises wohlhabender New Yorker. Das klingt bescheiden angesichts der Faktenlage: 740 Park ist das Wohnhaus mit der höchsten Konzentration an Milliardären in den USA. Denn der wahre Luxus steckt im Inneren des Gebäudes. "Ein verschwenderisches Raumangebot ist der größte Luxus bei Immobilien in Manhattan, und hier ist manches Foyer größer als die Apartments der meisten New Yorker", sagt Gross.

Wo sich Reich und Wichtig in der Lobby treffen
T. Schmidt, ARD New York
30.08.2013 02:50 Uhr

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Zum Beispiel: Eine Wohnung über zwei Etagen, 30 Zimmer, zehn Bäder, sieben Kamine und sechs Terrassen. Kaufpreis: 60 Millionen Dollar. Aber selbst wenn man die flüssig hätte, könnte man nicht einfach zugreifen. Nur wenn alle übrigen Besitzer einverstanden sind, kann der Kaufvertrag unterschrieben werden. Denn die absolut hochkarätige Hausgemeinschaft achtet schon sehr darauf, dass die Standards der Superreichen gewahrt bleiben: Vera Wang wohnt hier, die Modeschöpferin, Ronald Lauder, der Sohn von Estee Lauder, und David H. Koch, der zusammen mit seinem Bruder Charles die Koch Industries leitet, eines der größten Privatunternehmen der Welt.

740 Park Avenue
galerie

740 Park Avenue - von außen eher unscheinbar, innen aber außergewöhnlich luxuriös.

Nachbarschaftliches Zusammenleben? Fehlanzeige

Bauherr der 31 Luxus-Quartiere war James T. Lee, der Großvater von Jacqueline Kennedy, der späteren First Lady. Bei der Einweihung 1930 war natürlich noch nicht klar, dass das Gebäude einmal die Reichsten der reichen Amerikaner anlocken würden - nach der Weltwirtschaftskrise stand die Immobilie drei Jahre später am Rand des Bankrotts. Erst als 1937 ein Mann einzog, dessen Name zum Synonym für schier grenzenlosen Reichtum geworden ist - nämlich John D. Rockefeller jr. - wendete sich das Schicksal der Krisenimmobilie: Rockefeller zog zahlungskräftige Vertreter der Ölindustrie in seine Nachbarschaft, die den Wert und die Attraktivität des Wohnblocks kontinuierlich nach oben trieben - bis zum heutigen Tag.

Die Chancen für ein fröhliches nachbarschaftliches Zusammenleben sind dennoch begrenzt: Viele der Luxus-Apartments sind lange Zeit verwaist, denn natürlich haben die Bewohner von 740 Park noch andere Immobilien in den USA oder in Europa.

Und die vielen namenlosen Bediensteten, die neben dem Luxus auch die alltägliche Bequemlichkeit gewährleisten, achten strikt darauf, dass die Intimsphäre ihrer Herrschaften nicht gefährdet wird - eine Regel, die schon John D. Rockefeller jr. zum Prinzip erhoben hatte: Er bestand darauf, den Fahrstuhl nie mit einem anderen Anwohner teilen zu müssen: "Mr. Rockefeller fuhr in sein Apartment oder in die Lobby stets ohne von der Notwendigkeit einer Konversation belästigt zu werden", berichtet Gross. Es fiel Rockefeller allerdings auch nicht schwer: In 740 Park hat nahezu jeder Anwohner seinen eigenen Fahrstuhl.

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