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27.05.2012

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Ausland
Gedenken an AKW-Unfall in Harrisburg vor 32 Jahren
32 Jahre nach Atomkatastrophe in den USA

Als Harrisburg die Welt in Atem hielt

Vor 32 Jahren kam es im US-Atomkraftwerk Three Mile Island in Harrisburg zu einer Nuklearkatastrophe. Die Parallelen zum Unglück in Japan sind erschreckend: Nur scheibchenweise rückten die Behörden mit Infos heraus. Trotz des Unfalls setzen die USA heute weiter auf Atomkraft.

Von Klaus Kastan, BR-Hörfunkstudio Washington

Vor 32 Jahren - am 28. März 1979. um 4.36 Uhr - versetzte folgende Nachricht die Welt in Angst und Schrecken: "Ein Unfall im Wasserkühlsystem des Atomkraftwerkes Three Mile Island in Harrisburg, Pennsylvania, ist der Grund, dass die Betriebsleitung den Notfall ausgerufen und Teile der Anlage geschlossen hat."

Menschen aus der Umgebung des Atomkraftwerkes wurden in Sicherheit gebracht, auch wenn es schon kurze Zeit später hieß, dass alles unter Kontrolle sei und keine Gefahr "bestand und besteht für die Sicherheit der Menschen".

Salamitaktik der Behörden

Die Katastrophe wurde in den offiziellen Stellungnahmen systematisch heruntergespielt. Richtig ist aber: Durch eine technische Panne kam es nach einer Störung im Kühlsystem des Reaktors zum Schmelzen von einem Viertel der Brennelemente. Größere Mengen radioaktiver Gase und verseuchten Wassers traten aus.

Atomkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg  (Archivfoto aus dem Jahr 1979) (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Atomkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg (Archivfoto aus dem Jahr 1979) ]

Die Entseuchung der Anlage zog sich über zehn Jahre hin. Viele Arbeiter wurden dabei radioaktiv verstrahlt. Widersprüchlich sind die Darstellungen, ob es nach dem Unfall eine erhöhte Krebshäufigkeit in der Umgebung des Kernkraftwerkes gab. Während offizielle Stellen dies verneinen, belegt eine Studie, dass die Krebsrate sechs Jahre nach dem Unfall in den Gebieten, in die das radioaktive Material gezogen ist, um bis zu 150 Prozent über dem Durchschnitt der nahe gelegenen Stadt Harrisburg lag.

US-Regierung stoppte Atomprogramm - vorübergehend

Nach dem Störfall wurde die Anti-Atomkraft-Bewegung in den USA immer stärker. Unter dem Druck der Öffentlichkeit stoppte die amerikanische Regierung damals sogar ihr Atomprogramm. Doch das ist inzwischen Geschichte. Lehren wurden aus der Katastrophe nicht gezogen. Inzwischen fördert Washington den Bau nuklearer Anlagen wieder und selbst Präsident Barack Obama hat seine Meinung über Kernenergie geändert. Noch vor fünf Jahren sagte er auf einer Veranstaltung, dass er kein Befürworter der Atomenergie sei. Heute sagt er: "Wir sollten auch die Kernkraft weiter nutzen und zwar im Verbund mit anderen Energiequellen."

US-Präsident Barack Obama (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Hält an der Atomkraft fest: US-Präsident Obama. ]
Wenn es um Nuklearanlagen auf dem Boden der USA geht, ist sich die überwiegende Mehrheit der amerikanischen Politiker ausnahmsweise einmal einig: "Atomkraft - ja bitte!", lautet ihr Motto. Diese Energie sei sauber und helfe mit, sich aus der Abhängigkeit vom Erdöl zu lösen. Immerhin bekamen einige Politiker, wie Senator Joe Lieberman, nach den Ereignissen in Japan erste Zweifel an der scheinbar so sicheren Atomenergie.

Er forderte, beim Bau neuer Atomkraftwerke auf die Bremse zu drücken. Doch dem widersprachen vor allem republikanische Kongressmitglieder - und auch ein Sprecher Obamas bestätigte inzwischen, dass man weiterhin an der Kernenergie festhalten wolle.

20 Prozent des US-Strombedarfs werden zur Zeit von 104 Atomkraftwerken abgedeckt. Vier Reaktoren befinden sich in Kalifornien, in erdbeben-gefährdeten Gebieten. Aber man müsse sich keine Sorgen machen, erklärte Tony Pietrangelo vom Nuclear Energy Institute: "Speziell die Anlagen an der Westküste sind sehr robust. Auch in Japan haben die Atomanlagen diesem gewaltigen Erdbeben standgehalten." Erst die Folgen des Tsunamis hätten zu der Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima geführt, fügte er hinzu.

AKW in Meeresnähe

Ein aberwitziges Argument sei das, sagt Sicherheitsexperte Jim Walsh, der viele Parallelen zwischen den amerikanischen und japanischen Kernkraftwerken sieht: "Auch bei uns gibt es Atomkraftwerke, die direkt am Meer stehen. Außerdem haben auch wir in den USA mehrere Reaktoren in enger Nachbarschaft zueinander errichtet."

Das sei problematisch: "Wenn es in einem Werk zu einem Unglück mit hoher radioaktiver Belastung kommt, muss man unter Umständen auch in den nahe gelegenen Reaktoren die Techniker zurückziehen", gibt er zu bedenken - "und das ausgerechnet dann, wenn man diese Experten zur Bewältigung einer Havarie dringend benötigt."

Stand: 28.03.2011 02:08 Uhr
 

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