Saad Hariri | Bildquelle: dpa

Libanons Ex-Premier Hariri will Saudi-Arabien verlassen

Stand: 16.11.2017 21:02 Uhr

Der Fall des zurückgetretenen libanesischen Regierungschefs Hariri wirft Fragen auf: Hält ihn Saudi-Arabien fest? War sein Abgang freiwillig? Nun bestätigte Frankreich, dass Hariri nach Paris kommen wird. Am Samstag könnte er dort für Aufklärung sorgen.

Bewegung im Fall Hariri: Der zurückgetretene libanesische Ex-Premier will am Samstag nach Frankreich reisen - auf Einladung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

Saad Hariri hatte Anfang des Monats von Saudi-Arabien aus seinen Rücktritt als Regierungschef erklärt. Er unterhält enge Beziehungen zu Riad, das wiederum den Iran - die Schutzmacht der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah - als Erzfeind sieht. Hariri hatte die Golfregion seit dem Schritt nicht verlassen. Das löste Spekulationen aus, Saudi-Arabien habe seinen Rücktritt erzwungen und halte ihn fest, um im Libanon Spannungen mit der Hisbollah zu erzeugen. Die Bestätigung des Pariser Élyséepalasts, dass Hariri nach Frankreich kommen werde, zerstreut nun diese Gerüchte.

Archiv: Hariri und Macron bei einem Treffen im September | Bildquelle: AP
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Hariri und Macron. Schon im September trafen sich beide in Paris. Nun soll es zur Neuauflage kommen.

Gabriel: "Abenteuertum nicht sprachlos hinnehmen"

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel griff Saudi-Arabien für sein Verhalten im Fall Hariri scharf an: Europa müsse zeigen, "dass wir das Abenteurertum, was sich in den letzten Monaten dort breit gemacht hat, nicht mehr bereit sind, einfach sprachlos hinzunehmen". Dies sagte er beim Besuch seines libanesischen Amtskollegen Dschibran Bassil in Berlin.

Nach der humanitären Krise durch den Krieg im Jemen und dem Konflikt mit dem Golfemirat Katar sei mit der Art und Weise, "wie mit dem Libanon umgegangen wird", nun die Spitze erreicht.

Der saudi-arabische Außenminister Adel Al-Dschubair wies die Vorwürfe gegen Riad zurück: "Der zurückgetretene libanesische Premierminister lebt auf eigenen Wunsch in Saudi-Arabien. Er ist der Einzige, der über seine Rückkehr in den Libanon entscheidet." Anderslautende Gerüchte seien unbegründet.

Macron: Kein Exil für Hariri

In Riad traf sich der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian mit Hariri. Das Gespräch sei freundlich und vertrauensvoll gewesen, schrieb er auf Twitter. Eine Rückkehr Hariris nach Beirut wird als Voraussetzung für eine Lösung der schweren innenpolitischen Krise gesehen, die der 47-Jährige mit seinem Rücktritt ausgelöst hatte. Libanons Außenminister Bassil sagte, Hariri müsse "ohne jede Beschränkung" reisen können.

Macron sagte nach französischen Medienangaben, bei der Einladung handele es sich nicht um ein Angebot für Exil für Hariri. Die Familie des libanesischen Politikers hat enge Beziehungen zu der Machtelite in Paris.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. November 2017 um 20:00 Uhr.

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