Eine Braut in einem Oldtimer fährt in Havanna an der neuen US-Botschaft vorbei | Bildquelle: AFP

US-Wirtschaft hofft auf den kubanischen Markt Möge diese Revolution weitergehen

Stand: 14.08.2015 12:46 Uhr

Für die amerikanische Wirtschaft ist die Annäherung zwischen Kuba und den USA eine Revolution ganz nach ihrem Geschmack. Immerhin lockt ein unerschlossener Markt mit elf Millionen Einwohnern - und noch zu fördernde Öl- und Gasvorkommen.

Von Rolf Büllmann, ARD-Hörfunkstudio Washington

Ein praktisch unerschlossener Markt, ein Land mit elf Millionen Einwohnern, nicht mal 170 Kilometer entfernt von Key West am äußersten Rand Floridas: Kuba bietet amerikanischen Unternehmen verlockende Aussichten. Der Tourismus boomt schon jetzt, obwohl noch lange nicht alle Reisebeschränkungen aufgehoben sind.

Wenn es dazu einmal kommt, dann werden die Auswirkungen enorm sein. Der karibische Hotel- und Tourismusverband hat es einem Positionspapier so beschrieben: "Wenn Kuba sich amerikanischen Bürgern öffnet, dann wird das für die Karibik die größten Veränderungen der letzten 50 Jahre mit sich bringen."

US-Wirtschaft hofft auf Nachholbedarf Kubas

Doch es geht um mehr als nur um Hotels, Restaurants und weiße Strände. Kuba mit seinem Nachholbedarf bietet einer ganzen Reihe von Gütern aus den USA neue Absatzmärkte - zum Beispiel in der Landwirtschaft. Senator Dick Durbin aus Illinois, einem der US-Staaten mit starker Agrarwirtschaft, berichtete nach einer Reise nach Kuba: Von Neuseeland, dem anderen Ende der Welt, werde Milchpulver nach Kuba importiert - dabei gebe es doch genug davon in den USA.

Und so geht es auch mit anderen Agrarprodukten: Reis, Weizen, Geflügel, Rinder, Sojabohnen - US-Landwirtschaftsminister Vilsack geht davon aus, dass die Öffnung des kubanischen Marktes der amerikanischen Agrarindustrie 1,7 Milliarden Dollar bringen könnte.

Ein Motorrad fährt an einem Plakat mit dem Gesicht Fidel Castros und der Aufschrift "Die Revolution geht weiter" vorbei | Bildquelle: dpa
galerie

Ein Motorrad fährt an einem Plakat mit dem Gesicht Fidel Castros und der Aufschrift "Die Revolution geht weiter" vorbei

Große Öl- und Gasvorkommen

Und so könnte man Branche für Branche durchgehen, die auf gute Geschäfte in Kuba hoffen. Die Ölindustrie zum Beispiel wird im Oktober eine Konferenz in Havanna abhalten, bei der es darum geht, sichere Ölförderung zu ermöglichen. Kuba hat nach Schätzungen des US-Geological-Survey etwa 4,6 Milliarden Barrel Rohöl und große Gasvorkommen vor seiner Küste - aber nicht die Technik, die es bräuchte, um diesen Schatz zu heben.

Amerikanische Firmen stehen bereit, um  zu helfen, in allen Branchen - von der Landwirtschaft über die Ölindustrie bis hin zum Einzelhandel und zur Bauindustrie: "Präsident Obama hat uns mit seiner Entscheidung die Möglichkeit gegeben, uns mal umzuschauen auf dem kubanischen Markt, und erste Kontakte herzustellen", sagt Bill Lane, Vorstandsmitglied beim Baumaschinenhersteller Caterpillar, dem amerikanischen Radiosender NPR.

Hebt der Kongress die Sanktionen auf?

Aber viel mehr als erste Kontakte sind derzeit eben noch nicht drin, denn nur der US-Kongress kann das amerikanische Wirtschaftsembargo gegen Kuba am Ende wirklich aufheben. Und das wird nicht so einfach. Der republikanische Abgeordnete Mario Diaz-Balart zum Beispiel sagt: "Wer glaubt, dass die Sanktionen aufgehoben werden, der hat nicht aufgepasst: Der Kongress weiß nämlich - anders als Präsident Obama -, dass die vom Castro-Regime Unterdrücker sind."

US-Präsident Obama wird alles tun, was er kann, um amerikanischen Firmen zu helfen, auf Kuba Fuß zu fassen. Denn die Regierung in Washington weiß, dass die Konkurrenz groß ist: auch europäische, asiatische und lateinamerikanische Firmen drängen auf den kubanischen Markt.

Welches wirtschaftliches Potenzial Kuba für die USA birgt
R. Büllmann, ARD Washington
14.08.2015 12:40 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. August 2015 um 17:00 Uhr.

Darstellung: