Ein Frau telefoniert mit einem Handy | Bildquelle: dpa

Gerichtsurteil in Italien Berufskrankheit Gehirntumor

Stand: 21.04.2017 14:38 Uhr

Mobiles Telefonieren macht krank - so sieht es ein Gericht in Italien und hat damit einem Kläger recht gegeben. Dieser hatte berufliches Telefonieren mit dem Handy als Ursache für seinen Gehirntumor angegeben. Für die Anwälte ist das Urteil eine Weltpremiere.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Studio Rom

Roberto Romeo hat als Techniker für die italienische Telekom gearbeitet. Wenn irgendwo eine Leitung unterbrochen war oder ein Anschluss nicht funktionierte, wurde er geschickt. Wichtigstes Kommunikationsmittel: das Handy, das "cellulare", das er drei bis vier Stunden täglich am Ohr hatte - ohne externen Kopfhörer, ohne Freisprecheinrichtung.

15 Jahre ging das so. Bis Romeo eines Tages feststellte, dass er nicht mehr so gut hörte. Die Stimmen seiner Frau und seines Sohnes erreichten ihn wie durch einen Wattepuffer. Bei einer Untersuchung stellte sich heraus, dass ein Tumor auf das Gehör drückte. "Zum Glück war er gutartig", sagt Romeo, "aber weil sie meinen Hörnerv entfernt haben, kann ich nicht mehr hören."

Hörvermögen dauerhaft eingeschränkt

Ein Arbeitsgericht im norditalienischen Ivrea hat diese Erkrankung nun auf die permanente Benutzung des Mobiltelefons zurückgeführt und die gesetzliche Unfallversicherung zu einer Rentenzahlung an Romeo verurteilt. Er erhält monatlich 500 Euro, da sein Hörvermögen dauerhaft eingeschränkt ist. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der Kläger durch die dauerhafte Nutzung des Handys elektromagnetischen Wellen ausgesetzt war, die für das Wachstum des Gehirntumors verantwortlich sind.

Die Anwälte von Romeo sprechen vom weltweit ersten Fall, in dem häufiges berufliches Handy-Telefonieren als Ursache eines Gehirntumors anerkannt wurde. Romeo sagte, dass er das Telefonieren mit Mobiltelefonen nicht verteufeln wolle. Die Nutzer sollten sich aber mehr Gedanken über die Risiken machen.

Italien: Handygebrauch hat Gehirntumor verursacht
T. Kleinjung, ARD Rom
21.04.2017 13:49 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 21. April 2017 um 08:30 Uhr

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

Darstellung: