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Stoppt die Hamas den bewaffneten Kampf gegen Israel?
Hamas-Führer Maschaal für gewaltfreien Protest

Stoppt die Hamas den bewaffneten Kampf gegen Israel?

Noch will die radikale Hamas ihre Ziele im Gazastreifen auch mit Gewalt durchsetzen. Nun deutet sich ein Kurswechsel an. Hamas-Führer Maschaal sprach sich für einen gewaltlosen Volkswiderstand aus. Hintergrund sind offenbar die Versöhnungsgespräche mit der gemäßigten Fatah.

Von Sebastian Engelbrecht, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

"Hört auf die Hamas!", lautet heute die Überschrift des Leitartikels in der israelischen Zeitung "Ha'aretz". Ein seltener Appell. Der Grund: Chalid Maschaal, der Chef des Politbüros der islamistischen Hamas im Exil, rief in mehreren Interviews dazu auf, den bewaffneten Kampf gegen Israel zu beenden und sich auf den sogenannten "Volkswiderstand" zu beschränken - also gewaltlosen Kampf.

In einem Interview mit dem Fernsehsender "Al Aksa", den die Hamas in Gaza betreibt, sagte Maschaal, es gebe Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Art des Widerstands. Zumindest momentan handele man im Rahmen eines Volkswiderstandes. "Wenn ich die Möglichkeit hätte, mit der einen oder anderen Fraktion und mit den Massen gemeinsam zu handeln, dann würde ich den Weg des Volkswiderstandes wählen."

Audio: Stoppt die Hamas den bewaffneten Kampf gegen Israel?

AudioSebastian Engelbrecht, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv 29.12.2011 14:24 | 3'30
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"Volkswiderstand" statt Kampf mit Waffengewalt?

Maschaal galt bisher als Scharfmacher in der Hamas-Führung. Deshalb ist seine Aufforderung so bedeutsam, sich auf den gewaltlosen "Volkswiderstand" zu beschränken. Hintergrund des Kurswechsels sind die Verhandlungen zwischen der Hamas und der Führung der Palästinensischen Befreiungsorganisation unter Leitung von Präsident Machmud Abbas. Die Versöhnungsgespräche zwischen Maschaal und Abbas sind offenbar so weit gediehen, dass sich die Hamas auf eine gewaltlose Linie einlassen will.

Chalid Maschaal (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ruft dazu auf, die Waffen niederzulegen: Der im Exil lebende Chef des Politbüros der Hamas, Maschaal.]
Machmud Abbas (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Bestätigt Fortschritte bei den Gesprächen zwischen Hamas und Fatah: Palästinenserpräsident Abbas.]
 

Abbas bestätigte die Fortschritte in den Verhandlungen mit der Hamas kürzlich im Fernsehsender "Euronews". Er habe vor etwa einem Monat mit Maschaal gesprochen, sie hätten Grundlagen für eine eventuelle Vereinbarung gelegt. "Erstmalig hat die Hamas uns in folgenden Punkten zugestimmt: Erstens müssen Ruhe und Frieden im Gazastreifen wie im Westjordanland herrschen. Zweitens: Es darf nur friedlichen Widerstand geben, ohne Waffen. Darin sind wir uns grundsätzlich einig", erklärte Abbas.

Auf dieser Grundlage soll übergangsweise eine Einheitsregierung aus Hamas, Abbas' Fatah-Partei und anderen Parteien möglich werden. Anfang Mai sollen gesamtpalästinensische Wahlen im Westjordanland und im Gazastreifen stattfinden.

Israel sieht Annäherung der Palästinenser kritisch

Genau diese Annäherung der bisher zerstrittenen palästinensischen Parteien missfällt aber Israel. Die Regierung in Jerusalem sieht die Hamas weiterhin als Terrororganisation und verstärkte in den vergangenen Tagen die Luftangriffe auf militante Palästinenser im Gazasstreifen. Mehrere Vertreter der israelischen Armee kündigten in dieser Woche eine groß angelegte Militäroperation gegen den Gazastreifen an.

Generalstabschef Benny Gantz sagte im Armeerundfunk, die Abschreckung, die vor drei Jahren durch die so genannte Operation "Gegossenes Blei" erreicht worden sei, müsse erneuert werden. Israel könne nicht weiter unter einer aktiven Bedrohung durch die Hamas leben. "Daher schätze ich, dass es früher oder später - nicht dass ich ein Verfechter von Kriegen bin, aber ich bereite mich natürlich auf sie vor - keinen anderen Weg geben wird, als eine bedeutsame Militäroperation durchzuführen", sagte er.

Der Leitartikel der "Ha'aretz" warnt Gantz davor, dieser Devise zu folgen. Israel dürfe die "historischen Stellungnahmen" des Hamas-Führers Maschaal nicht ignorieren, heißt es auf der Meinungsseite der Zeitung.

Stand: 29.12.2011 14:50 Uhr
 

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