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Pakistanische Gruppe soll in Angriffe auf US-Bürger verwickelt sein
USA erklären Hakkani-Netzwerk zur Terrororganisation
Selten war sich der US-Kongress so einig: Im Juli setzte er dem Außenministerium eine Frist, um zu erklären, ob das in Pakistan beheimatete Hakkani-Netz als ausländische Terrororganisation zu betrachten ist. Gestern hat US-Außenministerin Clinton dies nun bestätigt.
Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington
Als militant haben die Amerikaner das Hakkani-Netzwerk schon immer wahrgenommen, aber nicht unbedingt als US-feindlich. Als es in den 80er-Jahren darum ging, die sowjetischen Besatzer aus Afghanistan zu vertreiben, war nicht nur Osama bin Laden der CIA ein gern finanzierter und bewaffneter Partner, sondern auch Jalaluddin Hakkani.
Drei Jahrzehnte später betrachtet das Pentagon die Hakkani-Gruppe als die größte Bedrohung seiner Truppen in Afghanistan und behauptet, dass es als "wahrer Arm des pakistanischen Inlandsgeheimdienstes ISI agiert". So sagte es der Generalstabschef Mike Mullen vor einem Jahr in einer Senatsanhörung. Schon damals steckte die US-Regierung mitten in der Hakkani-Debatte.
US-Außenministerium setzt Hakkani-Netzwerk auf Terrorliste
S. Hasselmann, MDR Washington
08.09.2012 04:35 Uhr
Einzelne Mitglieder galten bereits als Terroristen
Admiral Mullen, dessen Nachfolger und erst recht der US-Oberbefehlshaber in Afghanistan drängten die Washingtoner Politiker, das Hakkani-Netzwerk endlich zur Terrororganisation zu erklären. Genau wie einige Beamte von CIA und dem Auswärtigem Amt fanden sie es unzureichend, nur einzelne Mitglieder als Terroristen zu bezeichnen und sie in CIA-Drohnenattacken zu töten - so wie Ende August mit Hakkanis Sohn und Kommandeur Badruddin Hakkani geschehen. Vielmehr müssten die Vereinigten Staaten jeden ins Visier nehmen, der diese Gruppe materiell und mit sonstigen Ressourcen unterstützt.
Dieser Meinung hat sich US-Außenministerin Hillary Clinton nun in Absprache mit Präsident Barack Obama angeschlossen. In ihrem Bericht für das US-Parlament heißt es: "Das Hakkani-Netzwerk ist in terroristische Angriffe auf die USA und ihre Bürger verwickelt. Es erfüllt die Kriterien, um als ausländische Terrororganisation gebrandmarkt zu werden."
Die Folge, so erklärte es Clinton am Rande ihrer Asienreise sei ein Teil dessen, "was unser Militär schon täglich gemeinsam mit unseren ISAF-Partnern tut: Wir legen ihre Reserven trocken, zielen auf ihr militärisches und geheimdienstliches Personal. Wir drängen die Pakistanis, ihre Anstrengungen zu erhöhen."
Netzwerk wird auch von US-Bürgern mitfinanziert
Die Autorin Gretchen Peter hat sich in den letzten fünf Jahren mit den Strukturen des Hakkani-Netzwerkes befasst und meinte auf FoxNews, dessen Markierung als ausländische Terrorgruppe müsse man sich wie einen Haftbefehl vorstellen: "Das bleibt solange folgenlos, bis jemand in Aktion tritt. Ich hoffe, die US-Regierung bildet eine Task Force und ermittelt die ausgedehnte, grenzüberschreitende Finanzstruktur hinter dem Hakkani-Netzwerk. Hier ist es wirklich verwundbar."
Tatsächlich hat es sich vor allem im schwer kontrollierbaren Stammesgebiet von Wasiristan krakenartig ausgebreitet und mafiagleich organisiert. Ähnlich wie die Hamas in den Palästinensergebieten unterhält das Hakkani-Netzwerk dort Schulen und Kliniken, dazu Bau- und Dienstleistungsunternehmen. Schockiert erfuhren die Kongressabgeordneten in diesem Jahr von der CIA, dass sogar die amerikanischen Steuerzahler die Militanten mitfinanzieren, weil ein Teil der jährlichen an Pakistan überwiesenen drei Milliarden Dollar über Umwege in Hakkani-Unternehmen fließt.
Ein umstrittenes Ergebnis
Die Parlamentarier setzten daraufhin dem Außenministerium eine Frist von 30 Tagen für einen endgültigen Bericht. Dessen Ergebnis war umstritten und dürfte es bleiben. Einige Fachleute aus dem Weißen Haus wie aus dem Außenministerium fürchten um den für Ende 2014 geplanten US-Truppenabzug. Sie glauben, dass die extrem mühsamen Friedensgespräche mit afghanischen Taliban ohne deren Hakkani-Verbündete erst recht aussichtslos sind. Zudem sei nun ungewisser denn je, ob die Militanten ihre amerikanische Geisel, den im Juni 2009 entführten US-Sergeant Bowe Bergdahl, endlich freilassen. Für recht sicher halten sie hingegen, dass Pakistans Regierung nun noch verschnupfter auf amerikanische Anti-Terror-Forderungen reagieren wird.
Schließlich sind da diese beiden Folgefragen: Müssten die USA nicht in einem nächsten logischen Schritt den pakistanischen Geheimdienst offiziell als Unterstützer einer Terrorvereinigung behandeln? Und warum kommt das Hakkani-Netzwerk auf die Schwarze Liste, nicht aber Mullah Omars Taliban in Afghanistan?
Stand: 08.09.2012 04:52 Uhr
