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Haiti drei Jahre nach dem Erdbeben
Karneval im Land der Katastrophen
Der Karneval hat in Haiti eine lange Tradition. Doch als ein schweres Erdbeben den kleinen Inselstaat im Jahr 2010 verwüstete, wurde das Fest abgesagt - zum ersten Mal überhaupt. Drei Jahre später sind viele Schäden beseitigt und die Haitianer feiern wieder - ihren Karneval und sich selbst.
Von Martin Polansky, ARD-Hörfunkstudio Mexiko City, zzt. Haiti
Trommeln und Gesang durchdringen die engen Straßen von Jacmel, die vor Hitze dampfen. Es gibt kaum Schatten - aber die ersten Karnevalsgruppen tanzen sich schon in Ekstase: Junge Männer im schwarzem Frack und mit Zylinder, wie aus einem Voodoo-Film mit Baron Samedi, dem Gott der Friedhöfe. Andere tragen finstere Masken, Fratzen mit Hörnern. Oder absurde Uniformen und riesige, schiefe Zähne vor dem Mund. Es ist Karneval in Jacmel, der viertgrößten Stadt Haitis.
Karneval in Haiti
Drei Jahre nach einem verheerenden Erdbeben feiert Haiti wieder Karneval.
Der Karneval ist ein Teil der Geschichte Haitis
"Ich bin der Dyab", sagt ein junger Mann mit großer, bunter Hörnermaske. "Eine Anlehnung an eine Figur aus dem Voodoo. Der gehört schließlich zu Haiti und damit auch zum Karneval."
"Ich gehe als Sklavin", sagt ein junges Mädchen im Schurz und mit einem Tuch vor der Brust. Ihr Körper glänzt matt, als sei er mit Lehm überzogen. "Es ist eine Erinnerung an die Sklavenzeit. Und unseren Stolz darauf, dass Haiti sich selber davon befreit hat."
Haiti - Karneval im Land der Katastrophen
M. Polansky, ARD Mexiko City
08.02.2013 18:28 Uhr
Der Karneval - das ist die Geschichte und die Mystik von Haiti. Einst war es die reichste Kolonie Frankreichs. Auf den Zuckerrohr-Plantagen schufteten schwarze Sklaven. Sie hielten sich an ihrer afrikanischen Kultur fest, versammelten sich nachts zu Voodoo-Zeremonien und erhoben sich schließlich gegen die Kolonialherren. Haiti befreite sich 1804, das einstige Sklavenland wurde nach den USA der zweite unabhängige Staat in Amerika.
"Der Karneval wurde abgesagt - zum ersten Mal überhaupt."
2010 gab es dann das schwere Erdbeben, das auch die alte, kleine Küstenstadt Jacmel heimsuchte. Hunderte Menschen wurden getötet und viele Häuser zerstört. "Nach dem Erdbeben im Januar 2010 wurde der Karneval abgesagt - zum ersten Mal überhaupt", erzählt Paul Jean Renel, einer der vielen Maskenmacher von Jacmel. Er sitzt in einem Hinterhof voller bunter Fratzen aus Pappmasche. "So viel war zerstört. Auch mein Künstlerhof, wir mussten ganz von vorne anfangen."
Aber den Schutt haben sie längst weggeräumt. Jacmel ist zurück - und der Karneval auch. Paul Jean gibt die letzten Anweisungen für die Parade. Für jede Maske hat er eine Woche gearbeitet. Die Fratzen mit Hörnern, die Rinder- oder Hühnerköpfe sind das Symbol für den Karneval hier. Letzter Pinselstrich auch an einem drei Meter hohen Pappmasche-Baum mit Gesicht: "Jeder Haitianer ist ein Baum. Das ist das Motto des Karnevals in diesem Jahr. Wir alle wachsen. Ich finde, das Motto passt ganz gut."
Gesang und ekstatischer Tanz. Eine Parade von Monstern und Untoten - ganz lebendig. Haiti feiert wieder sich und seine Magie.
Stand: 08.02.2013 20:34 Uhr
