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21.03.2010

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Ausland
Bundeswehr
Kundus: Wen hatte Oberst Klein im Visier?
Untersuchung des Luftangriffs in Kundus

Wen hatte Oberst Klein im Visier?

Die Bundeswehr gerät nach dem Luftangriff in Kundus weiter in Bedrängnis. Laut Medienberichten galt das Bombardement nicht den Tanklastzügen, sondern einer großen Gruppe von Taliban und ihren Anführern.

Oberst Georg Klein (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Hat die Rückendeckung von Verteidigungsminister zu Guttenberg: Oberst Georg Klein. ]
Die Bundeswehr "wollte die Menschen angreifen, nicht die Fahrzeuge", zitieren "Süddeutsche Zeitung" (SZ) und "Spiegel online" aus dem offiziellen Untersuchungsbericht der Afghanistan-Schutztruppe ISAF. Klein hatte den Angriff am 4. September angeordnet. In seinem eigenen Bericht machte er laut "SZ" keinen Hehl aus seiner Absicht. Er habe die Taliban "vernichten" wollen, wird Klein zitiert. Der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels sagte der "Bild"-Zeitung zu dem "SZ"-Bericht, es habe sich um einen gezielten Angriff auf die Taliban gehandelt: "Mit dem Geist der Bundestagsmandate für Afghanistan wären gezielte Tötungen absolut nicht vereinbar."

Zweifel an Kleins Informant

Derweil meldete sich auch ein Soldat des Kommandos Spezialkräfte (KSK) zu Wort, der am Angriff beteiligt war. Er warf Klein vor, sich bei seiner Entscheidung für den Luftangriff zu sehr auf die Meldungen eines Agenten verlassen zu haben. Die Angaben von Informanten seien "nicht als absolut anzunehmen", zitiert die "Frankfurter Rundschau" aus einem als "geheim" eingestuften Bericht der KSK. Klein hatte nach dem Angriff gesagt, ein Informant habe behauptet, die entführten Tanklaster befänden sich ausschließlich in der Gewalt von Taliban.

Chronologie:

Sicherheitskräfte  (Foto: AP)
Weitere Meldungen Kundus-Affäre Wann lagen wo welche Informationen vor? [mehr]

Laut "Leipziger Volkszeitung" waren das Bundeskanzleramt, die Spitze des Verteidigungsministeriums sowie mit der Koordination der Geheimdienste beauftragte Regierungsvertreter vor und nach dem Luftangriff am 4. September unmittelbar in die neue Eskalationsstufe in Afghanistan einbezogen. Teil der vom Kanzleramt gebilligten, vom damaligen Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und vom seinerzeit amtierenden Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan den Offizieren vorgegebenen Eskalationsstrategie sei auch die gezielte Ausschaltung der Führungsstruktur der Taliban gewesen.

Zu Guttenberg kommentiert Bericht nicht

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat eine Kommentierung der neuen Informationen zur Kundus-Affäre abgelehnt. Dies sei nun Sache des Bundestags-Untersuchungsausschusses, der sich am Mittwoch konstituieren will. Dort sei die Angelegenheit gut aufgehoben. Gestern hatte er Oberst Klein erneut Rückendeckung gegeben. Der Minister, der zu einem Blitzbesuch bei den Soldaten in Kundus war, sagte, Klein habe "nach besten Wissen und Gewissen" gehandelt, weil er seine Soldaten schützen wollte. Allerdings habe es aus heutiger Sicht Verfahrensfehler gegeben. Es bestehe "ein berechtigter Aufklärungsbedarf des Deutschen Bundestags."

Bei dem Bombenabwurf waren nach Angaben der NATO bis zu 142 Menschen getötet worden, unter ihnen auch zahlreiche Zivilisten. Guttenberg hatte den Angriff zunächst als militärisch angemessen bezeichnet, diese Aussage aber später zurückgezogen.

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Stand: 12.12.2009 11:18 Uhr
 

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