Der neue UN-Generalsekretär Guterres | Bildquelle: AFP

UN-Generalsekretär Guterres "Mehr Menschen, weniger Bürokratie"

Stand: 12.12.2016 20:48 Uhr

Es müsse mehr um Menschen gehen, um konkrete Ergebnisse: Der frisch vereidigte UN-Generalsekretär Guterres will dem schwerfälligen UN-Apparat Beine machen. Den Krieg in Syrien bezeichnete er als Bedrohung für die ganze Welt.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Ein klares Signal für Gleichberechtigung - das stehe ganz oben, wenn es um seine ersten 100 Tage im Amt ab Januar gehe, sagt der künftige UN-Generalsekretär António Guterres. Entsprechend werde er freiwerdende Positionen besetzen.

Ironie der Geschichte: Viele hatten erwartet, gehofft und gewünscht, ab 2017 eine Frau an der Spitze der Vereinten Nationen zu sehen. Stattdessen bleibt alles beim Alten: auch der neunte UN-Chef ist ein Mann. Immerhin ein Mann, der dem so großen wie schwerfälligen UN-Apparat Beine machen will: "Es nützt niemanden, wenn es neun Monate dauert, einen Mitarbeiter in den Einsatz zu schicken. Die Vereinten Nationen müssen wendig sein, effizient und effektiv. Es muss mehr um Ergebnisse gehen, weniger um Abläufe. Mehr um Menschen, weniger um Bürokratie."

Dafür bekommt Guterres - nach zehn Minuten Redezeit vor der UN-Generalversammlung - das erste Mal Applaus. In der anschließenden Pressekonferenz gibt er ein kleines Beispiel. Nein danke, sagt Guterres zu der Anrede als Exzellenz, die brauche es nicht.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon
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Guterres folgt auf den Südkoreaner Ban Ki Moon. Ban war 10 Jahre UN-Generalsekretär. Er sagt von sich: "Ich bin ein Kind der Vereinten Nationen".

"Political Animal" und UN-Kenner

Als ehemaliger Premier Portugals und früher UN-Flüchtlingskommissar ist Guterres ein "Political Animal" und UN-Kenner zugleich. Eigenschaften, die er dringend brauchen wird - vor allem für den seit Jahren andauernden Syrienkrieg, während dessen Russland im UN-Sicherheitsrat schon sechs Mal sein Veto eingesetzt hat.

"Das ist ein Krieg, den niemand gewinnt. Ein Krieg, in dem jeder verliert", sagt Guterres. "Er ist zu einer Bedrohung für jeden auf der ganzen Welt geworden. Höchste Zeit, diesen Unsinn zu beenden." Dafür stehe er als ehrlicher Makler bereit. Kaum anders dürfte das sein Vorgänger Ban Ki Moon sehen, der aber in den letzten Wochen seiner Amtszeit eine brutale Zuspitzung vor allem in Aleppo erleben muss.

In einer nüchternen Zeremonie legt Guterres seinen Amtseid auf die UN-Charta ab. Ähnlich nüchtern zuvor Abschiedsworte für den Südkoreaner Ban - Generalsekretär für zwei Amtszeiten, für zehn Jahre. Dankesreden, Würdigungen - und Versuche auf Koreanisch, etwa der litauische UN-Vertreter mit dem koreanischen Sprichwort: auf Mühsal folge Freude.

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António Guterres

António Guterres ist der neue UN-Generalsekretär. Das Mandat des Portugiesen gilt zunächst für fünf Jahre. Guterres ist der neunte Generalsekretär der 71-jährigen Geschichte der Vereinten Nationen. | Bildquelle: AFP

"Ich bin ein Kind der Vereinten Nationen"

Applaus bekommt Ban vor allem für das Pariser Klimaabkommen und für die sogenannten Nachhaltigen Entwicklungsziele der UN als Fahrplan gegen Armut und Not auf der Welt. "Ich bin ein Kind der Vereinten Nationen. Die UN-Hilfe hat uns ernährt, UN-Schulbücher haben uns ausgebildet, UN-Solidarität hat uns gezeigt: Wir sind nicht allein."

Die Familie war mit dem damals Sechsjährigen vor dem Koreakrieg in die Berge geflohen. Ein Schlüsselerlebnis, das Ban in vielen seiner Reden ansprach.

Ob er der nächste Präsident Südkoreas werden wolle - diese Frage hat der Südkoreaner immer unbeantwortet gelassen. Der Mann, der oft als wenig durchsetzungsfähig gescholten wurde, verlässt die Vereinten Nationen zum Jahresende. "Auch wenn ich mich jetzt auf den Abschied vorbereite", sagt er. "Mein Herz wird bleiben, hier, wo es immer war, seitdem ich ein Kind war: bei den Vereinten Nationen."

Olá Antonio! Vereidigung des künftigen UN-Generalsekretärs Guterres
K. Clement, ARD new York
12.12.2016 20:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Dezember 2016 um 20:00 Uhr.

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