Antonio Guterres spricht im UN-Sicherheitsrat | Bildquelle: REUTERS

Erste Rede im Sicherheitsrat Guterres will die UN umkrempeln

Stand: 11.01.2017 14:50 Uhr

Der neue UN-Chef Guterres hat seine erste Rede im UN-Sicherheitsrat gehalten. Die UN kämen ihrer eigentlichen Aufgabe nicht mehr nach: der Vermeidung von Konflikten. Er will das mit tiefgreifenden Reformen ändern.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Der Hammerschlag der Sitzungspräsidentin, der schwedischen Außenministerin Margot Wallström, hallte durch den Saal des Sicherheitsrates in New York. Und der Saal war berstend voll. Alle waren sie gekommen, um ihn zu sehen und zu hören: Antonio Guterres. Der Neue, der Hoffnungsträger, der Mann, der es offenbar eilig hat, die UN vom Kopf auf die Füße zu stellen.

"Wir wussten ja, dass Sie sofort loslegen würden", wird die amerikanische UN-Botschafterin Samantha Power später sagen. Aber niemand habe geahnt, dass Guterres es mit dieser olympischen Geschwindigkeit tun werde.

Beunruhigende Weltenlage

Der so gelobte neue Mann an der Spitze der UN hatte zuvor das getan, wofür ihn seine Befürworter stets loben: sagen, was ist. Die Lage ungeschönt darstellen. Und Guterres beschrieb eine beunruhigende Weltenlage: "Die UN wurden gegründet, um Krieg zu verhindern, indem wir uns eine gemeinsame Ordnung gegeben haben. Die aber ist jetzt in großer Gefahr", sagte Guterres.

Krisen, Konflikte, Kriege - in solch schockierender Anzahl, dass die Vereinten Nationen nur mehr an deren Lösung, nicht aber an deren Vermeidung arbeiten würden. Ein verhängnisvoller Fehler, sagt Guterres. "Die Menschheit zahlt einen zu hohen Preis dafür. Wir brauchen einen neuen Ansatz."

Krisen, befeuert durch Klimawandel, Rassismus, ethnische Konflikte, Angst. Die Antwort der UN, bilanziert ein um ehrliche Beschreibung bemühter Guterres, sei derzeit allenfalls bruchstückhaft.

Neues Führungsteam gebildet

Guterres hat die vergangenen Wochen damit verbracht, ein neues Führungsteam zu formen. Gemeinsame Besprechungen, kurze Wege, und immer wieder Transparenz: Sagen, was ist. "Die Herausforderung ist jetzt, Kultur, Struktur und Strategien der UN zu ändern. Meine Reformansätze zielen darauf", so Guterres.

Antonio Guterres, der Pragmatiker der Macht, weiß aber auch: Ohne einen Sicherheitsrat an seiner Seite wird auch in Zukunft wenig gehen.

Und während es für Guterres die Premiere war, war die Sitzung für die amerikanische UN-Botschafterin Power fast ein Abschied. Sie, von Präsident Obama eingesetzt, muss demnächst gehen. Nicht aber, ohne Guterres und dem Sicherheitsrat eine schonungslose Bilanz aus ihrer Sicht zu präsentieren. "Zu wenig, zu spät, zu wirkungslos." Das alles sei der UN-Sicherheitsrat.

Power entlarvt die Sprache der Resolutionen

"Was hält uns zurück? Warum kriegen wir nicht mehr hin?", fragte sie frustriert. Sie, die gelernte Journalistin, verweist auf die verräterische Sprache jeder Sicherheitsratsresolution. Sätze, stets im Passiv formuliert: "Dialog muss gesucht werden. Gewalt muss beendet werden. Ein Waffenstillstand muss beachtet werden." Power rief in den Saal: "Wie denn? Von wem? Lasst uns hier präziser werden!" 

Guterres saß da und hörte still zu - am Anfang dieses Jahres 2017, von dem er sagte: "Ich glaube, es ist naiv zu sagen, dass 2017 ein Jahr des Friedens werden wird. Aber es ist unsere Pflicht, alles zu tun, damit es wenigstens ein Jahr für den Frieden wird."

Premiere von UN-Generalsekretär Guterres im Sicherheitsrat
G. Schwarte, ARD New York
10.01.2017 19:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. Januar 2017 um 07:11 Uhr.

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