UN-Generalsekretär Guterres  | Bildquelle: AFP

100 Tage Guterres Von der Realität eingeholt

Stand: 10.04.2017 05:02 Uhr

Ein Vollblutpolitiker, Macher, Sprinter - mit diesen Erwartungen startete Antonio Guterres vor 100 Tagen als UN-Generalsekretär. Die Wirklichkeit holte ihn schnell ein - in Form von US-Präsident Trump. Der bringt Guterres an seine Grenzen.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Wenn die internationale Gemeinschaft wiederholt versage, so sagt es Nikki Haley im UN-Sicherheitsrat am Freitag, dann müssten einzelne Staaten eben ohne sie handeln. Haley meint natürlich ihr eigenes Land, die USA, kurz nach dem Luftangriff in Syrien. Haley vertritt US-Präsident Donald Trump bei den Vereinten Nationen.

Guterres ist merkwürdig abwesend

Der neue US-Präsident und der neue UN-Generalsekretär - nun genau 100 Tage im Amt - es ist eine so junge wie überaus schwierige Ehe, sagt der New Yorker UN-Experte Simon Adams. "Ich glaube, es ist das erste Mal in der Geschichte der UN, dass der Präsident eines ständigen Mitglieds des Sicherheitsrates an der Zukunft der UN zweifelt." Trump handelt in Syrien gerade ohne sie. Mit großem Zuspruch vieler Europäer. Mit großen Bauchschmerzen von Völkerrechtlern. Vielleicht handelt Trump demnächst auch allein in Nordkorea? Die Verlegung von Kriegsschiffen in die Region ist zumindest ein Muskelspiel. Angesichts all dessen wirkt UN-Generalsekretär Antonio Guterres dieser Tage geradezu merkwürdig abwesend.

Auch das dritte Treffen des Sicherheitsrates zu Syrien binnen nur drei Tagen findet Ende vergangener Woche ohne den Chefdiplomaten statt. Das aber möge man bitte nicht überbewerten, sagt dessen Sprecher Stephane Dujarric. Chemiewaffen und ein US-Militärschlag in Syrien - dazu äußert sich Guterres zwar, aber eben nur knapp und schriftlich. In seiner Stellungnahme ruft er zur Zurückhaltung auf, setzt auf die Genfer Friedensgespräche, auf den Sicherheitsrat, auf internationales Recht.

Syrien und Trump - Guterres' Krisen

Nach seiner Vereidigung Mitte Dezember kamen dagegen noch sehr deutliche Töne von Guterres: Damals hieß es, es sei höchste Zeit, diesen Unsinn zu beenden. Russland aber, das sich nun lautstark auf das Völkerrecht beruft, legte den Sicherheitsrat zu Syrien schon sieben Mal mit seinen Vetos lahm - ein gordischer Knoten für den vorigen UN-Generalsekretär und auch für Guterres. Die Erwartungen sind riesig. Er ist als ehemaliger portugiesischer Premier der gewandte Vollblutpolitiker, und als ehemaliger Flüchtlingshochkommissar der langjährige UN-Kenner. Er sei mehr noch als ein Läufer, er sei ein Sprinter - solche Vorschusslorbeeren bekam er schon aus dem Sicherheitsrat.

Guterres erbte aber nicht nur eine Welt voller Krisen - von Syrien über Jemen bis hin zu einer drohende Hungersnot in Afrika. Er muss nun auch noch mit einem Präsidenten Trump klar kommen. Mauerbau, "Muslim-ban" und "America first" - alles Äußerungen, die einen UN-Generalsekretär nur zusammenzucken lassen können. Gezuckt werden aber darf nur mit größtem diplomatischen Geschick - schließlich sind die USA der mit Abstand größte Geldgeber für die Vereinten Nationen. Trump nannte die UN mal eine Plauderstube und kündigte massive Einsparungen an.

Guterres hat große Ziele

Doch, darauf weist der neue Weltdiplomat Guterres hin: "Das Budget der Friedenstruppen ist weniger als ein halbes Prozent weltweiter Militärausgaben".

Geht es nach ihm, der als erklärter Reformer angetreten ist, werden die Vereinten Nationen weiter verschlankt. Nicht als Selbstzweck, sondern für mehr Handlungsfähigkeit, so Guterres bei seiner Vereidigung. Eine Mammutaufgabe aus dem Herzen eines Mammutapparats namens Vereinte Nationen: "Es nützt niemanden, wenn es neun Monate dauert, einen Mitarbeiter in den Einsatz zu schicken. Die Vereinten Nationen müssen wendiger sein - effizient und effektiv. Es muss mehr um Ergebnisse gehen, weniger um Abläufe. Mehr um Menschen und weniger um Bürokratie."

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100 Tage Guterres
K. Clement, ARD New York
09.04.2017 21:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. April 2017 um 05:11 Uhr.

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