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16.03.2010

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Ausland
Guinea: Rätselraten um Zustand von Präsident Camara
Nach Mordanschlag auf den Präsidenten

Guinea am Abgrund?

Nach dem Mordanschlag auf Guineas Präsidenten Camara herrscht weiter Ungewissheit über dessen Gesundheitszustand. Und auch über die Motive der Tat ist bislang nur wenig bekannt. Klar ist nur eins: Guinea, das regional einflussreiche Land in Westafrika, destabilisiert sich weiter.

Von Marc Dugge, ARD-Hörfunkstudio Nordwestafrika

So viele Soldaten stehen selten vor dem Militär-Krankenhaus von Rabat. Streng bewachen sie den Eingang. Möglichst niemand soll zum afrikanischen Patienten vordringen, möglichst nichts über ihn nach Außen dringen. Nachrichten aus dieser Klinik können derzeit über das Schicksal eines Landes entscheiden.

Hauptmann Moussa Camara (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Guineas Präsident Camara - wann er wieder ins Amt zurückkehrt, ist ungewiss. ]
Am Freitag wurde Guineas Präsident Moussa 'Dadis' Camara hier eingeliefert, offenbar mit einer Schussverletzung am Kopf. Ist er tot, im Koma, oder sogar wohlauf? Tagelang herrscht Rätselraten. Erst am Montag meldet sich Guineas Außenminister Alexandre Cécé Loua im französischen Rundfunk zu Wort: "Präsident Dadis hat wegen eines Schädeltraumas eine Operation über sich ergehen lassen. Die Ergebnisse sind positiv, sein Zustand gibt keinen Anlass zur Sorge." Er selbst habe den Präsident gesehen. Dieser erkenne seine Mitarbeiter, könne aber noch nicht sprechen."

Eine Entwarnung, die keine ist

Das soll nach Entwarnung klingen, lässt aber nicht vermuten, dass Camara so schnell zurück auf die Bildfläche kommt. Camara, der Oberst, der sich vor einem Jahr, nach dem Tod des langjährigen Diktators Conté, ins Präsidentenamt von Guinea geputscht hat. Der stets mit seinem roten Barrett auftritt, an dem das Abzeichen der deutschen Fallschirmjäger steckt - ein Souvenir der Fortbildungen bei der deutschen Bundeswehr. Dessen Wutanfälle legendär sind.

Vielleicht war es diese Hybris, die Camara fast das Leben gekostet hat. Denn der Mann, der sich zum König seines Landes machte, hat seinen Hofstaat unterschätzt. Sein treuer Adjutant, Abubakar "Toumba" Diakité trifft ihn am Donnerstag Abend, richtet plötzlich die Waffe auf ihn. "Toumba" ist zornig. Er hat erfahren, dass Camara ihn an den Pranger stellen will. Er soll verantwortlich gemacht werden für die brutale Niederschlagung einer Demonstration.

Porträt:

Hauptmann Moussa Camara (Foto: AP)
Weitere Meldungen Oberst Camara - der "deutsche" Putschist Angetreten war Oberst Camara mit dem Versprechen, Guinea in die Demokratie zu führen. Ausgebildet wurde er bei der deutschen Bundeswehr. [mehr]

Machtkämpfe innerhalb des Militärs

Nach dem Attentat taucht der gescheiterte Königsmörder unter. Nach Angaben eines Regierungssprechers habe er vorgehabt, sich selbst an die Macht zu putschen. Sicher ist bisher nur, dass es innerhalb des Militärs Machtkämpfe gibt - die durch die Abwesenheit Camaras noch befeuert werden dürften. Ein Einwohner von Conakry beschreibt im französischen Radiosender RFI die Lage wie folgt: "Die Leute haben Angst. Niemand ist ruhig. Die Leute versuchen, die Stadt zu meiden. Wenn Camara gesund ist und zurück kommt, haben die Leute Angst. Kommt er nicht zurück, haben die Leute auch Angst – das ändert nichts."

Guinea hat seit seiner Unabhängigkeit nichts als Diktatoren erlebt. Der Staat ist schwach, die Infrastruktur am Boden, reiche Drogenhändler regieren das Land mit. Während Oberst Camara in Marokko versucht, wieder zu Kräften zu kommen, werden in Guinea die Karten neu gemischt. Und nichts deutet darauf hin, dass Guinea dieses Mal ein besseres Blatt bekommen wird.

Stand: 08.12.2009 01:29 Uhr
 

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