Fetullah Gülen Lichtgestalt oder graue Eminenz?

Stand: 27.12.2013 13:49 Uhr

Wenn es um die Hintergründe des Machtkampfs in Ankara geht, fällt immer wieder sein Name: Fetullah Gülen, türkischer Prediger, wohnhaft im US-Exil - und Kopf einer Bewegung, der großer Einfluss auf Polizei und Justiz nachgesagt wird. Wer ist der Mann?

Von Ulrich Pick, SWR-Religionsexperte

An Fetullah Gülen scheiden sich die Geister. Für seine Anhänger ist der in den USA lebende türkisch-stämmige Prediger eine Lichtgestalt. Seine Gegner hingegen sehen in ihm eher eine graue Eminenz, die mit ihrer weltweiten Gülen-Bewegung den Globus islamisieren will.

Die Theologie, die der 72-Jährige vertritt, ist eher mystisch als orthodox. Mit der strikten Trennung zwischen Religion und Staat, die der türkische Staatsgründer Kemal Atatürk seinem Land verordnete, hat Gülen zum Beispiel keine grundlegenden Schwierigkeiten.

Der türkische Prediger Fethullah Gülen auf einem Bild von 2004 | Bildquelle: REUTERS
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Bilder von Fethullah Gülen existieren nur wenige. Dieses hier stammt aus dem Jahr 2004 und zeigt ihn in seinem Exil in Saylorsburg (Pennsylvania)

Schulen statt Moscheen

Das Hauptinteresse Gülens gilt der Bildung. Seine Forderung an die Muslime lautete stets, Schulen statt Moscheen zu bauen. Diese Entwicklung bezeichnete er mit dem Wort "Hizmet", was sich mit "Dienst an Gott" übersetzen lässt.

Die Gülen-Bewegung, die sich selber "Hizmet"-Bewegung nennt, unterhält heute weltweit mehr als 1000 Schulen in rund 140 Ländern. Auch in Köln, Stuttgart, Mannheim und Berlin findet man sie, wo sie ein ebenso gespaltenes Echo hervorrufen wie in der Türkei. Kritiker fürchten, dass von den Einrichtungen eine starke Islamisierung ausgehe.

Der deutsche Verfassungsschutz allerdings sieht keinen Grund zur Beobachtung. Zudem gibt es an den deutschen Gülen-Schulen keinen islamischen Religionsunterricht, sondern lediglich Ethik.

Stichwort "Gülen-Bewegung"
U. Pick, SWR
27.12.2013 11:48 Uhr

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Bruch mit Erdogan

In der Türkei unterstützte die "Hizmet"-Bewegung lange Zeit die konservativ-islamische AKP von Premierminister Recep Tayyip Erdogan. Das zunehmend autoritäre Gebaren des türkischen Ministerpräsidenten jedoch sorgte für Risse in der Freundschaft.

So ging Fetullah Gülen beispielsweise im Sommer auf deutliche Distanz zu Erdogan, als dieser mit unverhältnismäßiger Härte gegen die Demonstranten im Istanbuler Gezi-Park vorging und diese verunglimpfte. Seitdem scheinen sich die Gräben weiter vertieft zu haben.

Wie es heißt, sollen die Anhänger der "Hizmet"-Bewegung vor allem in der Polizei und der Justiz sitzen. Inwieweit sie für die aktuellen Korruptionsermittlungen verantwortlich sind, ist aber noch unklar.

Dieser Beitrag lief am 27. Dezember 2013 um 17:30 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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