Guar-Anbau in Indien: Der Boom der Bohne

Guar-Anbau in Indien

Der Boom der Bohne

In Indien erlebt die Guar-Bohne eine wahre Hochkonjunktur - nicht, wie ursprünglich, als Futterpflanze, sondern als Hilfsmittel bei der Gasgewinnung durch Fracking. Doch mittelfristig könnten für die Bauern die Risiken größer sein als der Nutzen.

Von Christoph Heinzle, Neu-Delhi, ARD-Studio Südasien

Gleich zwei Traktoren stehen auf dem Hof von Bauer Devaram in einem Dorf nahe Jodhpur. Symbole für den Wohlstand des 56-Jährigen. Wohlstand dank des Booms von Guar, der sogenannten Büschelbohne. Dabei spielte das Gemüse und Viehfutter lange kaum eine Rolle, erzählt er: "Vor fünf Jahren noch scherte sich niemand um Guar. Doch plötzlich schossen die Preise in die Höhe. Dann begann jeder, Guar anzubauen."

Denn plötzlich interessierten sich Ölkonzerne aus Europa und vor allem aus den USA für die indische Bohne. Der Grund: Die zu Pulver verarbeiteten Hülsenfrüchte sind ideal für das sogenannte Fracking. Das Bohnenpulver verdickt den Wasser-Chemikalien-Mix, der in den Boden gepumpt wird, um Gas und Öl aus Gestein zu lösen.

Devaram in seinem Haus (Foto: Christoph Heinzle)
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Der Guar-Anbau ermöglichte Devaram einen bescheidenen Wohlstand.

Guar-Bauer Devaram mit Helfer (Foto: Christoph Heinzle)
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Inzwischen konnte er acht Feldarbeiter anstellen, ein neues Haus ist im Bau.

Ein wenig Luxus dank der Bohne

Der Bohnenboom hat Bauern wie Devaram zu erheblich höheren Einnahmen verholfen. In seinem Wohnzimmer stehen inzwischen ein Fernseher mit DVD-Player und ein Kühlgerat für die heißen Sommer. Ein neues, größeres Haus ist im Bau. Für die Bewirtschaftung seiner acht Hektar Land sorgen acht Feldarbeiter. Auch sie profitieren vom Run auf die Büschelbohne: "Es ist harte Arbeit, aber ich verdiene mehr als mit anderen Pflanzen", sagt einer von ihnen, Om Prakash. "Ich mag Guar."

"Alles Guar", sagt Bauer Devaram und zeigt stolz auf die umliegenden Felder. Die genügsame Bohne wächst vor allem hier, im meist staubtrockenen nordindischen Wüstenstaat Rajasthan: "Diese Pflanzen brauchen weniger Wasser als andere, nur alle zwei Wochen. Deshalb haben wir auch bei Trockenheit eine gute Ernte."

Guar-Anbau in Indien (Foto: Christoph Heinzle)
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Die Guar-Bohne gedeiht auch auf kargem Boden.

Die Preise verfallen bereits

Jodhpur ist das Zentrum der Guar-Verarbeitung. Der hiesige Markt mache inzwischen ein Viertel seines Umsatzes mit der Bohne, erzählt Suresh Chander Lohia, der Vorsitzende der Händlervereinigung: "Von 2008 bis 2012 hat sich der Preis für Guar verzehnfacht. Jetzt beträgt er zwar nur noch ein Fünftel davon. Aber verglichen zu früher ist er immer noch hoch.

Und damit bleibt Guar ein profitables Geschäft. So profitabel, dass viele Landwirte ausschließlich Guar anbauen. Doch damit entziehen sie dem Boden wichtige Nährstoffe und fördern die Verbreitung von Ungeziefer, kritisiert Agrarwissenschaftler G.N. Parikar: "Einige Bauern hören auf unseren Rat und entscheiden sich für einen Fruchtwechsel beim Anbau. Andere sind gierig und bauen Guar als Monokultur an. Das beschert ihnen kurzfristig Gewinne, aber langfristig bringt es ihnen nichts."

Fracking beschert Indiens Bauern Bohnenboom
C. Heinzle, ARD Neu-Delhi
02.07.2013 09:04 Uhr

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Das Ende des Booms naht

Dass die Preise wegen des Überangebots gefallen sind, dass die Ölindustrie wegen der Spekulation mit Guar bereits nach Ersatzstoffen sucht, das ist den wenigsten Landwirten klar. Bauern wie Devaram sehen nur, dass ihnen der Bohnenhype jetzt gutes Geld bringt: "Ich habe keine Ahnung, warum die Preise so hoch sind. Ich verkaufe Guar einfach auf dem Markt. Was die Fabriken damit machen, weiß ich nicht. Von Fracking habe ich nie gehört."

Dieser Beitrag lief am 02. Juli 2013 um 11:51 Uhr auf NDR Info.

Stand: 02.07.2013 03:56 Uhr

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