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Es sind die Bilder eines verzweifelten 16-Jährigen, die auch in den US-TV-Sendern immer wieder laufen. Der Junge bricht unkontrolliert in Tränen aus und fleht um seinen Tod. Gezeigt wird, so der Anwalt, ein Verhör in Guantánamo, der Jugendliche steht unter Terror-Verdacht.
Von Klaus Kastan, BR-Hörfunkstudio Washington
[Bildunterschrift: Das Video soll Szenen aus dem Verhör Omar Khadrs zeigen. ]
Auch in den US-amerikanischen Fernsehprogrammen ist das Video über das Verhör des 16-jährigen Kanadiers im Gefangenenlager Guantánamo immer wieder zu sehen. Ein wimmernder und weinender 16-Jähriger. Angst. Verzweiflung ist Omar Khadr ins Gesicht geschrieben. Er reißt sich das orangefarbene Hemd herunter, zeigt seine vernarbten Schusswunden.
"Ich habe meine Augen verloren, ich habe meine Füße verloren, alles habe ich verloren", sagt der junge Mann. Und der Agent antwortet: "Nein, Du hast Deine Augen noch und Deine Füße sind nach wie vor am Ende Deiner Beine." Immer wieder bricht der Junge unkontrolliert in Tränen aus, rauft sich die Haare, wirkt verstört.
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Das Video ist fünf Jahre alt, es sind die ersten Aufnahmen, die von einem Verhör in Guantánamo an die Öffentlichkeit gelangt sind. Der Anwalt des heute 21-Jährigen hat nach einem Gerichtsentscheid in Ottawa Teile des Mitschnitts für die Medien freigegeben. Siebeneinhalb Stunden ist das gesamte Video lang, es zeigt die Verhöre durch kanadische Geheimdienst-Mitarbeiter, die an vier verschiedenen Tagen durchgeführt wurden.
[Bildunterschrift: Khadrs Anwälte Nathan Whitling (links) und Dennis Edney zeigen das Verhörvideo. ]
Immer wieder wird der junge Mann zu seinem islamischen Glauben befragt. Und: Die Agenten stellen ihm Fragen über das Terrornetzwerk al Kaida. In den veröffentlichten Aufnahmen sind keine Gewaltanwendungen gegenüber dem Jugendlichen zu sehen. Einer der Agenten sagt zu ihm, er werde medizinisch gut behandelt und müsse kooperieren.
Omar Khadr wird vorgeworfen, dass er in Afghanistan einen amerikanischen Soldaten getötet haben soll. Beweise scheint es hierfür aber nach Aussagen des Anwaltes nicht zu geben. Ein Geständnis habe sein Mandant nach Misshandlungen zwar gemacht, inzwischen aber widerrufen. Nach Afghanistan wurde der Junge von seinem Vater mitgenommen, der von ihm verlangt haben soll, als Kindersoldat in dem Land zu bleiben.
[Bildunterschrift: Als 15-Jähriger nach Guantánamo gebracht: Omar Khadr. (Archivbild) ]
Dennis Edney, der Rechtsanwalt des Jugendlichen, meinte gestern in Ottawa: "Die Aufnahmen zeigen keinen gefährlichen Terroristen, sondern einen verängstigten, verwundeten kanadischen Jungen, der um die Hilfe von kanadischen Offiziellen fleht."
Der Anwalt machte der kanadischen Regierung schwere Vorwürfe. Sie habe sich nicht für die Rechte des Jugendlichen eingesetzt, obwohl sie von Misshandlungen seit Jahren gewusst habe. Bekannt gewordene kanadische Regierungs-Dokumente bestätigen, dass Omar Khadr 2003 drei Wochen lang in Guantánamo mit Schlafentzug bestraft worden war, um ihn für die Verhöre gefügig zu machen.
[Bildunterschrift: Die Videoaufnahmen sollen im Februar 2003 gemacht worden sein. ]
Inzwischen reagierte auch das US-Verteidigungsministerium auf die Vorwürfe. Ein Pentagon-Sprecher meinte, Omar Khadr sei nicht misshandelt worden. Wörtlich heißt es in der Stellungnahme: "Unsere Politik ist es, Häftlinge menschlich zu behandeln." Auf die Frage, ob der junge Mann mit Schlafentzug gequält worden sei, meinte der Ministeriums-Sprecher: "Wir antworten nicht auf jeden Vorwurf." Und weiter fügte er hinzu: Das Verfahren gegen Khadr vor dem Militärtribunal werde im Oktober eröffnet.
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