Luftaufnahme des Marinestützpunkts auf der US-Insel Guam | Bildquelle: REUTERS

Verhaltensregeln auf Guam "Schauen Sie nicht in den Feuerball!"

Stand: 12.08.2017 13:06 Uhr

"Legen Sie sich flach auf den Boden", "Duschen Sie mit viel Seife und Wasser, um die radioaktive Kontaminierung zu entfernen": Mit diesen Hinweisen bereiten die Behörden des US-Außengebiets Guam die Bevölkerung auf einen möglichen Angriff Nordkoreas vor.

Die Behörden des US-Außengebiets Guam haben der Bevölkerung Verhaltensregeln an die Hand gegeben - sollte Nordkorea seine Drohungen wahr machen und die Pazifikinsel angreifen. Im Fall eines Alarms sollten die Bewohner rasch in einem festen Gebäude Schutz suchen und vorerst dort bleiben, heißt es in einem Informationsblatt. Das Büro für Zivilschutz begann damit, Blätter zu verteilen.

Diese enthalten unter anderem Ratschläge für das Zusammenstellen eines Notfallkoffers und allgemeine Verhaltensregeln. "Schauen Sie nicht in den Blitz oder Feuerball - er kann Sie blenden", heißt es als Hinweis für Betroffene, die im Freien von einem Angriff überrascht werden. "Legen Sie sich flach auf den Boden und bedecken Sie Ihren Kopf."

Für den Fall eines Angriffs mit Atomwaffen empfiehlt eines der Informationsblätter: "Wenn möglich, duschen Sie mit viel Seife und Wasser, um die radioaktive Kontaminierung zu entfernen." Eine Haarspülung dürfe jedoch nicht verwendet werden, "denn sie bindet radioaktives Material an Ihr Haar". Auf einem der Blätter wird der Einsatz von Klebeband und Plastikfolie empfohlen, "um alle Ritzen um die Tür und jegliche Lüftungsschlitze in den Raum zu versiegeln".

Steigende Urlauberzahlen?

Auf der einen Seite bereiten die Behörden die Menschen auf das Schlimmste vor - auf der anderen Seite setzen sie auf steigende Touristenzahlen. "Die Umstände sind zwar unglücklich, aber dies ist eine gute Gelegenheit, die Welt über Guam und unsere Kultur zu informieren", sagte der Marketingdirektor der örtlichen Tourismusbehörde, Josh Tyquiengco, der Nachrichtenagentur AFP.

"Guam ist mehr als eine Militärbasis" der USA, betonte er. "Wir sind ein sicheres Urlaubsziel für Familien." Die Drohungen aus Pjöngjang, Guam "in Feuer zu hüllen", schreckten Touristen bisher nicht ab, sagte Tyquiengco. Zwar gebe es "einige wenige Stornierungen aus Südkorea", aber jeden Tag strömten tausende Touristen nach Guam, vor allem aus Ländern wie Japan, Taiwan und China.

Die "Guam Daily Post" nahm die Raketenkrise zum Anlass, in einem Leitartikel die Vorzüge der Südseeinsel zu rühmen: "Das Wasser ist kristallklar, die Strände sind nicht überrannt, und die Wanderwege sind leicht zugänglich." Gouverneur Eddie Calvo betonte, die größte Gefahr für die Insel seien nicht Raketen, sondern Wirbelstürme. "Es ist Wochenende", sagte er zu den Bewohnern und Touristen. "Geht raus, habt Spaß, genießt die Strände."

Guam - US-Außenposten im Pazifik

Das gut 3000 Kilometer von Pjöngjang entfernte Eiland misst rund 550 Quadratkilometer. Der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan landete 1521 während einer Expedition im Auftrag der spanischen Krone auf einer der später Marianen genannten Inseln, möglicherweise Guam. Fünf Jahre später nahmen spanische Soldaten die Insel ein. Als Teil Spanisch-Ostindiens war Guam ein bedeutender Stützpunkt. 1898 eroberten US-Truppen Guam im Spanisch-Amerikanischen Krieg.

Durch den 1899 ratifizierten Friedensvertrag von Paris wurde die Insel Kolonie der USA. Im Dezember 1941, kurz nach dem Überraschungsangriff Japans auf den US-Stützpunkt Pearl Harbour auf Hawaii, landeten japanische Truppen auf Guam. Bis Juli 1944 war die Insel japanisch besetzt. Danach unterstand sie wieder den USA. Guam ist wie Puerto Rico ein Außengebiet der USA. Seine 162.000 Einwohner, von denen etwa zwei Fünftel der indigenen Chamorro-Volksgruppe angehören, sind US-Bürger mit eingeschränkten Rechten. Die Teilnahme an US-Wahlen ist ihnen nicht gestattet, ihr einziger Vertreter im Kongress in Washington ist nicht stimmberechtigt. Seit 2011 ist der direkt gewählte Republikaner Eddie Calvo Gouverneur von Guam. Auf der Insel befinden sich mehrere US-Militärstützpunkte, darunter die strategisch wichtige Anderson Air Force Base und die Naval Base Guam. Derzeit sind etwa 6000 US-Soldaten auf Guam stationiert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. August 2017 um 18:12 Uhr.

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