Rettungsarbeiten am Eingang zu dem Kohlestollen in der westtürkischen Stadt Soma | Bildquelle: AFP

Grubenunglück in der Türkei Haftstrafen für Bergwerksbetreiber

Stand: 11.07.2018 12:27 Uhr

Mehr als 300 Menschen starben bei dem Grubenunglück im türkischen Soma vor vier Jahren. Jetzt sind die Verantwortlichen zu langen Haftstrafen verurteilt worden.

Es war das schwerste Grubenunglück in der Geschichte der Türkei: 301 Bergleute kamen im Mai 2014 im westtürkischen Soma in einem Braunkohlebergwerk ums Leben. Die Arbeiter verbrannten oder erstickten an den giftigen Gasen. 162 weitere Menschen wurden verletzt. Jetzt sind die ersten Urteile im Prozess gegen die Führungsriege des Bergwerks gefallen.

Das Gericht in der Stadt Akhisar verurteilte den Direktor des Bergwerks und den technischen Leiter zu jeweils mehr als 22 Jahren Haft. Der Geschäftsführer der Firma wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. Ein Betriebsleiter und ein Aufseher bekamen Haftstrafen von jeweils 18 Jahren und neun Monaten.

Die Anwälte und Familien der Opfer hatten auf härtere Strafen gehofft. Aus Protest verließen die Anwälte nach den ersten Urteilen den Gerichtssaal. Sie hatten in mehreren Fällen lebenslange Haftstrafen gefordert. Dem Betrieb wird vorgeworfen, aus Profitgier Sicherheitsmaßnahmen vernachlässigt zu haben. Die Urteile gegen weitere Angeklagte werden im Laufe des Tages erwartet. Insgesamt gibt es 51 Angeklagte.

Der damalige Ministerpräsident und heutige Staatschef Recep Tayyip Erdogan war nach dem Unglück scharf kritisiert worden. Er hatte über die angebliche Unvermeidbarkeit von Bergwerksunfällen gesprochen und gesagt, die Menschen in der Region seien "an Unglücke wie dieses gewöhnt".

Mit Informationen von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 11. Juli 2018 um 12:30 Uhr.

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