Der Westminster Palast in London | Bildquelle: REUTERS

Großbritannien Weitere Politiker wegen Sex-Vorwürfen suspendiert

Stand: 04.11.2017 00:12 Uhr

Der Skandal im britischen Parlament um sexuelle Belästigung weitet sich nach dem Rücktritt des konservativen Verteidigungsministers Fallon weiter aus. Auch zwei weitere Politiker wurden vorübergehend von ihren Parteien ausgeschlossen.

Die Belästigungsvorwürfe gegen britische Politiker haben weitere Konsequenzen: Die Labour-Partei suspendierte den Abgeordneten Kelvin Hopkins, weil er eine junge Frau bei einer Veranstaltung im Jahr 2014 sexuell belästigt haben soll. Wie britische Medien berichteten, wurde auch der konservative Abgeordnete für Dover, Charlie Elphicke, wegen "schwerer Vorwürfe" vorläufig aus seiner Partei ausgeschlossen.

Im Fall Hopkins sagte die 27-jährige Ava Etemadzadeh der Zeitung "The Daily Telegraph", der Politiker habe damals beim Verabschieden seine Hodengegend an ihr gerieben. Nach der Parteiveranstaltung habe der heute 76-Jährige ihr außerdem unangemessene SMS-Nachrichten geschickt. Eine Beschwerde bei der Partei habe nichts gebracht, erzählte Etemadzadeh. Die Labour-Abgeordnete Jess Phillips versicherte im britischen Radiosender "BBC Radio 4" hingegen, die Angelegenheit sei einwandfrei behandelt worden. Über die Entscheidung, Hopkins daraufhin dennoch zu befördern, zeigte sich auch Phillips "ein wenig beunruhigt". Die Partei leitete neue Ermittlungen zu dem Vorfall ein.

Kelvin Hopkins, Abgeordneter der Labour-Partei | Bildquelle: AFP
galerie

Der Abgeordnete der Labour Partei, Kelvin Hopkins, sieht sich mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung konfrontiert.

Frauen- und schwulenfeindliche Aussagen gemacht

Die Vorwürfe gegen Hopkins könnten weitere Folgen nach sich ziehen: Hopkins ist ein guter Freund des Labour-Chefs Jeremy Corbyn. Dieser hatte ihn vor seiner Wahlniederlage im Sommer als Teil seines Schattenkabinetts benannt, obwohl er die Vorwürfe gegen Hopkins kannte. Deshalb steht Corbyn selbst in der Kritik.

Hopkins ist nach Jared O'Mara bereits der zweite suspendierte Labour-Abgeordnete. O'Mara hatte vor einigen Jahren frauen- und schwulenfeindliche Aussagen im Internet veröffentlicht und wurde deshalb Mitte Oktober suspendiert.

Michael Fallon | Bildquelle: AFP
galerie

Ebenfalls wegen Belästigungsvorwürfen zurückgetreten: Michael Fallon

Im Fall des konservativen Politikers Elphicke soll den Berichten zufolge auch die Polizei eingeschaltet worden sein. Elphicke setzte sich per Kurznachrichtendienst Twitter zur Wehr. "Die Partei hat die Presse informiert, bevor mir mein vorübergehender Ausschluss mitgeteilt wurde. Ich weiß nicht, was die angeblichen Vorwürfe beinhalten und streite jegliches Fehlverhalten ab", schrieb er.

Ebenfalls wegen Belästigungsvorwürfen war am Mittwoch Abend der britische Verteidigungsminister Michael Fallon zurückgetreten. Fallon hatte zugegeben, im Jahr 2002 einer Journalistin bei einem Abendessen am Rande eines Tory-Parteitags die Hand aufs Knie gelegt zu haben.

Reihe von Missbrauchsvorwürfen

Andrea Leadsom | Bildquelle: AFP
galerie

Unterhaus-Chefin Andrea Leadsom beschuldigte Fallon, ihr sowie anderen Abgeordneten gegenüber unangebrachte sexuelle Kommentare gemacht zu haben.

Die Zeitung "The Sun" berichtete von weiteren Vorwürfen: Die Unterhaus-Chefin Andrea Leadsom, eine Tory-Politikerin, beschuldigte Fallon demnach, zwischen 2010 und 2012 ihr sowie anderen Abgeordneten gegenüber unangebrachte sexuelle Kommentare gemacht zu haben.

May stellt Verhaltenskodex vor

Die britische Premierministerin Theresa May stellte inzwischen einen überarbeiteten Verhaltenskodex für konservative Politiker vor. Unter anderem soll eine Beschwerde-Hotline Opfern von sexuellen Übergriffen eine Anlaufstelle bieten. In einem Brief an Parlamentssprecher John Bercow forderte die Premierministerin gleichzeitig parteiübergreifende Mechanismen, um Belästigungsvorwürfen nachzugehen.

Fast täglich werden neue Vorwürfe bekannt. In der konservativen Fraktion des Unterhauses zirkuliert laut britischen Medien eine Liste mit etwa 40 Abgeordneten, denen "unangemessenes Verhalten" vorgeworfen wird. Am kommenden Montag will May mit den Chefs der anderen Parteien im britischen Parlament über Konsequenzen aus dem Skandal beraten.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 02. November 2017 um 22:15 Uhr.

Darstellung: