Parlament und Big Ben in London

"Turing Law" in Großbritannien London will Homosexuelle rehabilitieren

Stand: 20.10.2016 20:40 Uhr

Die britische Regierung will Homosexuelle rehabilitieren, die sich nach früherer Rechtssprechung strafbar gemacht hatten. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde in London vorgelegt - das "Turing Law", nach einem prominenten Betroffenen.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Alan Turing war für die Briten beides: Er war Held, und er war Straftäter. Im Zweiten Weltkrieg knackte er den Enigma-Code der Deutschen, so konnten deren Funksprüche entschlüsselt werden. Einer breiten Öffentlichkeit wurde das mit dem Film "The Imitation Game - ein streng geheimes Leben" vor zwei Jahren bekannt.

Aber Alan Turing war auch schwul und wurde deshalb 1952 angeklagt und verurteilt. Der Haftstrafe entging er nur, weil er sich für eine Hormonbehandlung entschied. 1954 nahm er sich das Leben. Vor drei Jahren erst, im Dezember 2013, wurde er von der Queen rehabilitiert.

Alan Turing
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Turing leistete im Zweiten Weltkrieg Großes für sein Land. Wegen seiner Homosexualität galt er jedoch als Straftäter.

Keine Entschuldigung, keine Kompensation

Noch bis in die 80er-Jahre hinein stand auf den britischen Inseln Homosexualität unter Strafe - ein historischer Fehler, der jetzt korrigiert werde, sagt Sam Gyimah aus dem Justizministerium. Die Begnadigung drücke das große Bedauern der Regierung über die falschen und ungerechten Gesetze aus. Diese Rechtssprechung hätte es nicht geben dürfen, so Gyimah.

Auf eine Kompensation zum Beispiel durch Geldzahlungen will sich die britische Regierung bislang allerdings nicht festlegen und auch nicht auf eine Entschuldigung bei den Opfern. Das wäre manchen Betroffenen aber viel wichtiger, wie zum Beispiel für George Montague, der 1974 wegen seiner Homosexualität verurteilt wurde. Er will die Begnadigung nicht akzeptieren, denn das hieße ja, dass er schuldig gewesen sei. Seine einzige Schuld sei es höchstens, zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein.

15.000 Betroffene leben noch

Lord John Sharkey aus dem britischen Oberhaus, der das Vorhaben über die Jahre hinweg vorangetrieben hat, versteht den Vorbehalt. Dennoch sei eine Begnadigung wahrscheinlich der beste Weg, um das tatsächliche Leid, das durch ungerechte Gesetze entstanden sei, anzuerkennen.

Er hoffe, dass viele Menschen dies ebenso sehen. Von den 65.000, die unter der falschen Gesetzgebung verurteilt worden seien, leben nach Angaben des Lords noch 15.000.

Britische Regierung will Homosexuelle rehabilitieren
T. Spickhofen, ARD London
20.10.2016 20:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Oktober 2016 um 05:46 Uhr.

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