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Plakat gegen Angela Merkel vor dem griechischen Parlament

Proteste gegen Merkel

Ausnahmezustand in Athen

Tausende Griechen haben am Abend in Athen gegen den Besuch von Kanzlerin Merkel demonstriert. Sie protestierten gegen die Sparauflagen und warfen Merkel Erpressung vor. Für heute haben die Gewerkschaften wieder zu Protesten und auch zu Streiks aufgerufen.

Von Thomas Bormann, ARD-Hörfunkstudio Istanbul, zzt. Athen

Ausnahmezustand in Athen: In Sondersendungen haben die griechischen Fernsehkanäle gestern Abend ihren Zuschauern gezeigt, welche Stadtteile die Polizei wann absperren wird. Scharfschützen werden auf Dächern postiert; ganze Straßenzüge mit meterhohen Barrikaden versperrt. 7000 Polizisten sollen heute in Athen dafür sorgen, dass beim sechsstündigen Besuchsprogramm der Kanzlerin in Athen alles genau nach Plan verläuft.

"Wir sind nicht gegen das deutsche Volk"

Mehrere Tausend Gewerkschaftsmitglieder und Anhänger von Oppositionsparteien hatten schon gestern Abend friedlich gegen den anstehenden Besuch von Angela Merkel demonstriert. Vor dem Parlament in Athen protestierten sie gegen die Sparpolitik, gegen den Plan der griechischen Regierung, Löhne und Renten noch einmal zu kürzen.

Griechenland bereitet sich auf Merkel-Besuch vor
T. Bormann, ARD Istanbul
08.10.2012 18:16 Uhr

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Die Gewerkschaften werfen Merkel vor, Griechenland geradezu zu erpressen. Hilfskredite bekomme Griechenland nur, wenn es seinem Volk einen harten, unmenschlichen Sparkurs zumute, klagt Gewerkschafts-Chef Kostas Tsikrikas: "Wir senden eine deutliche Botschaft: Wir sind nicht gegen das deutsche Volk, aber wir sind gegen die Politik der starken Euro-Länder und vor allem gegen die Politik Deutschlands." Einige Demonstranten hielten Plakate hoch, in denen die Kanzlerin mit Hakenkreuzen dargestellt war; andere sammelten Unterschriften gegen ein angeblich drohendes Viertes Reich, das Griechenland beherrschen wolle.

Merkel zu Gesprächen in Athen
tagesschau 12:00 Uhr, 09.10.2012, Bernd Niebrügge, ARD Athen

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Heute Mittag, wenn Merkel in Athen landen wird, wollen die Gewerkschaften erneut vor dem Parlament gegen ihren Besuch demonstrieren. Damit möglichst viele zur Protestkundgebung kommen, haben die beiden großen Dachverbände sogar zu einem dreistündigen Streik gegen Merkel aufgerufen.

"Wir wollen doch auch leben"

Es gibt aber auch Griechen, die freuen sich über den Besuch aus Berlin: "Natürlich ist sie willkommen. Jeder, der uns hilft, ist willkommen. Mal sehen, was sie uns zu sagen hat", meint ein Angestellter; eine Frau Mitte 50 sagt hingegen über Merkel: "Sie sollte nicht so hart sein, uns nicht so viele Steuern aufbürden. Wir wollen doch auch leben; wir sind doch auch Menschen."

Mit Brecht gegen die Sparauflagen: Demonstration in Athen
galerie

Mit Brecht gegen die Sparauflagen: Demonstration in Athen

Das große Ziel der Griechen aber, die Finanzkrise zu überwinden und in der Eurozone bleiben zu können, lässt sich nur mit der Sparpolitik erreichen, weiß Ministerpräsident Antonis Samaras, der auf Rückendeckung der Kanzlerin hofft: "Dieser Besuch ist sehr positiv. Deutschland ist die stärkste Macht in Europa und eine der stärksten Mächte der Welt. Unterstützung von Frau Merkel ist gut für unser Land; wir brauchen diese Unterstützung, aber wir müssen selbst auch vorwärts gehen, um aus diesem Tunnel der Wirtschaftskrise herauszukommen."

Die Regierung Samaras steht mächtig unter Druck. Sie muss ein Sparpaket im Umfang von zwölf Milliarden Euro durchsetzen, und hat nur noch neun Tage Zeit. Gestern Abend nämlich verlangten die Finanzminister der Euro-Länder auf ihrem Treffen in Luxemburg, Griechenland müsse die vereinbarten Sparmaßnahmen bis zum 18. Oktober endgültig umsetzen. Samaras hofft, Kanzlerin Merkel findet bei ihrem Besuch in Athen die richtigen Worte und Gesten, damit mehr Griechen den Sparkurs der Regierung Samaras unterstützen.

Dieser Beitrag lief am 9. Oktober um 6:12 Uhr im Deutschlandfunk

Stand: 09.10.2012 07:44 Uhr

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