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Protest gegen neue Milliarden-Kürzungen
Die Griechen streiken gegen das Sparen
Griechenland steht vor den größten Streiks seit fünf Monaten. Aus Protest gegen die neuen Milliarden-Sparprogramme der Regierung soll heute vor allem im staatlichen Bereich nichts mehr gehen. Die griechische Regierung habe alle Wahlversprechen gebrochen, die Bürger "wollen wieder in Würde leben".
Von Thomas Bormann, ARD-Hörfunkstudio Istanbul
Die Hafenarbeiter in Piräus sind schon mit ihren Spruchbändern zu den Fähranlegern marschiert: Sie wehren sich gegen weitere Lohnkürzungen und wollen 24 Stunden lang streiken, genauso wie Lokführer, Lehrer, Bankangestellte, Ärzte in Krankenhäusern oder Postboten.
Auch die Fluglotsen wollen am Vormittag für drei Stunden die Arbeit niederlegen. Wer heute also nach Griechenland fliegen will, muss mit Verspätung rechnen. In den Mittagsstunden wollen die Streikenden sich zum Protest in den Innenstädten versammeln.
Streik gegen Sparpolitik in Griechenland
T. Bormann, ARD Istanbul
26.09.2012 00:40 Uhr
"Wir wollen wieder in Würde leben"
In den letzten Tagen hatten schon mehrfach Tausende gegen das geplante neue Sparpaket demonstriert, etwa die Journalisten. Gewerkschafts-Chef Dimitris Trimis beklagte, dass jeder zweite Journalist in Griechenland arbeitslos sei und den anderen der Lohn zusammengestrichen werde: "Hier wird gerade ein Massaker verübt an unserem Berufsstand. Den Beschäftigten der Massenmedien wird die Möglichkeit genommen, in Würde zu arbeiten und ihre Rolle in der Gesellschaft auszuüben. Wir wollen unser Leben zurück", sagt Trimis.
"Wir wollen wieder in Würde leben": So heißt der fast schon verzweifelte Protestruf vieler Gewerkschafter. Seit Beginn der Krise sind die Löhne der Griechen um gut ein Drittel gesunken. Viele Familien müssen in kleinere Wohnungen umziehen, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten können.
Ohne Kürzungen geht es nicht
Die Not ist groß, deshalb wächst auch der Protest gegen den Plan, noch einmal den Rotstift bei Löhnen und Renten anzusetzen. Zwar hat sich die Drei-Parteien-Regierung Griechenlands noch längst nicht auf die Details des Sparpakets geeinigt, aber völlig klar ist jetzt schon: Ohne neuerliche Lohnkürzungen ist das Ziel eines ausgeglichenen Staatshaushalts nicht zu erreichen.
Allerdings kann Griechenland nicht weiter mehr Geld ausgeben, als es einnimmt. Dann würde es im Schuldensumpf versinken. Und dann gäbe es auch keine Hilfskredite mehr, droht die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds.
Finanzminister: Nach dem Sparpaket wird alles besser
Also fleht die Regierung ihr eigenes Volk an: Bitte, dieses eine Sparpaket müssen wir noch durchstehen. Finanzminister Yannis Stournaras will es am liebsten noch im Oktober unter Dach und Fach haben. Dann wird Griechenland neue Hilfskredite von den Euro-Partnern bekommen. Dann, so klingt es bei Stournaras durch, werde alles besser: "Ich glaube, diese große Unsicherheit, wie es weitergeht, die wird dann verschwinden, und wir werden die tatsächlichen Möglichkeiten der griechischen Wirtschaft sehen", sagt Stournaras.
Die Regierung hat alle Wahlversprechen gebrochen
Doch die meisten Griechen trauen den Worten ihres Finanzministers nicht. Nein, ihnen wurde schon zu viel versprochen. Alle drei Parteien, die jetzt die Regierung bilden, hatten vor der Wahl versichert: Es gebe keine Lohnkürzungen, die Renten würden nicht gesenkt, die Steuern nicht erhöht. Die Wahl ist erst 100 Tage her, und schon hat die neue Regierung alle drei Versprechen gebrochen.
Die Regierung will offenbar, dass die Griechen künftig erst mit 67 in Rente gehen können - auch davon war vor der Wahl nicht die Rede. All das wird Zigtausende Griechen heute zum Protest auf die Straße treiben. Sie fürchten, ihr Land wird kaputtgespart und sie werden die ersten Opfer.
Stand: 26.09.2012 01:42 Uhr
