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27.05.2012

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Ausland
Demonstranten belagern griechisches Parlament
Schwere Ausschreitungen in Athen

Demonstranten belagern griechisches Parlament

Die schweren Krawalle in Athen haben ein erstes Todesopfer gefordert. Während erneut Zehntausende gegen die Sparprogramme friedlich demonstrierten, kam es am Rande der Proteste zu Zusammenstößen. Dabei erlitt ein 53-jähriger Mann einen Herzinfarkt. Er konnte nicht rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht werden. Mindestens 40 Menschen wurden verletzt.

Von Oliver Neuroth, ARD-Hörfunkstudio Istanbul, zzt. Athen

Die Polizei setzte Tränengas gegen die Randalierer ein. (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Polizei setzte Tränengas gegen die Randalierer ein. ]
Es sind bürgerkriegsähnliche Zustände vor dem Parlamentsgebäude in Athen. Anarchisten lieferten sich Straßenschlachten mit Kommunisten. Menschen prügelten mit Stöcken und Baseballschlägern aufeinander ein. Steine und Brandsätze flogen. Auf den Straßen rund um den zentralen Syntagma-Platz in Athen gab es offene Feuer. Immer wieder zündeten Randalierer Rauchbomben. Die Polizei beobachtete die Kämpfe aus einiger Entfernung. Davor war sie mit Tränengas gegen die Randalierer vorgegangen. Daraufhin brach Panik aus und die Lage eskalierte.

Erst friedliche Demonstrationen

Zunächst hatten etwa 50.000 Menschen friedlich vor dem Parlamentsgebäude demonstriert. Ein Streikender, der bei der Stadt Athen angestellt ist, sagte, er sei da, um gegen die Maßnahmen zu protestieren, die die Regierung gegen die Arbeitnehmer im öffentlichen, aber auch im privaten Sektor unternähme. Außerdem würde er gegen die neuen Steuern auf die Straße gehen. "Das muss die Regierung doch verstehen – bei so vielen Menschen, die hier sind," sagte er.

Die meisten Demonstranten sind sich bewusst, dass sie durch ihren Protest das Sparpaket der Regierung kaum stoppen können. Denn es muss durch das Parlament, damit Griechenland die nächsten Hilfszahlungen in Höhe von acht Milliarden Euro aus Brüssel bekommt. Panagiotis Kanelis, der bei der Ausländerbehörde arbeitet, sagte: "Wenn die Politiker aufrichtig sind und Moral zeigen, dann darf dieses Gesetz nicht durchgehen." Er erwarte jedoch keine Aufrichtigkeit mehr. Sie hätten längst bewiesen, dass das Volk, die Ungerechtigkeit und Härte sie überhaupt nicht interessieren würden.

Am Rande der Protesten kam es zu heftigen Ausschreitungen. (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Am Rande der Protesten kam es zu heftigen Ausschreitungen. ]
Der 43-Jährige geht davon aus, dass die richtig große Protestwelle auf Griechenland erst noch zukommt. Die Demos seien für ihn nur der Anfang. Die Leute müssten aufwachen und mit dem Protest weitermachen. "Es reicht, wenn wir das rausschreien, was uns gerade passiert. Egal, wen du fragst, alle machen gerade das Schlimmste durch, was sie bis jetzt erlebt haben."

Entscheidung über das Sparpaket

Das Parlament will über die einzelnen Punkte des Sparpaketes entscheiden und abstimmen. Es sieht alles danach aus, dass das Sparpaket durchs Parlament kommt. Bei einer ersten Abstimmung gestern Abend hatten alle Abgeordneten der Regierung zugestimmt.

Stand: 20.10.2011 20:07 Uhr
 

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