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War es ein Unfall oder ein gezielter Schuss? Diese Frage beschäftigt Griechenland nach dem Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel. In Athen, Thessaloniki und anderen Städten gab es in der Nacht schwere Ausschreitungen. Jugendliche zündeten Autos an und zerschlugen Schaufensterscheiben.
Von Ulrich Pick, ARD-Hörfunkstudio Istanbul
Die vorläufige Bilanz der Auseinandersetzungen allein in Athen ist gewaltig: Mehr als 40 Autos brannten in der vergangenen Nacht aus, 70 Geschäfte und Banken wurden zerstört. Hinzu kommen etliche Schäden von Krawallen in Thessaloniki, Komotini, Ioannina und auf Kreta.
[Bildunterschrift: Hunderte Jugendliche randalierten in griechischen Städten ]
Im Mittelpunkt steht allerdings weiterhin die Frage nach dem Tod eines 15-jährigen Jugendlichen, der gestern Abend in der griechischen Hauptstadt durch eine Kugel aus einer Polizeipistole starb. Laut Medienberichten soll ein Warnschuss den jungen Mann getroffen haben. Der Polizist saß demnach mit einem Kollegen in einem Streifenwagen, als sie von einer Gruppe Autonomer mit Steinen und anderen Gegenständen angegriffen wurden.
Doch ob es sich wirklich so zugetragen hat, ist offen und wird heftig diskutiert. Während die Sicherheitskräfte angeben, es habe sich um einen irrtümlichen Treffer gehandelt, sprechen Symapthisanten der Autonomen sowie Linke von einem gezielten Schuss – eine Sicht, die dieser Augenzeuge bestätigt: "Der Polizist hat in die Richtung des Jungen gezielt. Er hat nicht in die Luft geschossen. Er hat gezielt und zwar direkt auf seine Brust".
Ob sich der Tatvorgang einwandfrei rekonstruieren lassen wird, ist zur Stunde noch offen. Die beiden Polizisten jedenfalls wurden festgenommen. Die Untersuchung werde die Gründe und die Verantwortlichen finden, sagte der griechische Innenminister Prokopis Pavlopoulos. "Wir verurteilen das, was geschehen ist, auf Schärfste und werden die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Es ist außerhalb der Logik der Polizei und des Rechtssstaates", so Pavlopoulos.
Nach dem tödlichen Zwischenfall waren mehrere hundert Autonome randalierend und brandschatzend durch die Innenstadt von Athen gezogen. Die Polzei, die ihr Aufgebot deutlich verstärkte, ging mit Tränengas vor und sperrte ganze Straßenzüge ab. Autonome und linksgerichtete Bürger kündigten für heute Protestaktionen an.
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