Akropolis | Bildquelle: dapd

Studie von Transparency International Weniger Korruption in Griechenland

Stand: 08.03.2013 04:54 Uhr

Beim Bauamt, beim Arzt, beim Fahrprüfer - jeder zwölfte Grieche zahlt Schmiergeld. Doch die Tarife sinken: 2012 flossen unter der Hand 80 Millionen Euro weniger als im Jahr davor. Auch die Korruption ging zurück. Offenbar kontrolliert der Staat inzwischen besser und manch korrupter Beamter sitzt im Gefängnis.

Von Thomas Bormann, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Schmiergeld zahlen ist immer noch weit verbreitet in Griechenland. Doch die Korruption geht zurück. Und es ist billiger geworden, einen griechischen Beamten oder einen griechischen Arzt zu bestechen.

Das ist das Ergebnis einer Studie der griechischen Sektion von Transparency International, einer Organisation, die weltweit gegen Korruption kämpft: Ein illegal gebautes Haus nachträglich vom Bauamt genehmigen zu lassen, kostet bis zu 5000 Euro Schmiergeld. Den Arzt bitten, für eine dringend nötige Operation nicht erstmal auf die Warteliste zu kommen, sondern gleich behandelt zu werden: 2000 Euro. Den Fahrprüfer bei der Führerscheinprüfung bestechen: 300 Euro.

Schmiergelder haben eine eigene Vokabel: "Fakelaki"

Immerhin: Vor einem Jahr zahlten manche Fahrschüler noch bis zu 500 Euro Bestechungsgeld, die Tarife sinken also. Für all diese Schmiergeld-Zahlungen hat die griechische Sprache eine eigene Vokabel: "Fakelaki" - übersetzt heißt das: kleiner Umschlag.

Mitunter sind diese Umschläge gar nicht so klein - darin können bis zu 7500 Euro Schmiergeld stecken, wenn eine Baufirma nicht so lange auf die Baugenehmigung warten will und den zuständigen Beamten mit einem dicken Fakelaki schmiert.

Transparency International hat im vergangenen Jahr insgesamt 12.000 Griechen befragt - von denen haben rund eintausend tatsächlich Schmiergeld bezahlt, und zwar im Durchschnitt genau 1228 Euro. Im Jahr zuvor lag die Durchschnittssumme noch deutlich höher bei 1400 Euro.

Trotz Rückgangs ist Schmiergeld immer noch weit verbreitet

Vor allem in den Finanzämtern sind die Bestechungssummen gesunken - offenbar, weil der Staat inzwischen besser kontrolliert und manch korrupter Beamter inzwischen im Gefängnis sitzt. Auch die Zahl der Korruptionsfälle ist niedriger als im Vorjahr.

Trotzdem: Das Fakelaki-Unwesen ist in Greichenland immer noch weit verbreitet. Der 23-jährige Student Pavlos meint: "Die meisten haben sich daran gewöhnt. So funktioniert diese Gesellschaft eben. Wenn Du einen Job willst, wenn Du beim Arzt schnell drankommen willst - irgendwie findet sich immer ein Türchen."

Es gibt aber immer mehr Griechen, die durch diese Türchen nicht gehen wollen. Immerhin 27 Prozent aller Befragten gaben an, kein Schmiergeld gezahlt zu haben, obwohl ein Beamter oder ein Arzt das von ihnen verlangt hatte.

Transparecy International fordert schärfere Gesetze

Der 80-jährige Rentner Mimis Malisianos aus Athen findet das gut so: "Wenn von mir einer Schmiergeld verlangen würde, dann würde ich mich weigern. Ich würde dem sagen: 'Was verlangst du hier Schmiergeld? Du wirst doch bezahlt!' Malisianos könnte sich von seiner gekürzten Rente ohnehin kein Schmiergeld mehr leisten.

Transparency International untersucht seit sechs Jahren die Alltagskorruption in Griechenland. Bislang hatte die Summe aller Schmiergeldzahlungen in Griechenland immer über 500 Millionen Euro gelegen. Im vergangenen Jahr aber ist deutlich weniger Fakelaki-Geld geflossen, nämlich insgesamt 420 Millionen Euro.

Um die Korruption besser zu bekämpfen, sollten Gebühren in Behörden oder beim TÜV überhaupt nicht mehr in bar bezahlt werden, sondern nur noch elektronisch, fordert Transparency International. Außerdem sollten die Gesetze gegen Korruption verschärft werden. Bislang nämlich können manche bestechliche Beamte oder Ärzte in Griechenland viel zu leicht einer Strafe entgehen. Sie müssen nur selbst etwas Bestechungsgeld an ihren Chef oder an den überprüfenden Beamten zahlen und der Fall ist erledigt.

Dieser Beitrag lief am 8. März 2013 um 05:56 Uhr im Deutschlandfunk.

Darstellung: