Flüchtlinge in Chios auf dem Weg zum Hafen

Vor dem Start des EU-Türkei-Paktes Noch hoffen die Flüchtlinge von Chios

Stand: 02.04.2016 20:11 Uhr

Kurz vor Inkrafttreten des EU-Türkei-Abkommens versuchen offenbar Hunderte Flüchtlinge, einer Abschiebung zu entgehen. Rund 500 harrten in der Nacht am Hafen von Chios aus, in der Hoffnung die griechische Insel verlassen zu können. Unterdessen laufen die Vorbereitungen für die Umsetzung des Paktes.

Ab Montag tritt der EU-Türkei-Pakt in Kraft, dann sollen die ersten Flüchtlinge aus Griechenland in die Türkei zurückgebracht werden. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Rückführungen wohl nicht ohne Konflikte stattfinden werden.

Bereits am Freitag waren Hunderte Flüchtlinge aus dem griechischen "Hotspot" von Chios ausgebrochen und Richtung Hafen marschiert. 500 Menschen, unter ihnen viele Kinder, verbrachten dort die Nacht im Freien. Sie harren weiterhin im Hafen aus und hoffen mit einer Fähre die Insel verlassen zu können, um einer Abschiebung zu entgehen. Doch Fähren laufen den Hafen nicht mehr an. Sie würden zum Inselort Mesta umgeleitet, damit die Menschen nicht auf die Schiffe stürmen, meldete der Radiosender "Athina 984". Zuvor hatte es in dem Lager auf Chios Ausschreitungen gegeben.

Im Flüchtlingslager Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze demonstrierten rund 200 Flüchtlinge - sie forderten, dass Lager in Richtung Mazedonien verlassen zu dürfen. Die Flüchtlinge hinderten auch Lastwagen daran, die Grenze nach Mazedonien zu überqueren und blockierten Bahngleise.

Start von Lesbos aus

Die ersten Rückführungen von Syrern, Irakern und Afghanen aus Griechenland in die Türkei sind laut einem Medienbericht von der Insel Lesbos aus geplant. Nach Informationen der staatlichen griechischen Nachrichtenagentur ANA-MPA charterte die europäische Grenzschutzbehörde Frontex dafür zwei Schiffe, die von Montag bis Mittwoch insgesamt 750 abgelehnte Asylbewerber über das Mittelmeer transportieren sollen. Sicherheitskräfte begleiten demnach die Rückführung: Auf jeden Ausgewiesenen komme ein Polizist.

Unterdessen hat die Türkei mit dem Bau von zwei Registrierungszentren für die aus Griechenland zurückgenommenen Menschen begonnen. In Cesme gegenüber der Insel Chios legten Arbeiter Wasserleitungen und Kabel in einer 500 Quadratmeter großen Anlage, wie Bürgermeister Muhittin Dalgic einem Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge sagte. Vorgesehen sind dort Zelte, in denen Fingerabdrücke genommen werden sollen, sowie sanitäre Anlagen.

Unmut wächst auch in der Türkei

Das zweite Registrierungszentrum für die Flüchtlinge entsteht in Dikili in derselben Provinz gegenüber der griechischen Insel Lesbos. Türkischen Vertretern zufolge handelt es sich aber nicht um Flüchtlingslager im eigentlichen Sinn. "Sobald die Gesundheitstests und die Registrierung abgeschlossen sind, werden sie in Lager gebracht", sagte Dalgic. Das griechische Parlament hatte gestern dem EU-Türkei-Pakt zugestimmt und so den Weg für die Rückführung von Flüchtlingen geebnet.

Doch auch in der Türkei wächst der Widerstand gegen die Rücknahme von Flüchtlingen aus Griechenland. Hunderte Demonstranten protestierten in Dikili gegen die geplante Aufnahme der Migranten. Bislang ist ungeklärt, wo genau diese unterkommen sollen. Ein Augenzeuge sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Standort für eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Dikili sei derzeit noch ein mit Gras bewachsenes Feld.

Griechisches Parlament stimmt für Abschiebung von Flüchtlingen
tagesschau 10:05 Uhr, 02.04.2016

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Flüchtlinge kommen weiter nach Griechenland

Ungeachtet der Vorbereitungen für Montag hält der Zustrom von Menschen aus Türkei nach Griechenland an. 566 Asylsuchende hätten in den vergangenen 24 Stunden auf die griechische Ägäis-Inseln übergesetzt, wie der griechische Stab für die Flüchtlingskrise mitteilte. Demnach waren außerdem am Freitag 339 und am Donnerstag 377 Menschen angekommen. Nach Schätzungen des Krisenstabes sind bis Samstag mehr als 52.000 Flüchtlinge und andere Migranten in Griechenland gestrandet, nachdem die Balkanländer ihre Grenzen für Menschen ohne gültige Pässe und Visa geschlossen haben.

Darstellung: