Flüchtlinge an der griechischen Grenze. | Bildquelle: dpa

Flüchtlinge in Griechenland Tausende warten auf die Weiterreise

Stand: 02.03.2016 17:26 Uhr

Milde Temperaturen in Griechenland bedeuten: Die Zahl der Flüchtlinge nimmt wieder zu, Tausende sind in den vergangenen Tagen auf den Ägäis-Inseln gelandet. Sie alle wollen weiter, doch an der Grenze zu Mazedonien endet ihre Reise - zumindest für die meisten.

In Griechenland steigt die Zahl der Flüchtlinge wieder deutlich an. Allein in den vergangenen Tagen sind von der türkischen Küste Tausende Migranten auf den Inseln im Osten der Ägäis angekommen und von dort nach Piräus weitergereist.

Im Hafen der Stadt sind Medienberichten zufolge mehr als 2000 Migranten in Lagerhallen untergebracht. Ihre Versorgung sei miserabel, berichteten Reporter vor Ort.

Viele wollen weiter Richtung Westeuropa. Doch die griechisch-mazedonische Grenze ist weiterhin geschlossen. Etwa 11.000 Flüchtlinge warten dort auf Durchlass.

Tausende Flüchtlinge sitzen in Griechenland fest
Tagesschau 20:00 Uhr, 02.03.2016, Christian Limpert, ARD Rom, zzt. Idomeni

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Einige dürfen Grenze passieren

Die mazedonischen Behörden erlauben nach Angaben von ARD-Korrespondent Christian Limpert zum gegenwärtigen Zeitpunkt Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak die Weiterreise - allerdings nur wenn sie korrekt ausgestellte Papiere haben. Mindestens 400 Menschen hätten bislang passieren dürfen.

Die anderen Migranten hoffen, dass Mazedonien seinen Zaun auch für sie öffnet und dass sie dann weiter nach Mitteleuropa kommen. Aus diesem Grund weigern sie sich, in Flüchtlingslagern südlich der Grenze untergebracht zu werden. Viele von ihnen blockierten am Morgen die Eisenbahntrasse.

Die Versorgung dieser Menschen wird immer schwieriger. Ihre Gesundheit - vor allem die der Kinder - sei in Gefahr, warnen mehrere humanitäre Organisationen. Griechische Medien berichteten, verzweifelte Migranten hätten in der Nacht an den Türen der rund 100 Einwohner des Dorfes von Idomeni geklopft und um Lebensmittel und Milch für ihre Kinder gebeten.

Wie ARD-Korrespondent Limpert berichtet, sind in dem Grenzgebiet mittlerweile Bagger angerückt, die die Felder planierten. Große Mengen Kies würden aufgeschüttet. "Das ist ein deutliches Zeichen, dass aus dem Übergangscamp ein Camp werden soll, in dem Flüchtlinge auch länger bleiben können."

Christian Limpert, ARD Rom, zzt. Idomeni, mit Informationen
tagesschau 17:00 Uhr, 02.03.2016

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Der politische Streit geht weiter

Die Grenzschließungen in Europa riefen unterdessen UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auf den Plan. Er kritisierte sie als unvereinbar mit dem Völkerrecht und dem menschlichen Anstand. Er betonte, jeder Flüchtling habe ein Anrecht auf eine Anhörung und ein individuelles Verfahren.

Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann verlangt von Deutschland dagegen die direkte Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland oder den Nachbarsstaaten Syriens. Der Wiener Zeitung "Kurier" sagte er, dazu solle eine Tagesquote festgelegt werden. Auf dieser Basis sollten dann die Flüchtlinge direkt nach Deutschland gebracht werden. Österreich dürfe nicht zur Verteilstelle werden.

Die Bundesregierung wies die Forderung nach Tagesquoten zurück. Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte zudem das einseitige Vorgehen Österreichs. Nationale Grenzschließungen bewirkten nichts gegen die Ursachen der Flüchtlingsbewegungen, sagte sie der "Volksstimme".

NATO-Einsatz lässt auf sich warten

Zugleich zögert sich der Einsatz der NATO gegen Schlepperbanden in der Ägäis weiter hinaus. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, derzeit befinde man sich noch in der Detailplanung. Die Einsatzplanungen würden "voraussichtlich in den nächsten Tagen abgeschlossen".

NATO-Diplomaten hatten zuvor von einer Blockade durch die Türkei gesprochen. Insbesondere gebe es Streit über die Entsendung von deutschen Schiffen in türkische Hoheitsgewässer. Diese Darstellung wies das Verteidigungsministerium zurück.

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