Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze in Idomeni, Foto vom 1. März 2016 | Bildquelle: REUTERS

Dramatische Lage in Idomeni Athens Hilferuf

Stand: 01.03.2016 12:11 Uhr

Tausende Flüchtlinge harren an der griechisch-mazedonischen Grenze aus - die Stimmung ist aufgeheizt. Athen fürchtet, dass in den kommenden Tagen mehr als 100.000 Migranten in Griechenland festsitzen könnten. Jetzt soll die EU helfen.

Die Bilder der versuchten Grenzstürmung in Idomeni zeigen: Der Frust und die Verzweiflung der Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze sind groß. Etwa 7000 Menschen warten dort auf ihre Weiterreise - jeden Tag dürfen nur wenige die Grenze passieren. Und es könnte noch schlimmer kommen: nach Schätzungen der griechischen Regierung könnten schon in den kommenden Tagen mehr als 100.000 Flüchtlinge im Land festsitzen.

470 Millionen Euro von der EU gefordert

Aus diesem Grund habe die Regierung ein EU-Hilfspaket in Höhe von 470 Millionen Euro beantragt, berichtete der griechische Fernsehsender ANT1. Auch andere Medien nannten diesen Betrag. Der Plan sehe vor, dass etwa 50.000 Menschen in Aufnahmelagern und weitere 50.000 in einfachen Hotels untergebracht werden sollen. Es würden insgesamt 8200 Polizisten und zivile Mitarbeiter benötigt, um die Flüchtlinge zu registrieren und für Verpflegung, Gesundheit und Sicherheit zu sorgen, hieß es.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras kündigte mit Blick auf das Treffen zwischen EU und Türkei am kommenden Montag an, er werde keinem Beschluss zustimmen, wenn nicht die gleichmäßige Verteilung von Flüchtlingen auf alle Staaten der EU gesichert sei. Gemeinsam mit den Vorsitzenden der wichtigsten Parteien wolle er am Freitag die griechische Position für den Gipfel erarbeiten.

Situation in Idomeni weiter angespannt

In Idomeni, an der Grenze zu Mazedonien, war die Situation zu Wochenbeginn eskaliert. Etwa 300 Menschen rissen einen Teil des Grenzzaunes nieder. Steine flogen in Richtung der Grenzpolizisten. Die reagierten mit Tränengas und Blendgranaten. Einigen Flüchtlingen gelang es, die Grenze zu passieren. Später wurden sie jedoch von der Polizei wieder aufgehalten.

Insgesamt 15 Menschen wurden verletzt, unter ihnen auch neun Kinder. Die Lage dort bleibt angespannt. Seit Tagen müssen viele Flüchtlinge trotz eisiger Kälte im Freien schlafen.

Stephanie Stauss, ARD Rom, zzt. Idomeni, zur aktuellen Lage
tagesschau 12:00 Uhr, 01.03.2016

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ARD-Reporterin Stefanie Stauss berichtet, dass Mazedonien seine Grenze derzeit komplett geschlossen habe und griechische Polizisten sich 100 Meter vor dem Grenzzaun postiert hätten. Hubschrauber seien auf mazedonischer Seite gesichtet worden. Trotzdem kämen immer noch mehr Flüchtlinge in Idomeni an, so dass mit einer Entspannung der Lage nicht zu rechnen sei. Auch ein grundlegender Kurswechsel der mazedonischen Regierung sei nicht zu erwarten.

Situation an der griechisch-mazedonischen Grenze
tagesschau 12:00 Uhr, 01.03.2016

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Steinmeier entsetzt von Zuständen in Idomeni

Außenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich entsetzt über die Zustände an der griechisch-mazedonischen Grenze. Die Bilder des Tränengaseinsatzes seien der Beleg dafür, dass nationale Alleingänge in der Flüchtlingskrise nicht weiterführten, sagte Steinmeier der Deutschen Welle. "Man kann das Flüchtlingsproblem verdrängen, man kann es in das jeweils vorgelagerte Land schieben, aber eine Lösung ist das nicht", sagte Steinemeir am Rande eines Besuchs in Washington. Jetzt müsse "mit noch mehr Ehrgeiz nach gemeinsamen europäischen Lösungen" gesucht werden.

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