Griechen protestieren gegen ERT-Ende

Demonstranten vor der ERT-Zentrale in Athen (Bildquelle: dpa)

Proteste gegen Aus für griechischen Staatsrundfunks

Streiks, Demos, besetzte Redaktionen

Nach der Schließung des griechischen Staatsrundfunks ERT haben umfangreiche Streiks in Griechenland die öffentliche Verwaltung und den Personenverkehr vor allem in Athen gelähmt. Staatliche Einrichtungen bleiben geschlossen. Auch Journalisten streiken den zweiten Tag in Folge. Ärzte in staatlichen Krankenhäusern behandelten nur Notfälle.

Tausende Menschen versammelten sich vor dem ERT-Zentralgebäude und skandierten: "Hände Weg vom Staatsrundfunk." Dort halten Journalisten Fernsehstudios besetzt und senden ein Protestprogramm via Internet. Auch in Thessaloniki wurde demonstriert. Zwar hatten Gewerkschaften zu einem Generalstreik aufgerufen, aber Banken, Supermärkte, Geschäfte und Hotels blieben geöffnet. Auch U-Bahnen fuhren.

24-stündiger Generalstreik in Griechenland
tagesschau 12:00 Uhr, 13.06.2013

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Tausende ERT-Mitarbeit verlieren Job

Zu dem Streik hatten die beiden größten Gewerkschaftsverbände des staatlichen und privaten Bereichs, ADEDY und GSEE, aufgerufen. Sie reagierten damit auf eine Entscheidung des konservativen Ministerpräsidenten Antonis Samaras, der ohne Zustimmung seiner Koalitionspartner die Schließung des Staatsrundfunks angeordnet hatte. Rund 2700 Menschen verlieren ihre Arbeit. Ende August soll es dann einen Neustart mit 1200 Beschäftigten geben.

Der Präsident des griechischen Journalistenverbandes, Dimitris Trimis, kündigte an, die Redakteure würden solange weiterstreiken, bis die Regierung ihren Beschluss zurücknehme. Auch am Freitag sollen keine Zeitungen erscheinen. Mitglieder des Journalistenverbandes kritisierten jedoch diese Haltung. Ausgerechnet jetzt keine Nachrichten zu haben, diene praktisch nur der Regierung, hieß es.

Generalstreik gegen Senderschließung
T. Bormann, ARD Istanbul
13.06.2013 17:28 Uhr

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Samaras' Koalitionspartner fühlen sich übergangen

Die Schließung führte auch zu Spannungen in der Koalition. Auf Verlangen der kleineren Koalitionspartner - Sozialisten und Demokratische Linke - wird es am kommenden Montag einen Koalitionsgipfel geben. Die Koalitionspartner werfen Samaras Kompetenzüberschreitung vor. Entscheidungen solcher Tragweite wie die Schließung des Staatsrundfunks könnten nicht im Alleingang getroffen werden. In griechischen Medien wird bereits über ein Auseinanderbrechen der Koalition spekuliert - Sozialisten und Demokratische Linke haben allerdings schlechte Umfragewerte.

So hohe Arbeitslosenquote wie noch nie

Die Arbeitslosigkeit erreichte unterdessen einen neuen Rekordstand: 27,6 Prozent der Griechen waren nach Angaben der Statistikbehörde im ersten Quartal des Jahres ohne Stelle. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres betrug die Arbeitslosigkeit 22,6 Prozent.

Stand: 13.06.2013 17:12 Uhr

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