Griechenland  | Bildquelle: dpa

Delegation reist zu Gesprächen nach Brüssel Neue Vorschläge im Griechenland-Poker

Stand: 13.06.2015 05:20 Uhr

Gibt es im Schuldenstreit mit Griechenland doch noch eine Einigung in letzter Minute? Athen will in Brüssel offenbar neue Vorschläge auf den Tisch legen. Sogar Vertreter des IWF sollen dabei sein. Die Gespräche sollen den Weg für eine Einigung ebnen.

Griechenland will die festgefahrenen Schuldenverhandlungen mit seinen internationalen Geldgebern neu beleben. Heute wollen die Unterhändler Athens in Brüssel neue Vorschläge auf den Tisch legen,"um die verbliebenen Differenzen zu überbrücken", sagte ein griechischer Regierungsvertreter. Man sei bereit, die Differenzen mit den Gläubigern beizulegen. Eine Einigung sei so nah wie nie zuvor.

Renten- und Lohnkürzungen werde man jedoch nicht akzeptieren. Man verhandele nur über eine Umstrukturierung der Schulden sowie niedrige primäre Überschüsse, damit die Wirtschaft wieder angekurbelt werden könne.

Christian Feld, ARD Brüssel, zu den Verhandlungen im Schuldenstreit
tagesschau 17:00 Uhr, 13.06.2015

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IWF offenbar wieder dabei

Nach einem Medienbericht kehrt sogar der Internationale Währungsfonds an den Gesprächstisch zurück. Der IWF werde bei den angekündigten Unterredungen mit der griechischen Regierung in Brüssel vertreten sein, berichtete die "Welt". Ob das komplette Expertenteam des IWF wieder zurück nach Brüssel gesandt wird, ist noch offen.

Am Donnerstag war das IWF-Verhandlungsteam überraschend aus Brüssel abgereist und hatte dies mit großen Differenzen in wesentlichen Punkten begründet. Der Schritt sorgte für Nervosität an den Finanzmärkten und ließ die Befürchtung aufkommen, dass die Verhandlungen gescheitert sind.

"CCC" für vier große Banken

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) stufte inzwischen die Kreditwürdigkeit vier großer Banken in Griechenland herab. Die Bonitätseinstufung sei um eine Note auf das Ramschniveau "CCC" gesenkt worden, teilte die Agentur am Freitag mit. Dies betreffe die Alpha Bank, die Eurobank, die National Bank of Greece und die Piraeus Bank.

Die Geldinstitute steuerten in den kommenden zwölf Monaten voraussichtlich auf eine Pleite zu, sollte es nicht zu einer Einigung im griechischen Schuldenstreit kommen, erklärte S&P. Die Kunden hätten zwischen November und Ende April etwa 35 Milliarden Euro und damit 30 Prozent ihrer gesamten Einlagen aus den Banken abgezogen. Standard & Poor's hatte am Mittwoch bereits die Kreditwürdigkeit Griechenlands um eine Stufe auf "CCC" herabgesetzt. Diese Note kennzeichnet ein Land kurz vor der Zahlungsunfähigkeit.

Vorbereitung auf das Schlimmste

Die Euroländer gehen mittlerweile vom Schlimmsten aus. In Bratislava berieten gestern die Finanzstaatssekretäre der Mitgliedsstaaten, wie sich die Eurozone auf eine griechische Staatspleite Ende Juni vorbereiten kann. Mit einem Ergebnis bei den Verhandlungen über die griechischen Schulden rechnete hier niemand mehr: "Das würde einen Fortschritt innerhalb von Tagen voraussetzen, der innerhalb mehrerer Wochen nicht erreicht wurde", zitierte Reuters eine mit den Gesprächen vertraute Person.

Tsipras schaut auf die Uhr | Bildquelle: AP
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Ein Bild mit Symbolkraft. Und von Tsipras wohl genau deshalb inszeniert. Aufgenommen bei EU-Lateinamerika-Gipfel am Mittwoch.

Wie genau sich die Staaten vorbereiten wollen, ist noch nicht klar. Auf jeden Fall aber soll offenbar ein "Grexit", also das Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro, vermieden werden.

In den Verhandlungen geht es um die Auszahlung von 7,2 Milliarden Euro aus dem zweiten Griechenland-Hilfspaket, das Ende Juni ausläuft. Gleichzeitig werden am 30. Juni Kredit-Rückzahlungen an den IWF in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro fällig. Ohne das Geld aus dem Hilfspaket könnte Athen das Geld nicht aufbringen - es wäre pleite.

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