Grenzzaun nahe Gevgelija  | Bildquelle: AP

Flüchtlinge auf der Balkanroute Wieder mehr illegale Grenzübertritte

Stand: 18.02.2016 02:41 Uhr

Die Staaten auf der Balkanroute riegeln sich immer weiter ab, die offiziellen Flüchtlingszahlen sinken. Doch die Abschottungspolitik von Österreich und anderen Staaten lässt die Zahl der illegalen Grenzübertritte wieder steigen.

Von Ralf Borchard, ARD-Studio Wien

Mazedonische Soldaten rollen bei Gevgelija Stacheldraht aus. Hier an der Grenze von Griechenland nach Mazedonien sollen Flüchtlinge künftig gestoppt werden - jedenfalls nach dem Willen von Ländern wie Ungarn, Polen und auch Österreich.

Doch noch kommen die Flüchtlinge, wenn auch derzeit deutlich weniger als im Herbst. Manchmal sind es einige Hundert am Tag, manchmal 2000 bis 3000. Ähnliche Zahlen nennt das UN-Flüchtlingshilfswerk für Grenzübertritte nach Serbien. Dort herrscht, wie überall auf der Balkanroute, gespanntes Warten, ob sich die EU zu gemeinsamen Maßnahmen durchringt. Es ist vor allem ein Warten darauf, was Deutschland und Österreich tun.

Infografik: Verschärfte Grenzkontrollen in Österreich
galerie

Vorbild für die künftigen Kontrollen an Österreichs Südgrenze soll der Grenzübergang Spielfeld sein. Dort stehen Container, Sperrgitter und ein kilometerlanger Zaun.

"Wir sind auf alle Ereignisse vorbereitet", sagt der serbische Außenminister Ivica Dacic. "Wir werden Flüchtlinge weiter human behandeln, aber auch unsere nationalen Interessen schützen. Wir werden nicht zulassen, dass Migranten in größerer Zahl auf dem westlichen Balkan bleiben", sagt Dacic.

Wieder mehr illegale Grenzübertritte

Während die offiziellen Zahlen - auch durch den Winter bedingt - niedriger liegen, wächst gleichzeitig wieder die Zahl der illegalen Grenzübertritte - etwa von Menschen aus Marokko, Algerien, Pakistan und dem Iran. Sie werden an den Übergängen nicht durchgelassen, versuchen es aber wieder mit Schleppern. Am Busbahnhof von Belgrad oder in der alten Ziegelei im nordserbischen Subotica wachsen wieder kleine Elendslager.

"Wir sind bereits wieder Zeugen von Menschenschmuggel. Sie umgehen Kontrollen, sie kommen irgendwie über die Grenze", sagt Rados Djurovic vom serbischen "Hilfszentrum für Asylsuchende".

Österreich gibt Tageskontingente für Flüchtlinge bekannt
tagesschau 20:00 Uhr, 17.02.2016, Till Rüger, ARD Wien

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Gleichzeitig hat Kroatien erstmals eine größere Zahl von Flüchtlingen zurückgeschickt: 217 Menschen, vor allem aus Afghanistan, wurden Richtung Süden nach Serbien abgeschoben, wie die Regierung in Zagreb mitteilte. Slowenien wiederum hat angekündigt, Österreich zu folgen und die Flüchtlingszahlen künftig nach Tageskontingenten zu begrenzen.

Welche Folgen hat die Abschreckungspolitik?

Es sind also vier Entwicklungen gleichzeitig auf der Balkanroute: vergleichsweise niedrige offizielle Zahlen, wieder mehr illlegale Grenzübertritte, erste Abschiebungen zurück. Und: ein Dominoeffekt bei Regierungsentscheidungen - ausgehend von Österreich.

Slowenien folgt Österreich mit Obergrenze für Flüchtlinge

Nach Österreich will auch der südliche EU-Nachbar Slowenien die Zahl der Flüchtlinge begrenzen. Laut Innenministerium in Ljubljana wird sich das Land dabei an den Quoten orientieren, die Österreich festgelegt hat. Allerdings kommen zurzeit deutlich weniger Flüchtlinge in Slowenien an: Die Zahlen schwanken von unter 1000 bis gut 2000 pro Tag.

Doch wenn die bisherige Balkanroute immer schwieriger zu passieren ist, bleibt die Frage: Schreckt das langfristig Flüchtlinge ab oder weichen sie schlicht auf andere Routen aus - etwa auf Albanien, das Mittelmeer und Italien. "Es wird uns nicht gelingen, dass wir Migrationsbewegungen stoppen. Von dieser Idee werden wir uns verabschieden müssen", sagt der Vize-Chef der europäischen Grenzschutzagentur Frontex, der Österreicher Berndt Körner.

Er hoffe Migrationsbewegungen besser verwalten zu können, um wieder Herr des Verfahrens zu werden. Solange die Fluchtursachen wie der Syrien-Krieg bestünden, würde es auch weiter Migrationsbewegungen geben, sagt Körner.

Die aktuelle Lage auf der Balkanroute
R. Borchard, ARD Wien
18.02.2016 01:49 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: