Manny Aparicia und andere Helfer unterwegs im Grenzgebiet, östlich von San Diego | Bildquelle: N. Markwald/ ARD

USA und Mexiko Grenzengel und Grenzpatrouillen

Stand: 08.03.2017 15:27 Uhr

An der Grenze zu Mexiko deponieren die sogenannten "Border Angels" Hilfsgüter für Migranten. Gleichzeitig fahren Mitarbeiter des Grenzschutzes das Gebiet ab, um illegal in die USA Eingereiste zu finden.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

"Eine Wärmedecke, Handwärmer, zwei Dosen Bohnen, die man ohne Dosenöffner öffnen kann, eine warme Decke, ein Pullover und Damenbinden" - Sarah zählt auf, was sie in ihrem durchsichtigen, wiederverschließbaren Plastiksack verstaut hat. Ihren Namen hat sie mit dickem Filzstift draufgeschrieben, dazu ein paar Grüße auf Spanisch.

Eine Flasche Wasser sowie ein Plastiksack mit warmer Kleidung und anderem, für die Migranten unter einem Felsvorsprung deponiert | Bildquelle: N. Markwald/ ARD
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Die Helfer deponieren im Grenzgebiet Wasser und Kleidung für die Migranten.

Für diese Hilfsgüter wird sie gleich einen Platz suchen, hier im Valley of the Moon, einem unwirtlichen Wüstengebiet rund einen halben Kilometer von der mexikanischen Grenze entfernt. "Wir können hier anfangen", erklärt Manny Aparicia. Er führt die Gruppe an. "Aber legt die Sachen nicht auf den Weg, sondern etwas abseits", rät er.

Manny Aparicia, ein leicht untersetzter Mann mit grüner Basecap | Bildquelle: N. Markwald/ ARD
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Manny Aparicia führt die Gruppe an.

Manny kennt sich aus, er ist einer der freiwilligen Helfer für die Menschenrechtsgruppe "Border Angels". Seit Jahren machen die "Grenzengel" sogenannte "water drops". In Gegenden an der US-mexikanischen Grenze, die besonders häufig von Flüchtlingen durchquert werden, hinterlegen sie Wasserkanister - und jetzt, wo es in den Nächten noch bitterkalt wird, auch warme Sachen oder Decken, ein paar Lebensmittel.

Mannys Vater kam selbst als 16-Jähriger über die Grenze. Ein Erlebnis, über das er nicht gern spreche: "Ich weiß, dass er dabei fast erfroren ist", erzählt Manny. "Er ist inzwischen US-Bürger. Er profitierte von der Einwanderungsreform unter Präsident Ronald Reagan 1986. Aber der Übertritt über die Grenze war ein nachhaltiges Erlebnis für ihn. Gerade weil er so jung war, erst 16."

Der Gründer zitiert die Bibel

Die Organisation Border Angels gibt es seit 1986. Gegründet hat sie Enrique Morones, selbst Kind von Einwanderern. Bevor die freiwilligen Helfer an diesem Morgen in die Wüste rund eine Stunde östlich von San Diego aufbrachen, bedankte sich Morones bei ihnen: "Unser Leitspruch ist: Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben”, zitiert Morones die Bibel und sagt: "Genau das macht ihr heute."

Enrique Morones, Gründer der Menschenrechtsgruppe "Border Angels", spricht zu einer Gruppe Zuhörer | Bildquelle: N. Markwald/ ARD
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Enrique Morones (r.), Gründer der "Border Angels", bedankt sich bei den Helfern.

Morones sagt, dass seit 1994, dem Jahr, in dem die Grenze zu Mexiko befestigt wurde, mehr als 10.000 Menschen starben bei dem Versuch, die US-amerikanische Seite zu erreichen. Und keiner weiß, ob nun ein erneuter Ansturm bevorsteht, bevor hier möglicherweise eine Mauer gebaut wird: "Organisationen wie die 'Border Angels' sind hilfreich, aber in den meisten Fällen werden Menschen nach einem illegalen Grenzübertritt von einem Grenzschützer gerettet."

Unter Clinton wurde die Grenze stärker gesichert

Eduardo Olmos ist einer von ihnen, ein "Border Patrol Agent", der im Gebiet rund um San Diego tätig ist. Darunter fallen auch rund 97 Kilometer Grenzgebiet zwischen Kalifornien und Mexiko.

Unter Präsident Bill Clinton wurde die Grenze zu Mexiko 1996 mit der "Operation Gatekeeper" stärker gesichert. Südlich von San Diego entstand ein 72 Kilometer langer Zaun. Er ist stellenweise bis zu fünf Meter hoch und mündet im Pazifik.

Olmos zeigt auf U-förmige Schweißnähte im Zaun: Hier haben Schmuggler Öffnungen für Flüchtlinge in den Zaun gesägt. Fast täglich entdecken die Beamten auf ihren Patrouillen solche Schnitte. Andere werfen Strickleitern über den Zaun, den am oberen Rand befestigten Stacheldraht entschärfen sie mit einem Teppichläufer oder einer Decke.

Der Grenzzaun in Südkalifornien. An den grauen Stellen haben Schmuggler den Zaun durchgeschnitten. | Bildquelle: N. Markwald/ ARD
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Der Grenzzaun in Südkalifornien. An den grauen Stellen haben Schmuggler den Zaun durchgeschnitten.

Der Zaun verzögert den Grenzübertritt

Man könne nicht jeden abhalten, sagt Olmos. Aber der Zaun verzögere den Grenzübertritt oft lange genug für eine Festnahme.

Allein von Oktober 2016 bis Ende Januar 2017 nahmen Olmos und seine Kollegen auf ihrem Grenzabschnitt 11.908 Menschen fest bei dem Versuch, auf amerikanischen Boden zu gelangen. Ein Vergleich zu 2008: Da hatte es im ganzen Jahr rund 162.000 Festnahmen gegeben, 110 Menschen mussten gerettet werden, zurückgelassen von Schmugglern in der Kälte, ohne Wasser.

"Wer nicht den Weg über einen offiziellen Grenzübergang nimmt, sucht hier vielleicht Arbeit oder hat etwas zu verbergen", sagt Olmos. "Wir als Grenzschutz müssen wissen, wer hier reinkommt."

Die "Border Angels" werden erstmal weiter Wasserkanister im Grenzgebiet verteilen - in der Hoffnung, dass sie verzweifelten Menschen in Not helfen. Aber auch für die Helfer selbst hat der Einsatz eine therapeutische Wirkung: "Zu sehen, dass hier so viele unterschiedliche Leute mit unterschiedlicher Herkunft mitmachen, Unterstützung zeigen, ist großartig", sagt der Jurastudent Daniel. "Da wird mir warm ums Herz - gerade auch weil von der neuen Regierung so viel Kälte ausgeht."

Unterwegs an der Grenze - mit Helfern und Gegnern
N. Markwald, ARD Los Angeles
07.03.2017 15:01 Uhr

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