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Korallenschwund am Great Barrier Reef

Spritzen sollen gefräßige Dornenkronen stoppen

Für das Massensterben der Korallen am australischen Great Barrier Reef wird die gefräßige Dornenkrone mitverantwortlich gemacht. Um das Riff zu retten, soll dem Seestern-Nachwuchs die Nahrungszufuhr gekappt werden. Erwachsene Exemplare will man einzeln mit Injektionen bekämpfen.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Südostasien

Der Dornenkronen-Seestern bedroht die Korallenbestände des Great Barrier Reef.
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Die Dornenkronen-Seesterne sollen für 42 Prozent des Korallensterbens am Riff verantwortlich sein.

Drei Wochen nach dem alarmierenden Bericht eines Teams von Korallenexperten an der Universität von Townsville im australischen Queensland, demzufolge die Hälfte der Korallen des Great Barrier Reefs verschwunden ist, wird in Australien fieberhaft an Gegenmaßnahmen gearbeitet. Die Wissenschaftler hatten neben dem Klimawandel und heftigen Stürmen der Vergangenheit vor allem die Dornenkronen-Seesterne für den Verlust der Korallen verantwortlich gemacht.

Dornenkronen-Seesterne werden bis zu einem halben Meter groß und vertilgen pro Tag eine ganze Koralle. Sie entwickeln sich so schnell, weil ihre natürlichen Feinde dezimiert sind und der Dünger, der von den Zuckerrohr-Feldern in Queensland ins Meer gelangt, ihr Wachstum beschleunigt.

Sorge um das Great Barrier Reef
U. Schmidt, ARD Singapur
23.10.2012 12:26 Uhr

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Zuckerrohr-Dünger lässt Larven prächtig gedeihen

Korallenexperte Morgan Pratchett von der James Cook University in Queensland erklärt: "Wir gehen davon aus, dass der Dünger, der ins Meer geschwemmt wird, bestimmte Algenarten wachsen lässt, die wiederum den  Larven der Seesterne als Futter dienen. Die Überlebensrate der Nachkommen steigt dann drastisch und dadurch nimmt die Menge der Seesterne explosionsartig zu."

Amy Hadcock erstellt regelmäßig Berichte über den Zustand des Riffs und kennt die Dornenkronen-Seesterne gut: "Sie sind riesig, mit 40 bis 50 Zentimetern Durchmesser und ganz mit roten Stacheln bedeckt. Sie sind nachtaktiv und haben bis zu 32 Arme. Tagsüber sind sie schwer zu finden, und man greift auch nicht gerne in die Spalten des Riffs, um sie zu suchen." Der Verlust der Korallen am Great Barrier Reef geht zu 42 Prozent auf die Monster-Seesterne zurück, haben die Wissenschaftler ermittelt.  

Gespräche mit den Zuckerrohrfarmern laufen. Diese sind schon seit Längerem bemüht, den Einsatz von Dünger zu verringern, meint Russel Debeatsman, der in Queensland in einer Zuckerrohrmühle arbeitet: "Das hat auch wirtschaftliche Gründe. Dünger, der ins Meer gespült wird, ist verschwendet. Es wird immer mehr Dünger eingesetzt, der aus Rückständen der Zuckerrohrproduktion hergestellt wird. Und der ist ungefährlich."

Taucher sollen Seesternen einzeln Sulfat injizieren

Der kurzfristige Plan, den die Wissenschaftler erdacht haben, sieht so aus: Den Seesternen wird eine tödliche Injektion verabreicht, um sie zurückzudrängen. Allerdings müssen Taucher sich dazu jedes einzelnen Seesterns annehmen. Ein nicht leicht zu realisierendes Vorhaben bei Millionen dieser Korallenfeinde, meint David Wachenfeld, wissenschaftlicher Leiter der Reef Marine Park Authority in Townsville: "Wir injizieren ihnen Sulfat, das für die Umwelt ungefährlich ist. Bisher findet das natürlich auf niedrigem Level statt. Wir versuchen aber, die Technik so zu verbessern, dass wir wirklich große Mengen Seesterne erwischen können."

Auch wenn es glückt, den Riff-Feind Dornenkronen-Seestern zu dezimieren - die anderen Probleme bleiben: Der Temperaturanstieg des Wassers, die Stürme und die Bedrohungen durch die neuen Hafenprojekte direkt vor dem Great Barrier Reef, die geplant sind, um den Rohstoff-Export zu steigern, dem Australien seinen Wohlstand zu verdanken hat. Ökonomie gegen Ökologie, ein greifbarer und zugleich scheinbarer Konflikt, denn Queensland lebt auch vom Tourismus, und der braucht das Great Barrier Reef als größten zu vermarktenden Schatz.

Größtes Korallenriff der Welt in Gefahr
tagesschau 12:00 Uhr, 02.10.2012, Norbert Lübbers, ARD Singapur

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Stand: 23.10.2012 12:58 Uhr

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