Einmaliges Naturdenkmal in Gefahr Alarmierender Korallenschwund am Great Barrier Reef

Stand: 02.10.2012 13:43 Uhr

Das australische Great Barrier Reef hat in nur 27 Jahren die Hälfte seiner Korallen verloren. Das haben Forscher des Australischen Instituts für Meereskunde in einer aktuellen Studie festgestellt. Das Riff gehört zu den wichtigsten Touristenattraktionen Australiens.

Von Nicola Glass, ARD-Hörfunkstudio Südostasien

Die Ursache für den massiven Korallenschwund ist nach Aussage der australischen Forscher nicht in erster Linie die Meereserwärmung, sondern vor allem schwere Stürme und der Befall mit korallen-fressenden "Dornenkronen-Seesternen".

Gehe der Trend so weiter, könne das Great Barrier Reef in den kommenden zehn Jahren weitere 50 Prozent seiner Korallendecke einbüßen. John Gunn, Chef des Australischen Instituts für Meereskunde, erklärt, die Anzahl jener Faktoren, die ausschlaggebend für die Korallenschäden sind, erhöhten den Druck, dort zu handeln, wo man handeln könne: "Wir können Stürme nicht verhindern, wobei wir auch wissen, dass sich Riffs von Sturmschäden erholen können", erläutert Gunn.

Nicht nur Seesterne machen Probleme

"Stürme sind mit 48 Prozent ein wesentlicher Faktor für die Schäden des Riffs, während 42 Prozent durch Seesterne verursacht werden, die eine heimische Pest sind", sagt Gunn weiter. Zehn Prozent der Schäden würden durch Korallenbleiche infolge des Klimawandels hervor gerufen. "Es ist die Anhäufung aller drei Faktoren, die die Lage für das Riff so problematisch machen."

Überdüngung lässt Schädlinge gedeihen

Taucher taucht mit Fischen am Great Barrier Reef | Bildquelle: AFP
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Das Riff wird jedes Jahr von vielen Touristen besucht.

Laut Studie spielt die Qualität des Wassers bei der Ausbreitung der Seesterne eine entscheidende Rolle. Mit anderen Worten: Verbessert man die Wasserqualität, kann man den Seestern-Bestand eindämmen oder gar eine Plage verhindern. Unter anderem durch einen verringerten Einsatz von Dünger in küstennahen Gebieten, weil dieser mit dem Regen ins Meer gespült wird und zu einem starken Algen-Wachstum führen kann. Ein entsprechendes Programm zur Verbesserung der Wasserqualität und zur Rettung des Riffs unter Regie der Regierung gibt es bereits.

Klimawandel verlangsamt Korallenwachstum

Tatsache ist, dass sich gleichzeitig das Wachstum der Korallen generell verlangsamt hat. Ursache dafür sei der Klimawandel und das durch diesen wärmer werdende Wasser. "Einer der Gründe, warum wir hier in Australien den Klimawandel in den Griff bekommen müssen, ist, dass wir irgendwann kein Great Barrier Reef mehr haben werden, wenn wir dazu nicht in der Lage sind", mahnt der Wissenschaftler John Gunn weiter. "Das Riff ist ein wirklich großartiges Symbol für Australien. Der Tourismusindustrie bringt es jährlich fünf Milliarden Dollar ein, ganze Regionen hängen vom Bestand des Riffs ab. Es gibt also viele Gründe, warum wir diesen Kampf gewinnen müssen."

Größtes Korallenriff der Welt

Das Great Barrier Reef, das jährlich zwei Millionen Besucher anlockt, umfasst mehr als 3000 einzelne Riffe. Es ist das größte Korallenriff der Welt und gilt als eine der artenreichsten Regionen überhaupt. Seit 1981 gehört es zum Weltnaturerbe der Unesco. Diesen Status könnte es verlieren, wenn sich das Korallensterben weiter fortsetzt.

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