Jubel über den Durchstoß

Durchbruch im Gotthard-Tunnel "Eine tipptopp Leistung"

Stand: 15.10.2010 16:54 Uhr

Es ist geschafft: In der Schweiz ist der längste Tunnel der Welt entstanden, nachdem der gigantische Bohrer die letzte Felswand des Gotthard-Eisenbahntunnels durchstoßen hat. Für viele Bauarbeiter war es ein ergreifender Moment. In sieben Jahren soll dann der erste Zug durch die Röhre fahren.

Von Pascal Lechler, ARD-Hörfunkstudio Genf

Es ist der Moment, auf den viele Bergleute jahrelang hingearbeitet haben. Um genau 14.20 Uhr durchstößt die Tunnelbohrmaschine die letzte Felswand. Alles läuft wie am Schnürchen. Die Bergleute in der Werkshalle in Sedrun oberhalb des Tunnels springen von ihren Plätzen. Auch für Manfred Brazig aus Moers gibt es kein Halten mehr: "Ich bin sichtlich ergriffen. Ein super Gefühl, muss man echt sagen. Ja, also tipptopp Leistung. Echt. Super-geil. Gutes Gefühl."

Sein Kollege aus Cottbus, Jan Hampel, ist erleichtert, dass alles geklappt hat. Vor allem freut sich der Vermessungstechniker, beim Bau des Jahrhunderttunnels dabei sein zu können. "Es ist natürlich erst mal eine große Verantwortung, die man gerade als Vermesser hat. Für mich persönlich ist es eine große Erfahrung, bei so 'nem riesigen Projekt mitzuwirken. Das ist natürlich super."

Hampel und seinen Kollegen ist es zu verdanken, dass die Tunnelbohrmaschine am Ende auch da rauskam, wo sie rauskommen sollte. Dass es diese bergmannstechnische Punktlandung gab, lässt natürlich auch Renzo Simoni, den Chef der Bauherrin, der Alptransit AG, aufatmen. Für etwaige Verzögerungen oder Abweichungen hätte er den Kopf hinhalten müssen.

"Es erfüllt mich sicher mit Freude und mit Stolz, dabei sein zu dürfen, und es ist vielleicht auch ein bisschen Wehmut dabei. Wenn man tatsächlich so ein riesiges Ziel erreicht hat, dann fehlt einem nachher etwas."

Anderthalb Stunden schneller in Mailand

Entzugserscheinungen welcher Art auch immer werden Simoni und die restlichen 2500 Arbeiter am Gotthard aber erst in sieben Jahren haben: Dann nämlich geht der Gotthard-Basistunnel in Betrieb. Dann werden die ersten schnellen Güterzüge und Hochgeschwindigkeitspersonenzüge durch die Alpen fahren. Dann wird man auch von Deutschland aus anderthalb Stunden schneller in Mailand sein. Frische Zitronen aus Italien werden mit doppelter Geschwindigkeit in die Supermärkte in Köln oder Dresden geliefert werden können.

Bis es soweit ist, muss aber noch der technische Innenausbau des Tunnels bewerkstelligt werden. Nur so entsteht nicht nur der längste, sondern auch der modernste Eisenbahntunnel der Welt, wie Bauleiter Weber sagt: "Das eigentliche ist der Beton, die Hochbauten. Die müssen wir in einer gescheiten Qualität hinkriegen."

In 15 Minuten durch die Röhre

Das fertige Betonteil wird insgesamt 150 Kilometer lang sein. Denn der Tunnel besteht aus zwei 57 Kilometer langen Röhren und etlichen Querverbindungen zwischen den Röhren. Kommt es zu einem Unfall, können Reisende die Züge an Nothaltestellen verlassen und durch die Querschläge in andere Röhren gelangen. Von dort aus können sie mit anderen Zügen evakuiert werden. Über ein weitverzweigtes System aus Röhren und Schächten kann Rauch abgezogen und Frischluft in den Tunnel gepumpt werden. Für die Sicherheit im Tunnel bürgt Simoni: "Die Sicherheitsanalysen haben ergeben, dass die Sicherheit im Tunnel höher ist als auf den offenen Strecken nördlich und südlich."

Auch über Tage wird der Durchstoß gefeiert
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Ein erhebendes Gefühl auch für die Verantwortlichen über Tage.

15 Minuten wird die Fahrt durch den Tunnel später mit Hochgeschwindigkeitszügen dauern. Bis die neue Achse Rotterdam - Genua aber voll genutzt werden kann, müssen noch neue leistungsfähige Schienenstränge im Norden und im Süden gebaut werden. Insbesondere die Deutschen sind beim Ausbau der Rheintalstrecke Richtung Schweiz in Verzug.

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