Der kroatische Ex-General Ante Gotovina beim Berufungsprozess in Den Haag. (Bildquelle: dapd)

Freiheit statt 24 Jahre Haft für kroatischen Ex-General Freispruch bringt Serben gegen UN-Tribunal auf

Stand: 16.11.2012 16:43 Uhr

Überraschung vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag: Der zuvor zu 24 Jahren Haft verurteilte kroatische Ex-General Ante Gotovina ist in einem Berufungsverfahren freigesprochen worden. Die Berufungskammer des Tribunals sprach auch den mitangeklagten Ex-General Mladen Markac frei.

Es sei nicht erwiesen, dass die Vertreibung von rund 200.000 Serben am Ende des kroatischen Bürgerkrieges (1991-1995) durch die beiden wichtigsten Offiziere des damaligen Heeres geplant war, sagte der Vorsitzende Richter zur Begründung. Eine Verschwörung zur Vertreibung von Serben aus der Krajina 1995 sei nicht nachgewiesen worden. Die beiden 57-Jährigen wurden sofort auf freien Fuß gesetzt. In der Urteilsbegründung hieß es weiter, dass Artillerieangriffe, die von den beiden Generälen befohlen wurden, nicht ungesetzlich gewesen seien.

Erst 2011 verurteilt

Gotovina und Markac waren 2011 vom UN-Tribunal wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit beim Vorgehen gegen die serbische Bevölkerung in Kroatien zu 24 Jahren und 18 Jahren Haft verurteilt worden.

Gotovina, der zu den meistgesuchten Kriegsverbrechern des Jugoslawien-Krieges zählte, war im Dezember 2005 auf Teneriffa festgenommen worden.

Jubel in Kroatien, Fassungslosigkeit bei den Serben

In Zagreb bejubeln Menschen den Freispruch für kroatische Ex-Generäle in Den Haag. (Bildquelle: REUTERS)
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Auf einem zentralen Platz in Zagreb wird der Freispruch gefeiert.

Gotovina und Markac wurden nach dem Urteil mit einem Regierungsflugzeug in die kroatische Hauptstadt Zagreb gebracht. Regierungschef Zoran Milanovic und die Parlamentsspitze begrüßten die beiden immer noch als Volkshelden Verehrten. "Es fällt mir ein Stein von Herzen", freute sich der Ministerpräsident: "Gotovina und Markac sei Dank, dass sie so lange für Kroatien ausgehalten haben."

Schätzungsweise tausend Menschen erwarteten die Freigesprochenen mit Fahnen und Sprechchören vor dem Flughafengebäude. Tausende Bürger warteten auf dem zentralen Ban-Jelasic-Platz in Zagreb auf die Ankunft der Offiziere. Zuvor hatten schon Zehntausende Kroaten das Urteil gefeiert. "Kroatien ist unschuldig" und "Sieg der Wahrheit", titelten die Zeitungen.

Empörung in Serbien

Serbien als der Gegner im damaligen Bürgerkrieg zeigte sich geschockt. Das Tribunal habe mit dem Urteil "jede Glaubwürdigkeit verloren", sagte für die Regierung Minister Rasim Ljajic, der auch für die Beziehungen mit Den Haag zuständig ist. "Das ist heute nur der Beweis eines selektiven Rechts, das schlimmer ist als jedes Unrecht."

Der serbische Staatsanwalt für Kriegsverbrechen, Vladimir Vukcevic, sprach von einem "skandalösen Urteil".

Die Vertreibung der Serben aus Kroatien

Zu Beginn des Bürgerkrieges (1991-1995) hielt die serbische Minderheit in Kroatien, die mit 580.000 Menschen gut zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung stellte, rund ein Drittel des Landes besetzt. Vom 4. bis 7. August 1995 ging die kroatische Armee gegen diese sogenannte Serbenrepublik Krajina vor, die mit Teilen der benachbarten bosnischen Serbenregion sowie mit der Republik Serbien das angestrebte Großserbien bilden sollte.

Bei der Militäraktion "Sturm" nahmen überlegene kroatische Einheiten die wichtigsten serbischen Städte unter schweren Beschuss, 2000 namentlich Identifizierte starben - die meisten davon Zivilisten. Bis zu 220.000 Serben wurden vertrieben.

In langen Kolonnen fuhren die Menschen mit ihren Traktoren, die mit dem Nötigsten bepackt waren, in Richtung Serbien. An zahlreichen Orten kam es zu Gewalt gegen die Zivilbevölkerung und zu teilweise flächendeckenden Plünderungen. Bis heute ist kaum einer der Vertriebenen zurückgekehrt. In viele serbische Häuser sind inzwischen Kroaten eingezogen. Entschädigungen wurden bis auf Ausnahmen nicht gezahlt.

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