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Freiheit statt 24 Jahre Haft für kroatischen Ex-General
Freispruch bringt Serben gegen UN-Tribunal auf
Überraschung vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag: Der zuvor zu 24 Jahren Haft verurteilte kroatische Ex-General Ante Gotovina ist in einem Berufungsverfahren freigesprochen worden. Die Berufungskammer des Tribunals sprach auch den mitangeklagten Ex-General Mladen Markac frei.
Es sei nicht erwiesen, dass die Vertreibung von rund 200.000 Serben am Ende des kroatischen Bürgerkrieges (1991-1995) durch die beiden wichtigsten Offiziere des damaligen Heeres geplant war, sagte der Vorsitzende Richter zur Begründung. Eine Verschwörung zur Vertreibung von Serben aus der Krajina 1995 sei nicht nachgewiesen worden. Die beiden 57-Jährigen wurden sofort auf freien Fuß gesetzt. In der Urteilsbegründung hieß es weiter, dass Artillerieangriffe, die von den beiden Generälen befohlen wurden, nicht ungesetzlich gewesen seien.
UN-Tribunal in Den Haag spricht ehemaligen kroatischen General frei
tagesschau 20:00 Uhr, 16.11.2012, Christian Feld, ARD Brüssel
Erst 2011 verurteilt
Gotovina und Markac waren 2011 vom UN-Tribunal wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit beim Vorgehen gegen die serbische Bevölkerung in Kroatien zu 24 Jahren und 18 Jahren Haft verurteilt worden.
Gotovina, der zu den meistgesuchten Kriegsverbrechern des Jugoslawien-Krieges zählte, war im Dezember 2005 auf Teneriffa festgenommen worden.
Jubel in Kroatien, Fassungslosigkeit bei den Serben
Gotovina und Markac wurden nach dem Urteil mit einem Regierungsflugzeug in die kroatische Hauptstadt Zagreb gebracht. Regierungschef Zoran Milanovic und die Parlamentsspitze begrüßten die beiden immer noch als Volkshelden Verehrten. "Es fällt mir ein Stein von Herzen", freute sich der Ministerpräsident: "Gotovina und Markac sei Dank, dass sie so lange für Kroatien ausgehalten haben."
Schätzungsweise tausend Menschen erwarteten die Freigesprochenen mit Fahnen und Sprechchören vor dem Flughafengebäude. Tausende Bürger warteten auf dem zentralen Ban-Jelasic-Platz in Zagreb auf die Ankunft der Offiziere. Zuvor hatten schon Zehntausende Kroaten das Urteil gefeiert. "Kroatien ist unschuldig" und "Sieg der Wahrheit", titelten die Zeitungen.
Empörung in Serbien
Serbien als der Gegner im damaligen Bürgerkrieg zeigte sich geschockt. Das Tribunal habe mit dem Urteil "jede Glaubwürdigkeit verloren", sagte für die Regierung Minister Rasim Ljajic, der auch für die Beziehungen mit Den Haag zuständig ist. "Das ist heute nur der Beweis eines selektiven Rechts, das schlimmer ist als jedes Unrecht."
Der serbische Staatsanwalt für Kriegsverbrechen, Vladimir Vukcevic, sprach von einem "skandalösen Urteil".
Stand: 16.11.2012 16:43 Uhr
